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Nazi-Propaganda in der „National Zeitung“ anlässlich des Boykotts jüdischer Geschäfte

Die „National Zeitung“ titelt in ihrer Ausgabe von Samstag, dem 1. April 1933:

Internationales Judentum auf dem Rückzug? Erster Erfolg des nationalsozialistischen Boykotts – Nachlassen der jüdischen Auslandshetze. Von Sonntag bis Mittwoch Boykottpause. Vor amtlichen Erklärungen des Auslandes.

(Drahtbericht unserer Berliner Redaktion.)

"National Zeitung" Boykott jüdischer Geschäfte. Foto: Archiv/RvAmeln

„National Zeitung“ Boykott jüdischer Geschäfte. Foto: Archiv/RvAmeln

Berlin, 1. April: Nach in Berlin vorliegenden Meldungen haben die energischen Vorbereitungen für den Massenboykott jüdischer Geschäfte überall in Deutschland tiefsten Eindruck gemacht, um so mehr als eine von Stunde zu Stunde anschwellende Sturmflut von Bitt- und Beschwörungstelegrammen seitens der jüdischen Staatsbürger deutschen Glaubens über die Reichsgrenze gejagt worden ist. Ein gewisser Erfolg dieser händeringenden Bemühungen ist bereits zu verzeichnen. Verschiedene Organisationen des englischen und amerikanischen Hebräertums, die sich vor einer Woche noch in übler Weise an dem vermeintlichen Kesseltreiben gegen die Regierung Hitler beteiligten, haben inzwischen Loyalitätserklärungen abgegeben. In einem – englischen – Fall sogar unter gleichzeitiger Aufforderung an die pp-Rassegenossen, den Boykott deutscher Waren unter allen Umständen abzubrechen. Wie man sieht, lernt auch der Jude sehr schnell aus schlechten Erfahrungen. Inzwischen scheint es sich auch bei den amtlichen Stellen des Auslandes herumgesprochen zu haben, daß von Judenverfolgungen und Metzeleien auch bei blühendster Phantasie mit keinem Wort die Rede sein kann. Entsprechende Berichte der amtlichen Vertreter dürften nunmehr vorliegen, so daß den betreffenden Regierungen nachgerade klar geworden sein muß, daß eine weitere Duldung der allen Gesetzen außenpolitischer Höflichkeit bahnbrechenden Ausschreitungen gegen das Deutsche Reich, seine Regierung und seine Bürger überhaupt nicht zu verantworten ist. Wenn, was hoffentlich nicht mehr lange dauert, diese Kenntnis soweit fortgeschritten ist, daß man im eigenen Haus für Ruhe und Ordnung sorgt, dann dürfte auch von dieser Seite her der wahnwitzigen Greuelhetze sehr schnell ein Ende gesetzt werden. Es ist anzunehmen, daß die Voraussicht schwerer Schädigungen des Wirtschaftsverkehrs, von denen bestimmt nicht Deutschland allein betroffen sein würde, genügt, um im Verein mit der am heutigen Tage in ganz Deutschland durchgeführten gewaltigen Demonstration des nationalen Abwehrwillens noch in letzter Stunde eine befriedigende Entspannung der Lage zu ermöglichen.

Und auf Seite vier wird die antijüdische Propaganda des Nazi-Blattes noch schärfer und erst recht antisemitischer:

Pg (Parteigenosse.) Brauß sprach: Gegen die jüdische Greuelpropaganda. Eine überfüllte NS-Kundgebung im Eintracht-Haus – Das Judentum beißt auf Granit.

