Abonnieren

  • Subscribe via Email
  • Facebook
  • Twitter

Rede von Yair Lapid am Gleis 17

Die Shoah stellt uns alle vor dieselbe Frage: Was hätte ich getan?

Was hätte ich getan, wenn ich als Jüdin oder Jude 1933 in Berlin gelebt hätte, als Hitler an die Macht kam? Wäre ich geflohen? Hätte ich mein Haus oder mein Geschäft verkauft? Meine Kinder mitten im Schuljahr von der Schule genommen? Oder hätte ich mir gesagt: es wird vorbeigehen, das ist nur ein vorübergehender Wahn, Hitler sagt all diese Dinge nur, weil er Politiker ist und eine Wahl gewinnen will. Ja, er ist ein Antisemit, aber wer ist das nicht? Wir haben Schlimmeres durchlebt als das. Besser, wir warten ab und halten uns still. Es wird vorbeigehen.

Was hätte ich als Berliner oder Berlinerin am 18. Oktober 1941 getan, als der erste Zug von diesem Bahnsteig nach Osten abfuhr, darin 1013 Juden, Kinder, Alte und Junge, Frauen und Männer, die ihrem Tod entgegenfuhren?

Ich frage nicht, was ich als Nazi getan hätte, sondern wie ich mich als aufrechter deutscher Mann verhalten hätte, der hier am Bahnhof auf seinen Zug wartete. Ein Bürger Deutschlands im gleichen Alter wie ich jetzt, mit drei Kindern wie ich. Ein Mann, der seine Kinder im Geist der Werte menschlichen Anstands, Rechtes auf Leben und Respekt erzogen hat? Wäre ich stumm geblieben? Hätte ich protestiert? Wäre ich einer der wenigen Berliner gewesen, die sich dem Widerstand gegen die Nazis angeschlossen hätten? Oder wäre ich einer der vielen Berliner gewesen, die einfach weiterlebten und so taten, als ob nichts geschähe?

Und was, wenn ich einer der 1013 Juden in diesem Zug gewesen wäre? Hätte ich den Zug bestiegen? Hätte ich versucht, meine 18 Jahre alte Tochter in den Wäldern im Norden zu verstecken? Hätte ich meinen beiden Söhnen geraten, bis zum Ende zu kämpfen? Hätte ich meinen Koffer fallen gelassen und wäre weggerannt? Oder hätte ich die Wachmänner in den schwarzen Uniformen angegriffen, um einen ehrenvollen und schnellen Tod zu sterben, statt langsam an Hunger und Folter?

Ich denke, ich kenne die Antwort. Ich denke, Sie auch.

Lesen Sie die ganze Rede auf der Website der Botschft des Staates Israel

 Zum NEWSLETTER anmelden
Bestellen Sie den Newsletter der Israel Nachrichten kostenlos per E-Mail und verpassen keine Top-Story mehr. Melden Sie sich HIER an.

Copyright (c) Israel Nachrichten Ltd. 2012-2020.
Eine Vervielfältigung oder Speicherung in Datenbanken oder in anderer Form ist ohne Genehmigung des Verlages untersagt.
Protected by Copyscape Plagiarism Finder

Werden Sie Mitglied der ISRAEL NACHRICHTEN

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Mitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und das Erscheinen der Zeitung zu sichern.
Klicken Sie für Informationen zur Fördermitgliedschaft Hier…

Von am 21/08/2014. Abgelegt unter Welt. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
Leserkommentare geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Wie in einer Demokratie ueblich achten wir die Freiheit der Rede behalten uns aber vor, Kommentare nicht, gekuerzt oder in Auszuegen zu veroeffentlichen. Anonyme Zuschriften werden nicht beruecksichtigt.