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Schlomo Carlebach – 20. Jahrzeit

Am  Sonntag wurde weltweit der 20. Todestages von „Reb Schlomo“ begangen, oder – man kann fast sagen – gefeiert. Denn da wurde viel gesungen und getanzt, sicher ganz im Sinne des „singenden Rabbi“, wie er während etwa 40 Jahren seines Lebens genannt wurde.

Der 1925 Geborene stammte aus einer alteingesessenen orthodoxen Rabbiner-Dynastie, seine Mutter Paula war die Tochter des früheren Basler Rabbiners Dr. Arthur Cohn. Als die Familie in den 30-er Jahren Deutschland verlassen musste, bzw. nach dem Anschluss Baden bei Wien, wo der Vater Hartwig inzwischen als Gemeinde-Rabbiner amtete, gelangten sie über die Schweiz nach Amerika, wo der Vater Rabbiner einer Gemeinde in New York’s Upper West Side wurde. Reb Schlomo erhielt seine Smicha von der angesehenen orthodoxen Lakewood-Jeschiwah, wo er herausragender Schüler von Rav Kotler war und als grosse geistige Kapazität angesehen wurde. Nach dem Tod seines Vaters l967 leitete er die „Carlebach-Schul“ zusammen mit seinem Zwillingsbruder Eli Chajim während über 10 Jahren. Während seiner Studien kam er aber auch mit der chassidischen „Chabad“-Bewegung in Kontakt und fühlte sich von deren ausstrahlender Wärme angezogen. Er wurde vom Lubawitscher Rebbe – der sein Talent erkannte, über die Musik auf junge Leute zuzugehen, die sonst dem Judentum fernstanden – zu einem der ersten „Emissäre“ ernannt. Durch seine unkonventionelle Art, seine Liebe zu allen Menschen, seine Offenheit und eben seine Musik gelang es ihm, Tausende „verlorene Seelen“ zum Judentum zurückzubringen.

Er war der Meinung, dass eine Synagoge auch um 02 Uhr nachts offen sein müsste, wenn jemand dann gerade das Bedürfnis hat, sich dort aufzuhalten und er opferte dann sein ganzes Da-Sein, seine Zeit und sein grosses Herz den Anliegen, Sorgen und Nöten seiner meist jungen Mitmenschen im „Haus of Love and Prayer“ in San Francisco. von denen viele Dank ihm von Drogen loskamen und ein jüdisches Leben begannen.

Die ersten Melodien, die ihm „in den Sinn kamen“ summte er vor sich hin und eine Bekannte schrieb sie auf. So begann seine Karriere als Komponist und Erneuerer chassidischer Lieder, die ihm, so scheint es, direkt vom Himmel eingegeben wurden. Er, der nie Noten lesen konnte, „er-fand“ Hunderte von eingängigen Nigunim, die heute noch von Tausenden Leuten gesungen werden. Es gibt unzählige „Carlebach-Minjanim“ vor allem in Jerusalem, aber auch weltweit, die jeden Schabbat mit Insbrunst seine Nigunim singen und die Gebete nicht schnell „herunterleiern“., sondern mit jener Intensität sagen, an der ihm so sehr gelegen war. Jedes Jahr am 16. Cheschwan kommen Dutzende Anhänger an sein Grab in Jerusalem – dieses Jahr war es ein besonders intensives Erlebnis – und „verbringen“ stundenlang im gemeinsamen Tanzen und Singen seiner Melodien das Gedenken an ihn.

Auch am Radio gab es eine mehrstündige Sondersendung mit seinen Liedern und Geschichten., die er jeweils erzählte.

Reb Schloime“ glaubte unbeirrt an das Gute und die „reine Seele“ der Menschen. Man liest dieser Tage fast mit Wehmut ein Interview aus dem Jahre 1993, wo er erzählte, er habe nach dem 6-Tage-Krieg den damaligen israelischen hohen Politikern gesagt: „wenn wir mit den Palästinensern zusammenleben wollen, brauchen wir nicht nur eine Armee für den Krieg sondern auch eine Armee für den Frieden. Gebt mir 5000 Flugtickets und ich bringe meine Hippie-Gemeinde von Los Angeles nach Israel. Sie werden in jedes arabische Haus gehen, Blumen bringen und sagen, „wir sind Eure Freunde, und wir singen mit Euch“. Wer weiss, wie anders es vielleicht heute aussehen würde, wenn man ihn damals nicht belächelt und geantwortet hätte: „telefonieren Sie uns nicht mehr, wir werden uns bei Ihnen melden“…

Später lebte er jeweils ein halbes Jahr in Israel und gründete einen Moschav „Mevo Modiin“, wo man bis heute nach seinen Ideen lebt. Es gibt wohl kaum einen Menschen, der 20 Jahre nach seinem Tod noch so „präsent“ ist, der eine immer noch ständig wachsende Wirkung hat und dessen Vermächtnis tagtäglich von Vielen verwirklicht wird. Und das Erstaunliche ist, dass unter seinen Anhängern viele ganz junge Leute sind, die ihn nie persönlich kannten und in der Mehrzahl sogar geboren wurden, nachdem er schon nicht mehr physisch lebte. Das „Convention Center“ in Jerusalem war bei einem zentralen Gedenk-Konzert prall gefüllt auch mit vielen sehr jungen Leuten und viele der auftretenden jungen Sänger haben sich seinen Melodien „verschrieben“. Einer von ihnen, Schlomo Katz, sagte an einer anderen, etwas intimeren, Veranstaltung, die etwas mehr „Schlomo-like“ war, und wo auch viele ältere Leute, die sicher noch von ihm persönlich inspiriert worden waren, verzückt mitsangen:„Wie kann es sein, dass man jemanden vermisst, den man nie gekannt hat?“ Es ist vielleicht der Zauber seiner berührenden und einfühlsamen Nigunim, die bewirken, dass man sich dem „Zauberer chassidischer Melodien“, Reb Schlomo Carlebach, heute noch so nahe fühlt.

Von Ruth Bloch

Redaktion Israel-Nachrichten.org

 

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Von am 17/11/2014. Abgelegt unter Israel. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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