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Jüdische Soldaten im Ersten Weltkrieg: Tapfer, kämpferisch und große deutsche Patrioten

Als im August des Jahres 1914, also vor 100 Jahren, der Erste Weltkrieg ausbrach, waren zehntausende jüdische Soldaten voller Begeisterung dabei. Rund einhunderttausend von ihnen kämpften in der kaiserlich-preußischen Armee des Deutschen Reiches. Zehntausende sind gefallen oder wurden auf den Schlachtfeldern schwer verwundet. Nicht viele Deutsche haben sich daran erinnert, als man sie später zu Feinden des deutschen Volkes erklärte.

Die Nationalsozialisten haben alles daran gesetzt, um alle Erinnerungen an sie auszulöschen. Auch die im Ersten Weltkrieg getöteten Juden hat man seitens des Nazi-Regimes aus den Listen der Gefallenen systematisch getilgt. Wilhelm Frankl, ein tapferer, erolgreicher und jüdischer Jagdflieger, war ein wirklicher Kriegsheld, und er wurde ausgezeichnet mit dem höchsten Orden, den Preußen zu vergeben hatte, den Pour le Merite. Als die Nazis an die Macht kamen, ließen sie sogar die Inschift aus seinem Gedenkstein entfernen. Nach dem Krieg gab es den Verein der jüdischen Frontsoldaten des Ersten Weltkriegs mit dem Namen „Große deutsche Patrioten“, der sich vergeblich bemüht hatte, einen Weg der Verständigung mit den Nazi-Herrschern zu finden. Viele von ihnen, die nicht emigriert sind, wurden in den von den Nazis errichteten Konzentrationslagern vom Leben in den Tod geschickt.

Reichsbund jüdischer frontsoldaten

Damals bestand bei den jüdischen Soldaten die Hoffnung, durch den Einsatz im Ersten Weltkrieg endlich Anerkennung zu finden. Für sie war dieser Krieg eine historische Chance, denn ab den Siebzigerjahren des 19.-Jahrhunderts bildete sich schon der rassistische Antisemitismus im Kaiserreich. Und so dachten sie, dies ließe sich überwinden, wenn sie im Krieg Leib und Leben dem „Vaterland opfern“ würden, um so als Teil des deutschen Volkes, als „echte“ Bürger und nicht mehr als Fremdkörper anerkannt würden. Normalerweise konnten jüdische Soldaten in der preußischen Armee des deutschen Kaiserreiches keine Offiziere werden. Das änderte sich im Ersten Weltkrieg, weil man sie brauchte, und zwar deshalb, weil sehr viele Offiziere gefallen waren. Aber dennoch bekamen sie nur den Status von Reserveoffizieren, und so war ihnen eine weitere Karriere nach Ende des Ersten Weltkrieges weiterhin – wie zuvor – versperrt.

Als Kaiser Wilhelm II. im August 1914 vom Berliner Stadtschloss aus seine Rede an das Volk richtete und unter anderem sagte, er kenne nur noch Deutsche und keine Parteien mehr, freuten sich auch die jüdischen Mitbürger. Sie glaubten sogar, der Kaiser hätte sie damit persönlich angesprochen. Sogar der „Centralverein deutscher Bürger jüdischen Glaubens“ rief dazu auf, sich freiwillig zu den Waffen und zum Kriegseinsatz zu melden, denn unter den deutschen Juden war die Begeisterung ausnahmslos und total. Im Jahre 1916 ordnete das preußische Kriegsministerium die so genannte „Judenzählung unter den Frontsoldaten“ an, denn die Kaiserliche Regierung wollte interne Konflikte vermeiden, um alle Kräfte auf den Krieg zu bündeln. Damit versuchte die offizielle Politik, den immer noch herrschenden Antisemitismus zu unterbinden; – es erschienen auch kaum noch antisemtische Artikel, und die antisemitischen Organisationen wurden bei Strafandrohung ihrer Sprachrohre beraubt. Und so schien es, dass die Juden ihr Ziel, „vollwertige Deutsche“ zu sein, erreicht hätten.

Jüdische Soldaten auf Genesungsurlaub in Karlsruhe. Foto: www.imz-bw.de

Jüdische Soldaten auf Genesungsurlaub in Karlsruhe. Foto: www.imz-bw.de

Dies jedoch war ein großer Irrtum, denn als der Krieg immer länger dauerte und an Grausamkeiten nicht zu übertreffen war, begann sich die allgemeine Stimmung zu verschlechtern; – man suchte nach Schuldigen, und die Antisemiten bekamen neuen Auftrieb und Zulauf. Sie bezeichneten die jüdischen Soldaten und Offiziere als „Drückeberger“, und sie verlangten von der Regierung sogar nachzuprüfen, wie viele Juden tatsächlich an der Front eingesetzt wurden. Für die Juden war dies nicht nur ein Schock, sondern eine Demütigung, die ihresgleichen suchte!

Viele jüdische Soldaten und Offiziere wurden im Ersten Weltkrieg mit hohen Orden für ihren Mut und ihre Tapferkeit ausgezeichnet, und die so Geehrten waren stolz darauf. Sie hatten furchtbar gelitten, einen hohen Preis bezahlen müssen, aber es geschafft, anerkannt zu sein.

Heute, im Jahre 2014 kennen wir den weiteren Verlauf der Geschichte; – aber die Juden wussten  damals noch  nicht welch schreckliches Unheil ihnen in ihrem deutschen „Vatérland“ noch bevor stand.

Von Rolf von Ameln

Redaktion Israel-Nachrichten.org

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Von am 05/09/2014. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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