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Hat uns der globale Dschihad nunmehr erreicht?

Auch wenn die so genannten „Gotteskrieger“ in Syrien und im Irak ihr Unwesen treiben, haben radikale Islamisten nicht aufgehört, die westliche Hemisphäre zum Terror- und Kriegsgebiet zu erklären, die USA eingeschlossen. Via Facebbok und Twitter ging die Parole „Je suis Charlie“ mit unglaublichen über 6 Millionen Klicks um die Welt. Aber in einer ganz anderen Welt werden die brutalen Morde von Paris bejubelt, und man identifiziert sich mit den beiden Brüdern, die am vergangenen Mittwoch zwölf Menschen hingerichtet haben. Das Videoband, auf dem man sieht, wie einer der Mörder den schon am Boden liegenden Polizisten Ahmed Merabet ohne Gnade per Kopfschuss ermordet, löst in dieser anderen, islamischen Welt, Stürme des Beifalls aus. In einschlägigen „Dschihadistenforen“ im Web verdient ein Muslim, der als Polizist für die Demokratie und das Leben anderer einsteht, den Tod.

Wie kein anderes Land in Europa hat sich Frankreich den größten Zorn der Islamisten zugezogen; – die Regierung hat das Tragen des Ganzkörperschleiers verboten. Hinzu kommt, dass französisches Militär in Mali verhindern konnten, dass radikale islamistische Rebellen das Regime zum Sturz bringen konnten. Erst vor zwei Monaten hatte der Sprecher der Terror- und Mördertruppe „Islamischer Staat“, Abu Mohammed al-Adnani die mörderische Parole herausgegeben: „Wenn ihr einen amerikanischen oder europäischen Ungläubigen – besonders die bösen und dreckigen Franzosen – umbringen könnt, dann vertraut Allah und bringt sie um.“

Obgleich IS und Al-Qaida zurzeit in einem bitteren Konkurrenzkampf um die Führung in der Welt der Dschihadisten stehen, in diesem Punkt sind sich die beiden radikal-islamistischen Verbrecherorganisationen einig. Ayman al-Zawahiri, seit Bin Ladens Tod der neue Anführer von Al-Qaida, hatte bereits im August des Jahres 2009 Frankreich zur Zielscheibe des Terrors gemacht:

„Das Land wird für seine Verbrechen bezahlen, denn sein Herz ist voller Hass gegen Muslime“, so seine Parole. Dabei ist Europa keineswegs ein „Abfallprodukt“ des Krieges, der vor allem zurzeit in Syrien und im Irak vonstatten geht. Einer der wohl einflussreichsten Vordenker dieser Strategie ist Abu Musabb al-Suri. Dereinst war er Mitglied der syrischen Muslimbruderschaft, radikalisierte sich rasch und wurde in den 1990-er Jahren Medienbeauftragter von Al-Qaida. Er lebte, durch seine spanische Ehefrau mit der spanischen Staatsbürgerschaft versehen, einige Zeit in Europa und sprich wenigstens vier Fremdsprachen fließend. Er hat unter anderem ein 1600 Seiten umfassendes Buch im Jahre 2004 im Internet veröffentlicht, das den Titel trägt: „Aufruf zum weltweiten islamischen Widerstand.“

Darin empfiehlt er den „Gotteskriegern“ eine neue Strategie; dezentrale Angriffe kleiner Zellen in westlichen Staaten, die von keiner zentralen Stelle aus mehr gelenkt werden müssen, mit dem Ziel: Die freiheitlichen und demokratischen Gesellschaften sollen aus der Angst heraus überreagieren, sie sollen gespalten, gar bis zum Bürgerkrieg getrieben werden. Die neuen Strategen des Terrors haben sein pamphlet genau gelesen und sie hoffen, dass die folgenden Attentate das Misstrauen der christlichen Mehrheit gegen die muslimischen Minderheiten schüren und weitere Muslime radikalisiert werden. Der Westen wird nicht mehr von Terroristen via entführtem Flugzeug von außen angegriffen, nein, man will ihn von innen heraus zu Fall bringen. Wo al-Suri sich derzeit aufhält ist trotz aller westlichen Geheimdienstarbeit unbekannt. Im Jahre 2005 wurde er in Pakistan verhaftet, an die CIA ausgeliefert und später in einem syrischen Gefängnis weggesperrt!

