Abonnieren

  • Subscribe via Email
  • Facebook
  • Twitter

Puccini’s „Tosca“ in Massada

Die Neue Israelische Oper feiert dieses Jahr ihr 30jähriges Bestehen und seit 2010 wird jeweils eine Opern-Produktion am Fusse des Massada-Felsens inszeniert. Dieses Jahr entschied man sich für die bekannte Oper „Tosca“ von Giacomo Puccini, auch wenn sie nicht unbedingt ein Werk ist, das für eine grosse Outdoor-Bühne prädestiniert ist.

In den Unterlagen für die Presse schrieb Hanna Munitz, die Generaldirektorin der Israel Opera, dass das Massada Opernfestival seit 2010 „eines der führenden internationalen Opernfestivals geworden ist“. Das dürfte zwar – bei gerade mal vier Vorstellungen und zweimaliger Aufführung der „Carmina Burana“ von Carl Orff mit Ballett-Einlagen und speziellen Licht-Effekten – leicht übertrieben sein und ist wohl in der Euphorie des Jubiläums von der verdienten Operndirektorin so überschwänglich beschrieben worden. Es ist aber allemal etwas Besonderes, in der Wüste einen so grossen (und teuren!) kulturellen Event mitzuerleben. Dabei gehört die fast 2stündige Fahrt – inklusive längerem Stau-Stehen in der Hauptstadt – von Jerusalem am blau schimmernden Toten Meer entlang, in der untergehenden Abendsonne, natürlich ebenso zum Erlebnis wie das Flanieren nach Ankunft in einer aus dem heissen Boden gestampften „Fun-City“. Zahlreiche Cafés und Sofas vor zum Stück passenden italienischen Fassaden, Potemkinsche Dörfer mit Palästen aus Pappkarton und „O sole mio“ aus den Lautsprechern, laden zum Verweilen ein und verkürzen die Wartezeit zum späten Beginn der Vorstellung.

Tosca in Massada. Foto: Israel Opera

Tosca in Massada. Foto: Israel Opera

Ein geniales Bühnenbild, das mit entsprechenden Bild-Projektionen, sowohl als Kirche, wie als Palast und zum Schluss als Gefängnis und Engelsburg diente, bildete den Rahmen für eine sowohl gross-artige wie auch intime Inszenierung, in der die Sänger emotionell überzeugend und gesanglich hervorragend agierten.

Dem französischen Regisseur Nicolas Joel und seinem Team gelang eine spannende Inszenierung und ein reibungsloses Zusammenspiel zwischen den Sängern der Israel Opera und internationalen Solisten aus Bulgarien, Argentinien, Russland, Amerika und Italien.

Maestro Daniel Oren, der seit letztem Jahr Musikalischer Direktor der Israel Opera ist, hat ja grosse Erfahrung aus Verona mit Freilicht-Aufführungen. Von dort bringt er auch immer wieder Sänger mit, die in der grossen Arena schon brilliert haben, wie auch dieses Jahr einige der Protagonisten. Er versteht es meisterhaft, die feinsten Details dem ausgezeichneten Symphonie-Orchester aus Rishon-le-Zion zu entlocken. Obwohl (leider) mit Lautsprechern gesungen und gespielt wird, hat sich die Akkustik gegenüber früheren Jahren erheblich verbessert.

Über 2000 Leute arbeiten für das Spektakel und die eigens erstellte Tribüne bietet Platz für über 6000 Zuschauer. Etwa 3’500 Touristen sollen extra wegen diesem Anlass nach Israel gekommen sein, der sicher viel für ein positives Image des Landes beiträgt. Nur eben: mit Massada hat auch diese Aufführung nicht viel zu tun, weder die Inszenierung, noch die imposante Kulisse. An zwei dramatischen Stellen wurde der historische Berg beleuchtet, aber da, wo es am meisten gepasst hätte, blieb er dunkel: als eingangs sehr eindrücklich das Orchester und die Zuschauer in der „Hatikwah“ davon sangen, „dass wir seit 2000 Jahren hoffen, ein freies Volk in unserem Land zu sein.“

Daran hat ja die Geschichte von Massada einen wesentlichen Anteil und es wäre wohl stimmig gewesen, das Licht darauf zu lenken. Zudem gibt es noch eine weitere Parallele: auch Tosca (und Angelotti) geht in den Freitod, weil sie sich dem Bösen und Zerstörerischen, der fremden Macht, die sie für den eigenen Genuss und Profit zu beherrschen und besitzen trachtet, nicht unterwerfen will. Und noch ein Vorbehalt müsste wohl bedacht werden.

Die berühmteste Arie der Oper, „E lucevan le stelle“ – über die leuchtenden Sterne – gewinnt sicher an Intensität und Bedeutung, wenn man wirklich unter dem herrlich-schönen Sternenhimmel sitzt. Dov Litvinoff, Vorsteher des „Tamar Regional Council“, freut sich natürlich, dass so viele zusätzliche Touristen in die Gegend des Toten Meeres kommen und lädt alle ein, die „ausserordentliche Kombination zu geniessen, wo die Stimmen der Sänger die Stille der Wüste durchbrechen, unter den Sternen, in Mutter Natur’s Kultur-Halle“. Aber eben: diese „Mutter Natur“ wird auch zerstört durch die (vielen) Menschen, durch die „Ausschlachtung“ der Natur für den Profit (z.B. die Wasserquelle von Ein Gedi, Dead Sea Works u.a.). So ist heuer die Zufahrtsstrasse beim Kibbutz Ein Gedi auf grösseren Strecken gesperrt, weil durch die Entwässerung des Toten Meeres sich riesige Löcher in der Erde auftun, die jetzt auch die Strasse entlang dem Ufer betroffen hat. Es wird wohl die Aufgabe in zukünftigen Jahren sein, das Gleichgewicht zu finden zwischen dem Willen, die Schönheit und Majestät von Massada und der Wüste mit ausserordentlichen Vorstelllungen zu zeigen, und eben diese Schönheit und Besonderheit der Natur auch zu bewahren, wie uns in der Bibel geheissen ist.

Es ist zu hoffen, dass auch die Stimme(n) gegen das Zerstörerische aus der Stille der Wüste weiterhallt, unter überall leuchtenden Sternen.

Von Ruth Bloch

Redaktion Israel-Nachrichten.org

 Zum NEWSLETTER anmelden
Bestellen Sie den Newsletter der Israel Nachrichten kostenlos per E-Mail und verpassen keine Top-Story mehr. Melden Sie sich HIER an.

Copyright (c) Israel Nachrichten Ltd. 2012-2020.
Eine Vervielfältigung oder Speicherung in Datenbanken oder in anderer Form ist ohne Genehmigung des Verlages untersagt.
Protected by Copyscape Plagiarism Finder

Werden Sie Mitglied der ISRAEL NACHRICHTEN

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Mitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und das Erscheinen der Zeitung zu sichern.
Klicken Sie für Informationen zur Fördermitgliedschaft Hier…

Von am 17/06/2015. Abgelegt unter Israel. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
Leserkommentare geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Wie in einer Demokratie ueblich achten wir die Freiheit der Rede behalten uns aber vor, Kommentare nicht, gekuerzt oder in Auszuegen zu veroeffentlichen. Anonyme Zuschriften werden nicht beruecksichtigt.