In einer von der Ortsgruppe Dortmund-Süd-Ost veranstalteten Kundgebung im Eintrachthaus sprach gestern Pg Dr. Brauß über die jüdische Greuelpropaganda und den Abwehrkampf der NSDAP. Daß der Saal brechend voll war, nimmt bei der großen Beliebtheit dieses alten nationalsozialistischen Vorkämpfers nicht wunder. Nachdem der Versammlungsleiter die Kundgebung eröffnet und Anordnungen für die SA, SS und die Amtswalter zur Durchführung des Boykotts bekanntgegeben hatte, führte Pg Dr. Brauß u.a. folgendes aus: Ein Frühlingssturm geht durch deutsche Lande und bläst hinein in die stickigen Amtsstuben und verseuchten Verwaltungen. Erschreckend ist der Schmutz, der bei dieser Reinigung zu Tage tritt. Die nationale Revolution unter der Führung Adolf Hitlers rollt vorwärts. Erstaunlich ist die Disziplin und Ruhe, überraschend aber der schwache Widerstand auf der anderen Seite. Wenn auch der Nationalsozialismus als revolutionäre Bewegung nie ein Hehl daraus gemacht hat, daß er unter allen Umständen an die Macht wollte, so ist diese Revolution doch ohne Blutvergießen verlaufen. Der Brand des Reichstags hat der ganzen Welt gezeigt, wohin die Reise gehen sollte. Hätte Adolf Hitler nicht in letzter Stunde Deutschland vor dem Bolschewismus gerettet, so wäre die gesamte europäische Kultur vernichtet worden. Die nationale Regierung hat vorläufig darauf verzichtet, das Standrecht auszuüben, weil der Widerstand der roten Feiglinge so erbärmlich klein war. Mit echt deutscher Objektivität haben wir ausländischen Pressevertretern gestattet, sich von den Zuständen in Deutschland zu überzeugen. Ein schwedischer Journalist hat Herrn Teddy Thälmann in der Kiste besucht und festgestellt, daß nur das Essen etwas besser sein könnte. Ich stelle fest, daß von den Revolutionären des Bolschewismus noch keiner sein Leben eingebüßt hat. Trotzdem hat die ausländische Presse eine wüste Hetzkampagne gegen Deutschland und seine nationale Regierung veranstaltet. Scheußlichkeiten werden uns unterschoben, an die ein normaler Mensch überhaupt nicht zu denken wagt. Der Träger und Förderer dieser Propaganda, den wir schon in den August- und Septembertagen des Jahres 1914 kennen lernten, ist der ewige Jude.

Seine Fratze, die zugleich die des Internationalismus und des Kapitalismus ist, erhebt sich grinsend gegen ein Volk, das seine Freiheit nach innen und außen wiederherzustellen sucht. Wir erleben heute, daß das Judentum der ganzen Welt aufsteht und schreit: „Ein Jude ist verhaftet!“

Die „Weltpresse“ schwieg, als die von Juden geführte Revolution in Rußland ein nie gesehenes Blutbad unter dem Volke anrichtete, sie schwieg ebenso, als man in Spanien die Klöster in Brand steckte und Juden zu Ministern machte, jetzt aber, da Adolf Hitler an der Macht ist, macht sie die ganze Welt gegen uns mobil. Pg Brauß befaßte sich dann mit den von jüdisch-marxistischen Gedankengängen verseuchten Kulturleben der letzten 14 Jahre in Deutschland und prangerte das Verderbliche dieser Entwicklung in grellen Farben an. Das Geschrei – so fuhr der Redner fort -, das jetzt in der Welt gegen uns ertönt, beweist am besten die Richtigkeit unserer Behauptung, daß der Jude kein Deutscher ist, auch wenn er dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens angehört. Wir sehen heute klar, daß das Judentum für sich eine geschlossene Rasse verkörpert und ein Nomadenvolk, das über der ganzen Welt verstreut lebt. Schon manches andere Volk hat der Jude in die Knie gezwungen, aber endlich hat er einmal auf einen Granitblock gebissen. (Brausender Beifall.) Dieser Block heißt Adolf Hitler und ist der Mann, der aus kleinsten Anfängen heraus unser Volk zusammengeschweißt hat und am internationalen Judentum nicht scheitern wird. Er hat uns bewiesen, daß ein Volk eine große Familie derselben Rasse darstellt und daß die große Plattform eines Staates das im Blut begründete Gemeinschaftsgefühl ist. Wir haben Anspruch auf den Boden, den der Schweiß unserer Vorväter befruchtete, und wir sind der Ansicht, daß unsere Volksgemeinschaft sich ihre Gesetze selbst gegeben hat. Wir lehnen es ab, uns die Herrschaft rassefremder Elemente aufzwingen zu lassen. Pogrome sollen nicht veranstaltet werden, und wir treten Greuelnachrichten, wonach auf den Judenfriedhöfen verstümmelte Judenleichen gefunden und jüdische Mädchen von SA-Männern in Scharen geschändet würden, nachdrücklich entgegen. Es ist unser eiserner Wille, uns vom Judentum nicht knechten zu lassen und wir haben als Abwehrmaßnahme gegen diese schändliche Propaganda zum Boykott jüdischer Geschäfte, Aerzte, und Rechtsanwälte gegriffen. Es gilt dem Judentum in Deutschland klarzumachen, daß es hier nur eine Gastrolle spielt.

