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Die Nazis und die Aussiedlung der Juden

Ein Überlebender legt Zeugnis ab: In der Nacht vom 13. zum 14. Juli 1942 wurden in Rowno alle Insassen des Ghettos, in dem sich noch ungefähr 5000 Juden befanden, liquidiert… Kurz nach 22 Uhr wurde das Ghetto durch ein großes Aufgebot der SS und einer etwa dreifachen Anzahl ukrainischer Miliz umstellt und daraufhin die in und um das Ghetto errichteten elektrischen Bogenlampen eingeschaltet. SS- und Miliztrupps von je vier bis sechs Personen drangen nun in die Häuser ein oder versuchten einzudringen. Wo die Türen und Fenster verschlossen waren und die Hausbewohner auf Rufen und Klopfen nicht öffneten, schlugen die SS- und Milizleute die Fenster ein, brachen die Türen mit Balken und Brecheisen auf und drangen in die Wohnungen ein. Wie die Bewohner gingen und standen, ob sie bekleidet oder zu Bett lagen, so wurden sie auf die Straße getrieben. Da sich die Juden in den meisten Fällen weigerten und wehrten, aus den Wohnungen zu gehen, legten die SS- und Miliztrupps Gewalt an. Mit Peitschenschlägen, Fußtritten und Kolbenschlägen erreichten sie schließlich, daß die Wohnungen geräumt wurden.

Das Austreiben aus den Häusern ging in einer derartigen Hast vor sich, daß die kleinen Kinder, die im Bett lagen, in einigen Fällen zurückgelassen wurden. Auf der Straße jammerten und schrien die Frauen nach ihren Kindern, Kinder nach ihren Eltern. Das hinderte die SS jedoch nicht, die Menschen nun im Laufschritt unter Schlägen über die Straße zu jagen, bis sie zu dem bereitstehenden Güterzug gelangten. Waggon auf Waggon füllte sich, unaufhörlich ertönte das Geschrei der Frauen und Kinder, das Klatschen der Peitschen und die Gewehrschüsse. Da sich einzelne Familien oder Gruppen in besonders guten Häusern verbarrikadiert hatten und auch die Türen mittels Brecheisen und Balken nicht aufzubringen waren, sprengte man diese mit Handgranaten auf. Da das Ghetto dicht am Bahnkörper von Rowno lag, erhellte man dieses durch Leuchtraketen.
Während der ganzen Nacht zogen über die erleuchteten Straßen die geprügelten, gejagten und verwundeten Menschen. Frauen trugen in ihren Armen tote Kinder, Kinder schleiften an Armen und Beinen ihre toten Eltern über die Straßen zum Zuge. Immer wieder hallten durch das Ghettoviertel die Rufe der Mörder: „Aufmachen, aufmachen!“

Bekanntmachung der Ostbahn. Foto: Archiv/RvAmeln

Bekanntmachung der Ostbahn. Foto: Archiv/RvAmeln

Wie perfide die Nazis mit er Habe der jüdischen Menschen umging, sollen diverse Beispiele zeigen:

Betrifft Raub: Der Reichsführer SS hat befohlen, daß die bei Juden gefundenen und beschlagnahmten und die bei den noch vorhandenen Juden, vor allen Dingen in den Ghettos des Generalgouvernements sofort zu beschlagnahmenden Pelzmäntel, Pelze und Felle gleich welcher Art, zu sammeln sind. Die Zahl ist mir laufend durch Fernschreiben zu melden, erstmalig am 29.12.1941 bis 18:00 Uhr. Der Reichsführer hat befohlen, daß sein Befehl beschleunigt durchzuführen ist… Den Judenräten ist anzudrohen, daß sowohl sie als auch die Juden, die nach Ablauf einer zu setzenden Frist noch im Besitz eines Pelzes oder Fellen angetroffen werden, erschossen werden. Der Befehlshaber der Ordnungspolizei ist verständigt.

Der Befehlshaber der SIPO und des SD, Schoengarth, an die
Befehlshaber der SS und Polizei der Distrikte am 24. Dezember 1941

Abtransport der Kranken in Lodz. Foto: Archiv/RvAmeln

Abtransport der Kranken in Lodz. Foto: Archiv/RvAmeln

Betrifft: Judenaktion in Piaski
Als Anlage übersende ich zwei Aufstellungen über Waren, die aus dem Ghetto in Piaski sichergestellt worden sind. Während die von den hessischen Juden zurückgenommenen Sachen zum Teil neuwertig sind, handelt es sich bei den übrigen Spinnstoffwaren um ältere und schmutzige Ware für die Zerreißmaschine. Die Wäschestücke der hessischen Juden sind in Koffern verpackt. Ferner wurden bis heute ein Betrag von 8.300 Zloty (zum Teil in Reichsmark), Goldrubel 85,-, sowie 5 Eheringe sichergestellt. Da die Lagerplätze anderweitig dringend benötigt werden, bitte ich um baldige Abholung.

Die Sicherheitspolizei Tranferstelle Piaski an den Kommandeur der SIPO in Lublin am 11. April 1942.

Betrifft: Judenarbeitslager – Pabianice
Die überreichliche Anfuhr von Textilien, Schuhen usw. aus dem Aussiedlungslager Warthbrücken und den geräumten Ghettos macht die Hinzunahme weiterer Lagerplätze erforderlich. Von der Geheimen Staatspolizei sind mir für diesen Zweck die polnischen Kirchen in Alexanderhof und Erzhausen zur Verfügung gestellt worden…

Die Ghettoverwaltung an den Polizeipräsidenten von Litzmannstadt am 8. Juni 1942

Betrifft: Abgabe von Spinnstoffwaren an die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt durch die Ghettoverwaltung
Ein großer Teil der Bekleidungsstücke ist stark befleckt und teilweise auch mit Schmutz und Blutflecken durchsetzt… Da die Kollis von der Kreisamtsleitung Litzmannstadt-Land ungeöffnet an verschiedene Kreisamtsleitungen im Gaugebiet weitergesandt wurden, hat es sich erst später bei Öffnen der Kollis herausgestellt, daß zum Beispiel bei einer Sendung an die Kreisamtsleitung Posen-Stadt von 200 Röcken an 51 Röcken die Judensterne noch nicht entfernt waren! Da in den Kreislagern zum größten Teil polnische Lagerarbeiter verwendet werden müssen, besteht die Gefahr, daß die zur Betreuung im Winterhilfswerk vorgesehenen Rückwanderer von der Herkunft der Sachen Kenntnis erhalten und das Winterhilfswerk somit in Mißkredit kommt…
Der Gaubeauftragte für das WHW, Posen, an die Ghettoverwaltung Litzmannstadt am 9. Januar 1943

So ist es dem „auserwählten Volk“ ergangen; – und Gott hat wohl in dieser dunklen Zeit deutscher Geschichte seinen Urlaub genommen.

Von Rolf von Ameln

Redaktion Israel-Nachrichten.org

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Von am 03/02/2015. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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