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Bericht Dezember 1941: Jüdisches Leben im „Dritten Reich“

Wie der „Aufbau“ im Dezember 1941 das jüdische Leben im „Dritten Reich“ sah und berichtete: V plus J

Verzweifelt und tapfer erhebt sich in der gemarterten europäischen Welt die Revolte der freien Seelen. Von Norwegen bis nach Griechenland kämpfen die unterjochten Völker gegen die grausamste und mächtigste aller Tyranneien. In der ersten Linie der revolutionären Front steht das französische Volk. Bedroht durch entsetzliche Repressalien, verraten von der eigenen Regierung, die an Grausamkeit die Nazibehörden zu übertrummpfen sucht, führt es hartnäckig und heldenmütig den Kampf gegen fremde Gewalt. Verblüfft und beunruhigt über den unerwarteten Widerstand heult Hitler in die Welt hinaus, dass es „Juden“ sind, die diesen Kampf führen, Juden, die gegen die Nationalsozialisten die Hand erheben, Juden, die den Transport der Naziwaffen sabotieren, Juden, die den englischen Fliegern Hilfe leisten, Juden, die öffentlich demonstrieren, jene wenigen Juden, die eingeschüchtert und streng überwacht, noch „frei“ in Frankreich herumlaufen, oder gar jene Juden, die in den Konzentrationslagern und Gefängnissen schmachten….

Mir scheint es, dass wir ewig Protestierenden keinen Anlass haben gegen Hitlers neueste Propagandalüge Protest zu erheben, sondern dass wir diesen Ausbruch der Wut mit Wohlwollen quittieren sollten. Nach einer achtzehn Jahre lang dauernden Verleumdungspropaganda, in der die Juden als ehrlose, vaterlandslose, feige, nur zu schmutzigem Geldgewinn interessierte Untermenschen beschimpft wurden, entschliesst sich Hitler zu einer glänzenden Rehabilitierung des Judentums. Wo immer ein Franzose unerschrocken seine Vaterlandsliebe bekundet, ist er ein „Jude“! Wo immer ein tapferer Mann unter Einsatz seines Lebens seine Pflicht als Mann und Mensch erfüllt, ist er ein „Jude“! Dem Anhänger der De Gaulle-Bewegung, dem Croix-de-Feu-Faschisten, dem revolutionären Arbeiter, dem Priester, Soldaten und Bürger, allen, die die Faust gegen die fremden Tyrannen erheben, die Flamme des Widerstandes entfachen, das Vaterland und die Freiheit mehr lieben als ihr Leben, wird Streichers widerliche Fratze vom „Weltjuden“ auf das Antlitz geschmiert. Ob sie aus der Pariser Banlieu stammen, Bretonen sind oder Provencalen, sie alle, die Hitlers Propaganda gegen die Juden aufzuhetzen suchte, wissen jetzt, dass sie selber Juden sind, sobald sie Hitler bekämpfen.

So überschlägt sich die Nazipropaganda, und der grosse Lügner fängt sich im eigenen Netz. Als er achtzehn Jahre lang die Juden beschimpfte und verfolgte, meinte er nicht sie, sondern ihre Ideale, Treue zum Volk, Liebe zur Freiheit, den ewigen Drang nach Humanität, Ideale, die ausgerottet werden mussten, wenn die Neue Ordnung der seelenlosen, mechanisierten Barbarei siegreich die Welt beherrschen sollte. Die Juden in Europa werden hingemordet oder in die Flucht getrieben oder in Käfige gesperrt. Aber jene Ideale, die die Ideale aller edlen Völker sind, leben weiter und entfesseln den revolutionären Kampf im Augenblick, da der Tyrann wähnte, er habe sie endgültig mit seinen Militärstiefeln zertreten. Und da brüllt er auf, verrät er sich selbst: Vaterlandsliebe ist Judentum ! schreit er. Freiheitsdrang ist Judentum! Menschlichkeit ist Judentum! Opfermut bis zum Tode ist Judentum! Und das Wort Jude wird zum Ehrentitel aller Patrioten und aller Freiheitskämpfer, wie einst das Wort Geuse.

Protestieren wir nicht, dementieren wir nicht! Nehmen wir es dankbar hin, dass Hitler selbst das gefürchtete V und das verachtete J in schimmernden Monogrammen miteinander vermählt..!

Geschrieben hat dies im Originaltext Max Beer s.A. in New York.

Auf Seite vier schreibt die Nachrichtenredaktion einen Beitrag über „Sieburg´s Zeitung“:

In Paris erscheint seit der Besetzung durch die Nazis ein von ihnen herausgegebenen Blatt, die „Pariser Zeitung“, die nach dem Ausland zu schicken sich die Nazis natürlich genieren. Um so willkommener ist daher ein Artikel in dem Londoner Blatt der Free-French-Bewegung „France“, in dem Denise V. Ayme dieses Hitler-Blatt unter die Lupe nimmt. Einer seiner Hauptmitarbeiter ist natürlich der intellektuelle Hochverräter und Spion Friedrich Sieburg. Chefredakteur ist eine ehemaliger Maler Paul Strecker, der 16 Jahre in Paris als linsradikaler Künstler gelebt hat und sich dann an die Nazis verkaufte. Die Pariser Zeitung hat eine Ueberfülle von Anzeigen, aber meistens von Nachtlokalen und Bordellen. „Man kann das Blatt nicht lesen“, schreibt die Autorin des Artikels, „ohne an Hitlers Wort zu denken“: „Ich werde aus Paris den Lunapark Europas machen..!“ (Rauschning.)

Der Feuilletonteil ist sehr geschickt gemacht. ( Ayme:) „Es handelt sich anscheinend darum, das Zutrauen der französischen Kontaktkreise zu gewinnen und und für sie eine Atmosphäre der Annäherung zu schaffen. Allerdings, über Literatur wird wenig gesprochen, denn die anständigen französischen Schriftsteller haben nicht mit den Nazis paktiert..!“ Die ganze Zeitung ist eine Mischung aus „schmieriger Anbiederung und versteckter Infamie“, kurz, in jedem Sinne das Produkt einer Kreatur wie Sieburg.

Nach diesem Beitrag folgt eine Kurzmeldung über Neue Ghettos:

Die Nazibehörden haben zwei neue Ghettos eingerichtet für die 35.000 Juden Rigas in der Vorstadt Latganian am rechten Dvina-Ufer und die 30.000 Juden von Czernowitz. So weit sich Juden in den von den Deutschen besetzten Gebieten der Sowjetunion befanden, sind viele – 150.000 – zu Zwangsarbeiten an der Bahnstrecke Wilna-Minsk gezwungen worden.

Die Synagoge von Bialystok wurde von den Nazis verbrannt. Bei dem Brand kamen 75 betende Juden ums Leben!

An dieser Stelle sei mir eine Anmerkung gestattet; – und das soll kein Vergleich mit den Todesfabriken der Nazis sein:

Sind in heutiger Zeit die Kassam-Brigaden und die Hamas sowie die Hisbollah viel besser..? Die Antwort lautet: NEIN…!

Von Rolf von Ameln

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Von am 04/01/2015. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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