Abonnieren

  • Subscribe via Email
  • Facebook
  • Twitter

Das Jerusalem Symphony Orchester

Das mit dem israelischen Radio eng verbundene Orchester hat soeben seine 3. Saison unter der Stabführung des aus Frankreich stammenden Musik-Direktors, Dirigenten, Komponisten und Pianisten Frédéric Chaslin begonnen. Und zwar gleich mit einem Paukenschlag: Gustav Mahler’s monumentale „Auferstehungs-Sinfonie“ . Vorgängig gab es zum Auftakt die Uraufführung eines Auftragswerks einer jungen israelischen Komponistin, Aviya Kopelman. Das rund 20minütige, eingängige Werk mit dem Titel „Zwischen Gaza und Berlin“ begann auch mit einem fulminanten Paukenschlag: das erste der 6 Bilder besteht hauptsächlich aus Trommel-Wirbeln und gibt mit den anderen Sätzen Eindrücke aus einem Humus-Laden und Restaurant wieder, das sich an der Ecke zwischen Gaza- und Berlin-Strasse in Jerusalem befindet.

Durch den nach dem Entstehen des Stücks ausgebrochenen Krieg bekam der Titel natürlich noch zusätzliches Gewicht, da in letzter Zeit auch bekannt wurde, dass Tausende Israelis nach Berlin „auswandern“, in eine Hochburg der westlichen Kultur. Im Spannungsverhältnis dazu sieht Aviya Kopelman Gaza und seine Kultur und hat versucht, dies in der Musik auszudrücken.

Ein „Hammer“ war dann die phantastische Wiedergabe der 2. Sinfonie von Gustav Mahler. Das grandiose, etwa 80minütige Werk wurde kurz davor auch vom Israel Philharmonic Orchestra am Anfang ihrer neuen Saison gespielt, allerdings nur in Tel-Aviv. Obwohl der dortige Klangkörper über fast 20 Orchestermusiker mehr verfügt, braucht das JSO den Vergleich überhaupt nicht zu scheuen. Im Gegenteil, im viel intimeren Rahmen der Henry Crown Hall wirkte die imposante Sinfonie viel eindrücklicher. Und Maestro Chaslin gelang es, der Interpretation durchaus eigene, auch humorvolle Akzente zu setzen, was vom Publikum hörbar mit Lächeln und sogar Dazwischen-Klatschen honoriert wurde.

Das phantastische Spiel des Orchesters, speziell in dieser Sinfonie auch der Bläser und Trommler, ergänzt durch die verinnerlichten Stimmen der Solistinnen und zwei präzisen Chören, schufen ein intensives Erlebnis, das im letzten, herrlichen Satz gipfelte, sodass man, passend zum Text aus einer Klopstock-Ode, wirklich das Gefühl hatte, in himmlische Sphären gelangt zu sein.

Das weitere Programm der soeben angelaufenen Saison verspricht weitere „Höhenflüge“. Frédéric Chaslin ist nicht nur ein hervorragender Dirigent, der das Orchester mitreissen kann, sondern versteht es vor allem auch, immer interessante Programme zusammenzustellen, die sich nicht nur in Beethoven und Mozart erschöpfen. Nach dem grossen Erfolg der letzten beiden Jahren mit dem ganzen sinfonischen Werk Beethovens setzt er dieses Jahr in der „Classical Serie“ den Akzent auf die Sinfonien von Brahms und Schumann. Daneben greift er aber auch aktuelle Themen auf. Zur Erinnerung an 100 Jahre seit Ausbruch des 1. Weltkriegs und 70 Jahre seit Beendigung des 2. Weltkriegs gibt es in der „Vocal“-Serie Britten’s „War-Requiem“ und das „Kaddisch“ von Krzysztof Penderecki, das er im Andenken an die Kinder des Ghettos Lodz komponierte und persönlich dirigieren wird.

Daneben fehlt weder Mozart’s „Don Giovanni“, noch Bach’s Matthäus-Passion und Händel’s „Messias“.
Für Junge und Familien gibt es extra Konzerte und in der „populären“ Serie sorgt „Leichte Klassik“, geordnet nach verschiedenen Themen, für Schwung und leichten Zugang zur Musik.

Es gibt aber auch Junge, die schon eine erstaunliche Reife in der Musik besitzen. Das Orchester begleitete kürzlich die Gewinner des Wettbewerbs junger israelischer Pianisten und es war wirklich unglaublich, wie diese etwa 17jährigen Künstler die schwersten Werke interpretierten und damit grosse Begeisterung hervorriefen. Ran Dank, der im ersten klassischen Konzert 2 Klavierwerke von Franz Liszt absolut virtuos spielte, ist zwar auch noch ein relativ junger, aber doch schon arrivierter israelischer Künstler, der auch schon weltweit auftritt.

Längst ein Erfolg sind auch die regelmässigen Auftritte des Orchesters in Tel-Aviv und Herzliyah, und wer es auch dorthin nicht schafft, kann ja fast wöchentlich die Live- Uebertragungen der Konzerte am Radio mithören und so auch mitverfolgen, wie Multitalent Chaslin mit einem faszinierenden Programm seine Vitalität und Hingabe auf „sein“ Jerusalem Symphony Orchester überträgt und die Begeisterung nicht nur dem Orchester, sondern natürlich auch den Zuhörern weitergibt.

Von Ruth Bloch

Redaktion Israel-Nachrichten.org

 Zum NEWSLETTER anmelden
Bestellen Sie den Newsletter der Israel Nachrichten kostenlos per E-Mail und verpassen keine Top-Story mehr. Melden Sie sich HIER an.

Copyright (c) Israel Nachrichten Ltd. 2012-2020.
Eine Vervielfältigung oder Speicherung in Datenbanken oder in anderer Form ist ohne Genehmigung des Verlages untersagt.
Protected by Copyscape Plagiarism Finder

Werden Sie Mitglied der ISRAEL NACHRICHTEN

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Mitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und das Erscheinen der Zeitung zu sichern.
Klicken Sie für Informationen zur Fördermitgliedschaft Hier…

Von am 05/12/2014. Abgelegt unter Israel. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
Leserkommentare geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Wie in einer Demokratie ueblich achten wir die Freiheit der Rede behalten uns aber vor, Kommentare nicht, gekuerzt oder in Auszuegen zu veroeffentlichen. Anonyme Zuschriften werden nicht beruecksichtigt.