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Der israelische Sternenhimmel

Ob unser Tourismusminister Uzi Landau wirklich weiß, was da alles auf ihn zukommt?

Bis zum 04. Dezember haben die Eigentümer und Geschäftsführer der israelischen Hotels, Pensionen, Zimmerim, Appartements etc. Zeit, sich zu überlegen, ob sie sich einer international anerkannten Klassifizierung unterziehen wollen, oder nicht.

Nachdem ein ansatzweise vereinheitlichtes Bewertungssystem bereits 1992 wieder in den Ablagen des Ministeriums verschwand, kam 2001 eine neue Bewertungsidee auf: man unterschied zwischen angemeldeten und nicht angemeldeten Betrieben. Das sagt natürlich ganz und gar nichts über die Qualität eines Betriebes aus!

Bis zum Stichtag 04. Dezember kann nun jeder Unternehmer noch entscheiden, seinen Betrieb anzumelden und sich damit der Konkurrenz zu stellen.

Klassifiziert wird nach jenem System, das von Österreich aus Verbreitung in nahezu ganz Europa fand und sich über die letzten Jahrzehnte bewährt hat.

Die Klassifizierung ist einfach: man füllt einen Fragebogen aus, errechnet die erreichten Punkte und weiß schon, wie man eingestuft werden wird. Wenn da nicht noch die Mindestvoraussetzungen wären…. Diese können entweder grundsätzlich gelten, oder auch ab einer bestimmten Sternenstufe vorgeschrieben werden.

Hier nur ein Beispiel, welche Mindestvoraussetzung bereits ab 1*gilt:

„Alle Einrichtungen und Ausstattungen sind funktionstüchtig, in mangelfreiem Zustand und ohne erkennbaren Renovierungs-/Investitionsstau“

Tja, wer kennt das nicht, Kaugummiflecken auf dem Teppichboden im Zimmer, angeschlagene Badewannen, klopfende Wasserrohre, Türen, die nicht mehr gut schließen, geschweige denn, isolieren. Ich habe sie immer wieder entdeckt, im 3* Hotel in einem Kibbuz und auch im 5* Hotel in Jerusalem.

Der Bogen geht dann mit dem Klassifizierungsvorschlag zurück an das Ministerium. Bis zu 3* werden die Anträge in der Regel nur stichprobenartig vor Ort überprüft.

Ab 3* Superior sind bereits Besuche durch Mystery Guests vorgesehen. Diese hotelerfahrenen „Gäste“ bleiben in der Regel einige Tage im Betrieb und durchleuchten alles, von der Pflege der Außenanlage, über die Freundlichkeit und Kompetenz der Mitarbeiter, die Qualität der Dienstleistungen und Speisen, bis zum Umgang mit Beschwerden.

Dass die Mitarbeiter in Küche und Service, an der Rezeption, in der Gästebetreuung und im Etagenbereich fachlich geschult sind, wird erst gar nicht andiskutiert. Das ist eine Grundvoraussetzung. Ebenso, dass die Mitarbeiter im Service und an der Rezeption mindestens zweisprachig sein müssen. Ab dem 3* werden zwei Fremdsprachen vorausgesetzt. (Diese sollten der Gästezielgruppe angepasst sein)

Ivrith plus Arabisch gilt in einem internationalen Hotel nicht als zweisprachig. Ivrith plus Englisch stellt für mein Verständnis die minimale Zweisprachigkeit dar. Ivrith plus Englisch plus Russisch ist sicher sehr zielgruppenorientiert, vor allem am Toten Meer, in Eilat und am Kinneret, vernachlässigt aber den internationalen Gast sträflich. Der Ausweg wird sein, die potentiellen Mitarbeiter auch nach ihren Sprachkenntnissen auszusuchen.

Leider schaut in Israel die Realität derzeit ganz anders aus. Ich spreche als langjährige Hotelmanagerin und Lehrerin für Hotelmanagement den jungen Damen und Herren an der Rezeption und im Service zwar keinesfalls ihren Charme ab, mit dem sie den Unwillen, eine echte Dienstleistung zu erbringen mehr oder weniger geschickt überdecken, ich spreche mehr als 90% aber jegliche Fachkenntnis ab!

Und so wird manch selbsternanntes 5* Hotel plötzlich als 3*Superior in den Listen auftauchen, was sich natürlich auf den Preis auswirkt. Meine Erfahrungen in Israel sagen mir, dass die Spitze der Pyramide, bei den 5* aber auch bei den 4* Hotels ausgedünnt wird. Und das ist gut so.

Nur so bekommt der Tourismusmarkt, der im Prinzip den stärksten Sektor der Wirtschaft darstellen könnte, eine echte Chance zur Expansion.

Es wird zu Beschwerden innerhalb der Branche kommen, vor allem die israelischen Hotelketten, die sich selber so gerne in den obersten Sternesegmenten sehen, werden gewaltig umdenken müssen.

Von Esther Scheiner

Redaktion Israel-Nachrichten.org

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Von am 26/10/2014. Abgelegt unter „Während Israel nicht nur vom BDS boykottiert wird…“. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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