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Himmlers Vielvölkerverband in der Waffen-SS: Man musste kein „Arier“ mehr sein

Grundsätzlich durften nur deutsche Reichsbürger in der Wehrmacht, das heißt in Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine dienen. Auch „Volksdeutsche“, – deutschstämmige Staatsbürger anderer Staaten, etwa aus Rumänien oder Ungarn -, konnten im Regelfall nicht Angehörige der „Großdeutsce´hen Wehrmacht“ werden. Aus dieser gesetzlichen Regelung ergab sich die Chance für Himmler und seine mörderische SS, Freiwillige aus ganz Europa – aus den besetzten und verbündeten Staaten – für die in den Jahren 1939/40 geschaffene Waffen-SS zu rekrutieren.

Die ersten vier Divisionen der Waffen-SS ergänzten sich aus den vier Divisionen der SS. Ab der Aufstellung der fünften Division aber waren ausländische Freiwillige stärker vertreten. So dienten vorwiegend skandinaviche Freiwillige in der fünften Division „Wiking“. Später kamen Holländer, Belgier, Franzosen, „Volksdeutsche“ aus Südeuropa, Ungarn, Kroaten und Bosnier, Slowenen und Italiener, Letten und Esten, aber auch Ukrainer, Russen und Weißrussen dazu. Zunächst als „arische“ Elitetruppe gegründet, entwickelte sich die Waffen-SS bis zum Jahre 1945 zu einer „europäischen Streitkraft“ – unter „arischer Hegemonie -, in deren Reihen, so vermutet man heute, mehr als die Hälfte „Nicht-Deutsche“ waren; – pikant für einen Kampfverband, der „rassische Hegeminie“ als Ideal propagierte. Die Motivation dieser vielen Freiwilligen war unterschiedlich. Bei West- und Nordeuropäern mochte die Nazi-Propagandamaschinerie eines „germanischen“ Europa mitgespielt haben. Bei vielen Osteuropäern war es der Wunsch, das Regime Stalins zu bekämpfen oder für erlittene Verfolgung Rache zu nehmen. Dazu kamen individuelle, wohl auch opportunistische Motive bis hin zum Antisemitismus!

Mit Beginn des „Ostfeldzuges“, als die deutsche Wehrmacht ihre Personalverluste nicht mehr ausgleichen konnte, sah auch die Führung der Wehrmacht den Dienst von „Nicht-Deutschen“, sogenannten „Hilfswilligen“, als Chance. Zahlreiche Russen, Weißrussen und Ukkrainer erhofften sich von den deutschen Besatzern eine Verbesserung ihrer prekären Lebensumstände und die Befreiung vom Kommunismus. Obwohl sich Himmler die „Volksdeutschen“ und andere Freiwillige bereits für die SS gesichert hatte, kam es später auch im Rahmen der Wehrmacht zur Aufstellung von Hilfstruppen, von denen die Kosaken und die „Wlassow-Armee“ zu den bekanntesten zählen. General Andrei Andrejewitsch Wlassow (1901-1946) befehligte von 1941 bis 1942 die Zweite Stoßarmee der sowjetischen Streitkräfte, der Stalin trotz kritischer Versorgungslage keinen Rückzug gestattete. Wlassow geriet im Juli 1942 in deutsche Kriegsgefangenschaft. Obwohl Adolf Hitler recht skeptisch war, erlaubte er Wlassow auf Himmlers Drängen 1944 die Aufstellung einer russischen „Befreiungsarmee“, diese kämpfte noch in den letzten Kriegstagen auf deutscher Seite.

Wlassow selbst wurde 1946 in Moskau zum Tode verurteilt und gehängt. Schon im Herbst des Jahres 1941 waren einzelne Gruppen von Kosaken, – ursprünglich Wehrbauern, später als leichte Kavallerie Elitetruppe der Armeen des Zaren -, im Rahmen der deutschen Wehrmacht für Sicherungsaufgaben eingesetzt worden. Im Jahre 1943 entstand eine Kosaken-Kavalleriedivision, die in der Folge vor allem auf dem Balkan eingesetzt wurde und im Februar 1945 zum XV. Kosaken-Kavalleriekorps aufgestockt wurde. Die Familien der Kosaken wurden 1944 nach Friaul evakuiert – das Kriegsende erlebten diese Familien dann ebenso wie die aus Südeuropa zurückkommenden Soldaten, zusammen rund 25.000 Menschen, in Kärnten und Osttirol. Entgegen anders lautender Zusagen der Engländer wurden die meisten von ihnen im Mai 1945 entsprchend den Abmachungen von Jalta an die Sowjets ausgeliefert. Die Führer wurden hingerichtet, auf die Übrigen warteten Straflager und Verbannung, die viele nicht überlebten.

Sogar arabische und indische Freiwillige, teils aus Kriegsgefangenen rekrutiert, wurden ab dem Jahre 1941 im Rahmen der Wehrmacht zu „Legionen“ formiert. Die „deutsch-arabische Lehrabteilung“ sollte Offiziere für die künftige arabische Armee ausbilden. Unter dem „Sonderstab F“ des Generals Hellmuth Felmy wurde sie 1942 in Erwartung eines Vorstoßes durch den Kaukasus in den Irak nach Stalino an die Ostfront verlegt; 1942/43 kamen Teile in Nordafrika zum Einsatz. Im Juni 1943 wurde das Deutsch-Arabische Infanteriebataillon 845 aufgestellt, das einerseits ein Reservoir für arabische Agenten bildete und andererseits gegen Partisanen auf dem Balkan zum Einsatz kam. Besonderes Interesse an diesen Truppen zeigten die miteinander rivalisierenden arabischen Führer, der ehemalige irakische Premier Rashid Al-Gailani und der „Großmufti von Jerusalem“, Amin al-Husseini. Letzterer betreute auch die islamische 13. Waffen-SS-Division „Handschar“ aus Bosnien, deren Angehörige den Fez als Kopfbedeckung trugen.

In ähnlicher Weise wie die Deutsch-Arabische Lehrabteilung bzw. das Infanteriebataillon 845 entstand 1942/43 die „Indische Legion“ als Keimzelle der künftigen Armee eines „Freien Indien“, das Subhash Chandra Bose, geboren 1897, vermisst 1945, einstiger Mitstreiter Gandhis und Nehrus, mit deutscher Hilfe erkämpfen wollte.

All´ diese Träume zerplatzen wie Seifenblasen, als das Dritte Reich Hitlers seinen Untergang beging.

Von Rolf von Ameln

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Von am 20/09/2015. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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