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Die Deutschen im Zweiten Weltkrieg – Der U-Boot-Krieg und die Wende

Das Einzige, was Winston Churchill während des Zweiten Weltkrieges existenzielle Sorgen bereitete, waren nicht die unzähligen Luftangriffe deutscher Bomber auf britische Städte, sondern jene deutscher U-Boote gegen englische Handelsschiffe.

Mitte des Jahres 1943 jedoch war der U-Boot-Krieg für das Reich der Nazis verloren. Der Einsatz der deutschen U-Boote war im Ersten Weltkrieg so wirkungsvoll gewesen, dass Deutschland im Vertrag von Versailles 1919 vorerst verboten wurde, eine Flotte von Unterseebooten zu unterhalten. 1935 wurde im deutsch-englischen Flottenabkommen deren maximale Stärke auf 45 Prozent der Tonnage der britischen U-Boot-Waffe limitiert.

Übernahme eines Torpedos durch einen deutschen U-Boot-Maat. Foto: Archiv/RvAmeln

Übernahme eines Torpedos durch einen deutschen U-Boot-Maat. Foto: Archiv/RvAmeln

In der deutschen Kriegsmarine spielten die U-Boote eine bedeutende Rolle, wenngleich im September 1939 erst 57 Einheiten in Dienst waren, von denen nur 26 für eine Verwendung im Atlantik zu gebrauchen waren. Zwar hatte Deutschland in bescheidenem Ausmaß auch Überwasserkriegsschiffe gebaut, doch erwies sich deren Einsatz als ineffizient. Die zahlreichen schweren Verbände der Royal Navy – Schlachtschiffe, Flugzeugträger, Kreuzer – spürten die wenigen operierenden Überwassereinheiten auf allen Meeren auf und versenkten diese – wie etwa die „Bismarck“.

Im Krieg gegen Norwegen im Jahre 1940 musste die deutsche Überwasserflotte massiv und konzentriert eingesetzt werden und wurde heftig von der Royal Navy und der britischen Luftwaffe attakiert. Am Ende dieses Feldzuges lagen die meisten deutschen Schiffe auf dem Grund des Meeres oder schwer beschädigt im Dock. Der Einsatz von U-Booten, die beträchtliche Strecken unter Wasser zurücklegen konnten und somit zumindest streckenweise den Ausgucktürmen und Geschützen englischer Kriegsschiffe entzogen waren, versprachen mehr Erfolg. Mit der frühen Kapitulation Frankreichs 1940 eröffnete sich für die U-Boot-Waffe ein ungeahnter Vorteil. Mit der Besetzung der französischen Atlantikhäfen hatten die Unterseeboote nunmehr direkten Zugang zu diesem Ozean und mussten nicht mehr den langen Weg über die Nordsee wählen, denn der Ärmelkanal galt galt wegen der starken Verminung als unpassierbar.

Durch den so verkürzten Anmarschweg konnten die deutschen U-Boote länger im Operationsgebiet gegen England bleiben, dem vorerst einzigen noch verbliebenen Feind. Nachdem im Jahre 1940 die Luftschlacht um Großbritannien mit einer Niederlage für die Nazi-Luftwaffe endete und somit Berlin die See- und Luftlandung deutscher Truppen auf den britischen Inseln (Deckname „Operation Seelöwe“) nicht wagen konnte, lag die Last der Hauptkriegsführung bei den deutschen Unterseebooten. Die Besatzung von „U-47“ erlangte bereits im Oktober 1939 Berühmtheit, weil sie in den britischen Kriegshafen Scapa Flow eingedrungen war und das dort vor Anker liegende Schlachtschiff „Royal Oak“ versenkt hatte.

Dieses Unternehmen galt als besonders gefährlich und damit als außerordentliche Leistung und machte die Besatzung im ganzen Reich berühmt. Viel wirkungsvoller jedoch war der Handelskrieg gegen Großbritannien. Für das vom Import abhängige England war die wirtschaftliche Verbindung zum nordamerikanischen Kontinent und somit die Transportschifffahrt über den Atlantik überlebenswichtig. Die Fähigkeit Londons, gegen Hitler wirkungsvoll militärischen Widerstand zu leisten, hing in hohem Maße davon ab, ob es der englischen Marine gelang, die Schifffahrtsrouten, die sich wie Lebensnerven über die Weltmeere spannten, gegen feindliche Angriffe abzuschirmen. Daraus ergab sich die strategische Zielsetzung der deutschen Seekriegsleitung, die Seeverbindungen zu durchtrennen.

