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LUCERNE FESTIVAL – Im Andenken an Claudio Abbado

Das diesjährige bekannte Klassische Festival im Herzen der Schweiz stand natürlich ganz im Zeichen des Todes von Claudio Abbado, dem grossen italienischen Dirigenten, der 1966 in Luzern erstmals das damalige „Schweizerische Festspiel-Orchester“ dirigiert hatte, das später aufgelöst wurde, und also seit fast 50 Jahren mit dem damals noch „Internationale Musik-Festwochen Luzern“ genannten Event verbunden war.

2003 hatte er dann das „Lucerne Festival Orchestra“ gegründet, und seither jedes Jahr mit seiner Präsenz und ihren hingebungsvollen Aufführungen den musikalischen Erlebnissen einen starken Stempel aufgedrückt. Das „Orchester der Freunde“, wie er es selbst nannte, besteht aus vielen bekannten Solisten, wie z.B. der Klarinettistin Sabine Meyer, der Cellistin Natalja Gutman, dem Trompeter Reinhold Friedrich und den Brüdern Renaud und Gautier Capuçon, die diese Saison auch mit dem Israel Philharmonic Orchestra auftreten, um nur einige zu nennen.

Alle Konzerte des diesjährigen Festivals waren dem im Januar verstorbenen Claudio Abbado gewidmet, der das Eröffnungs-Konzert noch selber konzipiert hatte. Vorläufig übernahm der erst 35jährige Lettische Dirigent Andris Nelsons das Szepter bzw. den Dirigierstab, aber die Frage der Nachfolge ist noch nicht endgültig gelöst.

„Psyche“ war das Motto dieses Festivals, um die magische Wirkungsmacht der Musik , den Kosmos der Empfindungen, die Mechanismen des Unterbewusstseins, den musikalischen Ausdruck unserer Innenwelt ging es. Diese sind natürlich äusserst vielfältig bei über 100 Veranstaltungen des Festivals während 1 Monat und können auch nicht ansatzweise im
Einzelnen wiedergegeben werden. Die Sinfoniekonzerte – mit vielen weltberühmten Orchestern – waren wie meist ausverkauft, aber auch moderne Werke waren zu einem beachtlichen Teil von fast 90 % besucht.

Aus unserer Sicht erwähnenswert sind noch die dargebotenen neuen Werke „Sitting Shiva for Anne, von Mela Meierhans und „Bereshit“ und „Songs from Solomon’s Garden“ von Matthias Pintscher, dem neuen Musikdirektor des „Ensemble intercontemporain“(dem früher Pierre Boulez vorstand).
Abgesehen von Dirigenten, die auch politische Botschaften verbreiten wollten, wie Daniel Barenboim, der mit „seinem“ West-Eastern Divan Orchestra zweimal auftrat und dabei neue Stücke eines Israeli Ayal Adler und eines Syrers Kareem Roustom darbot, und Valery Gergiev, der sich im Sommer während der Ukraine-Krise als Putin-Unterstützer „geoutet“ hatte, war bei den Darbietungen sonst die Musik im Focus.

Gergiev trat übrigens mit dem jungen russischen Pianisten Daniil Trifonov auf, der gerade auch beim Israel Philharmonic Orchestra gastierte und über den die „Süddeutsche Zeitung“ kürzlich nach einem Auftritt begeistert schrieb: „vergesst Horowitz, vergesst Pollini, Brendel, selbst Kissin und alle anderen erst recht“, das sei „der unglaublichste Pianist, den man hören könne!“. Womit man wieder ganz bei der „Psyche“ ist, bei den Gefühlen, die Klänge in uns wachrufen.

Wenn man allerdings die Musik auch als „Spiegel der Seele“ des Komponisten versteht und den verborgenen Botschaften nachspüren soll, die diese mit ihren Werken vermitteln wollten, kann man diese meist auch nicht ohne die politisch-sozialen Gegebenheiten ihrer (Entstehungs-) Zeit erkunden und verstehen. Diese werden jeweils in interessanter Art in den Programmheften, in Einführungen und Vorträgen eingehend beleuchtet und erläutert und tragen viel zum Verständnis bei. Um aber wieder zu dem zurückzukehren, was
Klänge in den Hörern bewirken können, muss man eben hingehen und sich „mitreissen“ lassen.

Das Lucerne Festival sorgt auch dafür, dass Leute hingehen können, die es sich sonst finanziell nicht leisten könnten oder keine schon „angefressene“ Konzert-Gänger sind. Dieses Jahr gab es wieder 10 Gratis-Veranstaltungen, die jeweils 40 Minuten dauerten, und die sich wachsender Beliebtheit erfreuen. Sie gaben auch Einblicke in moderne Musik-Strömungen. Und damit auch die Psyche der Jüngsten und Jungen von Musik einvernommen werden kann, dafür bietet das „Lucerne Festival“ sogenannte „Sitzkissen-Konzerte“ ab 5 Jahren bzw. Jugend- und Familien-Konzerte.

Die „normalen“ Konzertbesucher sind natürlich meist schon musikbegeistert – so sehr, dass sich auch Plätze für 250 bis 350 Dollar fast problemlos verkaufen lassen – und lassen sich von den vielen Neustartern bis berühmten Dirigenten, Orchestern und Solisten, die unzählige berührende Werke auf’s Schönste interpretieren, in „höhere Sphären“ versetzen.

Mich hat im einzig gehörten (Abschluss-) Konzert der junge, höchst energetische venezolanische Star-Dirigent Gustavo Dudamel, der mit den Wiener Philharmonikern und einem russischen Programm die Zuhörer „aus den Stühlen riss“, voll mit musikalischer Magie getroffen. Die „Scheherazade“ von Rimsky-Korsakow z.B. ist fast der Inbegriff eines psychologisch genialen und emotional bewegenden Meisterstücks und handelt auch davon, wie die Prinzessin einen blutrünstigen Sultan überlistet, indem sie ihm in 1001 Nächten Geschichten erzählt – oder in schmelzenden Tönen vorsingt? – bis er sie vom Tode begnadigt und sich zu ihr und ihrer „Musik“ bekehrt.

Herrlich, mit welch unglaublicher Strahlkraft der Dirigent mit dem Orchester das Werk darbot und alle feinsten musikalischen Register zog. Ich war so hingerissen wie der Sultan und hätte am liebsten auch 1001 Nächte zugehört!

Von Ruth Bloch

Redaktion Israel-Nachrichten.org

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Von am 07/11/2014. Abgelegt unter Europa. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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