Syriens Diktator, Assad, ließ ihn im Jahre 2012 auf freien Fuß setzen, seither verliert sich seine Spur. Seine „Ratschläge“ jedoch dienen immer noch dem globalen Dschihad, der im Nahen Osten kämpft und den Westen gleichzeitig destabilisieren will, noch immer als Vorlage für eventuelle Anschläge. Die Zeit Bin Ladens, in der lange vorbereitete und zentral finanzierte Attentate mit Flugzeugen stattfanden, scheint vorbei zu sein. Der Westen – auch Amerika – muss wohl begriffen haben, dass auch Einzeltäter und kleinere Terrorgruppen mit Maschinenpistolen bewaffnet, Angst und Schrecken verbreiten können. Die brutalen Morde von Paris richteten sich gegen Journalisten, Juden und Polizisten, und sie passen in das Konzept der Spaltung, wie andere Anschläge zeigten; – das jüdische Museum in Brüssel im Mai 2014 oder der Anschlag auf französische Soldaten und eine jüdische Schule im Jahre 2012 in Toulouse. Die Brüder Kouachi, die Terror-Mörder von Charlie Hebdo, haben sich als Anhänger von Al-Qaida ausgegeben; – wie auch immer, mit Vorsicht zu genießen.

Aber dazu passen auch Erkenntnisse der amerikanischen Regierung, wonach einer der Mordbrüder im Jahre 2011 sich mehrere Monate bei einem Ableger der Al-Qaida im Jemen ausbilden ließ. Doch Amedy Coulibaly, der das koschere jüdische Geschäft überfiel und mit den Kouachi-Brüdern zusammenarbeitete, erklärte, er gehöre zum „Islamischen Staat“. Möglicherweise zeugen diese Widersprüche von dem verbissenen Wettlauf zwischen dem „Islamischen Staat“ und Al-Qaida um die Führung der dschihadistischen Weltordnung.

Noch sind die Geheimdienste im Westen nicht zu der Überzeugung gekommen, dass sich aus all dem Geschehen der letzten Woche neue Erkenntnisse über typische Radikalisierungswege in Europa ableiten lassen. Dennoch ist die Zeit gekommen, zur Vorsicht zu raten, denn die Wege des Terrors scheinen sich schnell zu ändern. Die Radikalisierung in jüngster Zeit betrifft jüngere Menschen aus prekären und kleinkriminellen Milieu mit einer Art Umkehr der Verachtung:

Anstatt auf sie herabzusehen, soll man sie nun fürchten. Seit eineinhalb Jahren werden europäische radikale Islamisten immer jünger, sind gerade 15 oder 17 Jahre alt. In der Suche nach großen Idealen in Zeiten großer Arbeitslosigkeit und keinerlei Zukunftsperspektive, stoßen sie wie von selbst auf Salafisten; – und die sind derzeit die Ersten am Markt.

Den Informationsmarkt im Web jedoch bespielen die islamischen Terroristen mit Präzision – besonders der „Islamische Staat“ mit seiner hochprofessionellen „Medienabteilung“, die Videos in mehreren Sprachen produziert und sie ins Netz stellt. Der „islamische Staat“ hat sich der Moderne angepasst, und über Twitter oder Facebook werden die Leute, bei denen es sich „lohnt“, herausgefischt, von Anwerbern kontaktiert und „persönlich behandelt.“

Oft fühlen sie sich dann als Teil einer Bewegung, die weltweit agiert. Eine Bewegung, die global vernetzt ist und sich doch ideologisch gegen den Rest der Welt verschließt, um weiterhin Terror, Angst und Schrecken verbreiten zu können.

Und wer könnte sie stoppen? Nur eine Allianz aus den Militärs der NATO und den Vereinigten Staaten von Amerika, die mit einer groß angelegten Operation dem Spuk ein Ende bereiten könnte.

Von Rolf von Ameln

Redaktion Israel-Nachrichten.org

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Von am 19/01/2015. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Sie knnen eine Antwort oder einen Trackback zu diesem Eintrag hinterlassen

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