Nicht endenwollender Beifall folgte dem temperamentgeladenen Ausführungen unseres Pg Dr. Brauß. Die Kundgebung schloß mit dem Horst-Wessel-Lied.

Ein Kurzbeitrag folgt unter dem vorangegangenen mit dem Titel:

Regie-Betrieb unter jüdischer Leitung. Ein Kapitel vom VEW: Ecke Martinstraße und Westenhellweg befindet sich eine Verkaufsstelle für elektrische Geräte. Sie kann Abschlagszahlungen einräumen, weil die Finanzierung des Abschlaggeschäftes, welches von den Dortmundern als ein Ausstellungsraum der VEW angesehen wird, wurde im Geschäftsbericht gesagt, daß nur gewisse Geräte mit höherem Anschlußwert d.h. Herde, Heißwasserspeicher und Kühlschränke zum Verkauf gelangen würden. Heute werden dort aber Heizkissen, Kochgeräte, Bügeleisen, Tauchsieder usw. zum Verkauf angeboten. Dieser Verkauf ist als eine schwere Schädigung des Kleinhandels anzusehen. Mit dem Überschuß aus den außerordentlich hohen Strompreisen, die dem Volke aus der Tasche gefingert werden, wird der Kleinhandel vernichtet.

Wer steht nun an der Spitze dieser netten Unternehmung? Natürlich der Jude Samuel! Wie wäre es auch anders möglich. Samuel ist auch gerichtlich beeidigter Sachverständiger für das elektrische Gewerbe. Wie lange noch wird der Jude dieses öffentliche und unparteiische Amt bekleiden?

Deutsche Volksgenossen: Heraus mit diesem Juden aus einem Regiebetrieb, der nur von öffentlichen Mitteln existiert.

Die „National Zeitung“ wurde 1930 von einem gewissen Josef Terboven gegründet und herausgegeben. Der NSDAP-Gauleiter der Rheinprovinz war mit Hermann Göring befreundet, der versuchte, mit diesem Nazi-Blatt seine eigene Politik zu machen und ignorierte ab Mitte 1933 etliche Presseanweisungen von Goebbels, was dazu führte, dass der Hauptschriftleiter der „National Zeitung“, Eberhard Graf von Schwerin, zeitweise von seinem Posten abserviert wurde. Zudem wirkte 1931 ein anderer Gegenspieler von Joseph Gobbels, nämlich Otto Dietrich, der spätere Reichspressechef, als stellvertretender Hauptschriftleiter dieser Zeitung.

Jedenfalls war die Ausgabe vom 1. April kein „Aprilscherz“, sondern eine weitere, bittere Wahrheit, wohin der Weg der jüdischen Mitbürger führte; – wenn auch n o c h nicht in die Todesfabriken.

Von Rolf von Ameln

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Von am 08/02/2016. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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