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Opernfestspiele in Verona

Der israelische Star-Dirigent Daniel Oren leitete noch vor wenigen Jahren die Mehrzahl der Opern-Vorstellungen während den über 2 Monate dauernden Festspielen in der berühmten Arena von Verona. Er war praktisch das „Aushänge-Schild“ des italienischen Opern-Festivals, das letztes Jahr das Jubiläum des 100jährigen Bestehens feierte.

Nun scheint es, dass er sich langsam von dort zurückzieht – oder einfach, dass die Konkurrenz der ausgezeichneten jungen Dirigenten auch immer grösser wird.

Dieses Jahr bestritt er den Gala-Abend mit Placido Domingo, der seine lange Karriere übrigens in der Alten Oper Tel-Aviv startete, sowie einige wenige Opern-Abende. Es kann aber auch sein, dass Daniel Oren jetzt einfach weniger Zeit für die Opern-Festspiele von Verona hat, weil er seit dieser Saison neu musikalischer Leiter der Oper in Tel-Aviv geworden ist.

Auch die Anzahl der Vorstellungen geht seit einiger Zeit jährlich zurück, da es besonders während den Wochentagen immer schwieriger ist, die fast 20’000 Plätze täglich zu füllen.

Die Faszination in dieser einzigartigen Atmosphäre aber bleibt bestehen und verzaubert die Zuhörer seit über 100 Jahren.

Trotzdem macht der kulturelle Wandel auch nicht Halt vor der altehrwürdigen Kulisse der antiken Arena. Positiv ist zu vermerken, dass es heute meist „mucksmäuschenstill“ ist während den Aufführungen. Vor vielen Jahren waren die Vorstellungen jeweils begleitet vom Lärm herumfliegender Bier-Flaschen , die Sicht vernebelt vom Zigarettenrauch von vielen Zuschauern, und am Ende waren Kissenschlachten von mitgebrachten oder gemieteten Sitzkissen keine Seltenheit. Heute kann man förmlich „eine Nadel fallen hören“ wenn die Vorstellung läuft, Getränke gibt es nur in den Pausen und die

Kissen werden vom Personal eingesammelt. Auch muss man kaum noch bangen, ob es noch Billette hat, wenn man sich spontan zu einem Besuch entscheidet, Höchstens bei hochdotierten Gala-Vorstellungen kann es schwierig werden, noch einen Platz zu ergattern, und dieses Jahr z.B. waren bei einer der berühmten „Carmen“-Vorstellungen die günstigsten Plätze ausverkauft – beim offiziellen Billett-Schalter. Aber da man sich ja in Italien befindet, geht man einige Schritte weiter zu einem Schwarzmarkt-Händler, der möglichst unauffällig vor der Arena positioniert ist, und schon gibt es auch noch billige Billette, zu Preisen, wie man sie in Israel bei kaum einer Kultur-Veranstaltung erhalten kann.

Und je mehr Mut man hat, bis kurz vor Beginn zu warten, desto billiger werden die Tickets. Allerdings gibt es Leute, die schon 2 Stunden vorher hereingehen, um sich die besten der unnumerierten Tribünen-Plätze zu sichern. Das gehört dann auch zum „Happening“. Es sind ja dort nicht nur die Opern-Aufführungen, die musikalisch den höchsten Standard bieten, die die besondere Stimmung ausmachen, die dort herrscht, sondern ebenso das „drumherum“.

So zünden z.B. viele Zuschauer auf den Tribünen am Anfang eine Kerze an, was eine zauberhafte Atmosphäre verbreitet. Auch gehört die Arena von Verona noch zu den wenigen Opern-„Häusern“, die jedes Jahr beweisen, dass auch eine ganz „klassische“ Aufführung das Publikum in den Bann ziehen kann, und man nicht in einen modernen, oft unverständlichen, Aktivismus verfallen muss, um auch junge Leute anzuziehen. Es hat zwar in den letzten Jahren hie und da auch schon moderne Inszenierungen gegeben – selbst eine höchst seltsame „Aida“ – aber meist überwiegt ein Augen- und Ohren-Schmaus. Italiener sind ein besonders Opern-liebendes und –kundiges Publikum, und der „Claqueur“, der etwa „Viva Verdi“ in den Applaus hineinruft, erntet jeweils ebenso viel Beifall wie die Künstler.

Aber unter den Tausenden von Zuhörern sind immer auch sehr viele Touristen, die dem Spiel und der Musik ebenso gebannt folgen und sich von dem Dargebotenen begeistern lassen. Unter den herrlichen Vorstellungen, die es dieses Jahr gab – mit vielen wunderschönen Bildern und Szenen, die sehr berührten – angefangen vom „Maskenball“ (Verdi) über die „Carmen“ (Bizet) bis zur „Aida“ in einer Nachbildung der Aufführung von l913, stach wie immer die vom berühmten Film-Regisseur Franco Zeffirelli gestaltete Inszenierung von „Carmen“ hervor – eine fast filmische Augenweide mit ungeheurer Strahlkraft.

Es ist eine lange Tradition, dass jedes Jahr Verdi’s „Aida“ aufgeführt wird, aber auch Bizet’s berühmteste Oper findet immer grossen Anklang und ist fast jedes Jahr im Spielplan. Als aussergewöhnliches Ereignis gab es diesmal ausser der Domingo-Gala auch eine berauschende Aufführung der „Carmina Burana“ von Carl Orff. Diese neue Komposition von mittelalterlichen Gesängen wurde von mehreren stimmgewaltigen Chören und immer wechselnden Lichtspielen hinreissend aufgeführt.

Die berühmte Stadt von Romeo und Julia mit unzähligen interessanten und wunderschönen Sehenswürdigkeiten – wo man übrigens im Sommer überall viele Touristen aus Israel trifft – trägt das ihre dazu bei, dass man wirklich ins Schwärmen kommt und die Faszination der Erlebnisse einen immer wieder dorthin zieht.

Von Ruth Bloch

Redaktion Israel-Nachrichten.org

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Von am 30/11/2014. Abgelegt unter Europa. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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