Die Angriffe erfolgten im „Rudel“: Das bedeutet, dass mehrere – bis zu mehreren Dutzend – U-Boote in regelmäßigem Abstand voneinander nach feindlichen Schiffkonvois suchten. Hatte ein U-Boot einen gegnerischen Konvoi gesichtet, griff es diesen vorerst nicht an, sondern gab die eingeschlagene Richtung und Geschwindigkeit des Geleits laufend an die anderen im Rudel operierenden U-Boote weiter, um diese an den Konvoi heranzuführen. Gemeinsam erfolgte dann ein konzentrierter Angriff, zumeist in der Nacht und aufgetaucht, da somit die Wahrscheinlichkeit geortet beziehungsweise gesehen zu werden am geringsten war. Diese Taktik war in der ersten Hälfte des Krieges ein durchschlagender Erfolg. Von Beginn des Zweiten Weltkrieges bis Ende 1942 versenkten deutsche U-Boote im Atlantik, der Nordsee, im Indischen Ozean, im Mittel- und Nordmeer nicht weniger als 10,9 Millionen (!) Bruttoregistertonnen alliierten Schiffsraums.

Neben dem Verlust von Schiffsmannschaften, der Vernichtung der geladenen Fracht war es auch der Verlust der Transportkapazität, der die Ernährungslage in England verschärfte und die Reichweite der englischen Kriegsführung einschränkte. In den Kriegsjahren 1939 bis 1942 verloren die Alliierten mehr Transportkapazität durch U-Boote, als in ihren Werften neu gebaut werden konnte; ein bedrückender Befund, der die Ängste der britischen Regierung erklärt. In der ersten Hälte des Jahres 1942 standen in der deutschen Statistik noch 3,241 Millionen Bruttoregistertonnen 32 versenkten U-Booten gegenüber, was einer Relation von rund 101.000 BRT pro versenktem U-Boot entsprach.

In der zweiten Jahres hälfte 1942 verschlechterte sich diese Relation auf 51.000 BRT, um in der ersten Jahreshälfte 1943 gar auf 17.000 BRT zu fallen. Die deutsche U-Boot-Waffe musste weniger Erfolge mit immer größer werdenden eigenen Verlusten erkaufen. Noch 1943 wurden die einst gefürchteten Jäger der Meere selbst zu Gejagten; eine Defensive, an der sich bis Kriegsende nichts mehr ändern sollte. Den Alliierten war es gelungen, ihre Konvois immer besser zu sichern. Immer mehr Geleitfahrzeuge wurden gebaut, die außerdem zunehmend mit neuer Über- und Unterwasserortungstechnik (ASDIC, Sonar, Radar) qausgerüstet waren. Besonders wirkungsvoll operierten Langstreckenflugzeuge, die immer weiträumigere Teile des Atlantiks überwachen und dabei U-Boote, die nur einen kleinen Teil ihrer Route unter Wasser zurückzulegen vermochten, angreifen konnten.

Strategisch war es dem Reich Hitlers nicht gelungen, England zu schlagen, bevor die USA in den Krieg eingreifen konnten. Die USA unterstützen London aber schon vor dem Kriegseintritt im Dezember 1941. Einerseits war England ein bedeutender Absatzmarkt, andererseits sah man in Washington in der Verteidigung der Insel einen integralen Beitrag zur Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten von Amerika. So überließen die USA den Briten noch 1940 im Tausch gegen acht britische Stützpunkte im westlichen Atlantik 50 ältere Zerstörer. Mit dem Leib- und Pachtgesetz von 1941 hatten die USA die Möglichkeit, jeden Staat materiell zu unterstützen, dessen Verteidigung der Präsident zum Schutz der USA für lebenswichtig erachtete. Auf diese Weise flossen enorme Mengen an Rüstungsgütern nach England und später auch an Sowjetrussland.

In Berlin wiederum beging man den schwerwiegenden Fehler, den Krieg als hauptsächlich kontinentale Auseinandersetzung zu führen und den „atlantischen Charakter“ der Auseinandersetzung zu verkennen. Nicht England, sondern Sowjetrussland war der Gegner, auf den die Rüstungsanstrengung konzentriert wurde; dementsprechend gering fiel die materielle und personelle Unterstützung der Marine aus. Die gelegentlich verbreitete These, Adolf Hitler habe keinen Seekrieg gegen Großbritannien führen wollen, um doch noch zu einem politischen Ausgleich zu kommen, ist wenig plausibel. Aber auch diverse Machtkämpfe in der deutschen Wehrmachtsführung schwächten die deutsche Marine. Sei es, dass Großadmiral Erich Raeder, der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine bis Anfang 1943, mit seinem Festhalten an schweren Überwassereinheiten wertvolle Ressourcen band, oder dass die Zusammenarbeit zwischen Luftaufklärung – als aufklärendes Element – und Kriegsmarine mehr von Prestigesucht als von Zielorientiertheit geprägt war.

In den letzten 24 Kriegsmonaten stiegen die Verluste bei den U-Booten immens, ohne auch nur annähernd an frühere Erfolge anknüpfen zu können. Und so starben insgesamt über 60 Prozent der U-Boot-Besatzungen der im Fronteinsatz befindlichen Boote.

Von Rolf von Ameln

Redaktion Israel-Nachrichten.org

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Von am 20/10/2014. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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