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Adolf Hitlers „Erholungsurlaub“ in der Festung zu Landsberg am Lech

Der gewöhnliche Tagesablauf Hitlers in der Festungshaftanstalt schildern Mithäftlinge und Anstaltsbeamte wie folgt:

Während des Frühstücks unterhielt sich Hitler mit den Mitgefangenen. Danach ging er auf seine Stube, die inzwischen stets von Gefängnishäftlingen in Ordnung gebracht worden war. Eine reichhaltige Bibliothek, meist Geschenke von Freunden und Verehrern, stand ihm zum Studium zur Verfügung. An der Arbeit der übrigen Häftlinge beteiligte er sich nicht, nicht nur, weil er während des Schusswechsels mit der Polizei am 9. November vor der Feldherrnhalle eine schwere Verletzung an der linken Schulter davongetragen hatte. Wenn er nicht die eingegangene Post beantwortete oder, seit dem Frühjahr 1924, am Manuskript für „Mein Kampf“ arbeitete, sah er den Turnübungen und der Arbeit der etwa 40 Häftlingen zu oder empfing Besuche.

Hitler in Landsberg Foto: Screenshot YouTube

Hitler in Landsberg Foto: Screenshot YouTube

Am gemeinsamen Mittagessen im Tagesraum nahm er teil. Nachmittags beantwortete er wiederum Post, empfing Besuche oder ging im Garten der Anstalt spazieren. Nach dem Abendessen war er Zuschauer bei den Ballspielen der nationalsozialistischen Anstaltsinsassen. Um 22 Uhr begab er sich normalerweise in seine Räume und ging um 24 Uhr zu Bett. Der Direktor der Haftanstalt schilderte den sich ihm und den übrigen Beamten von der besten Seite zeigenden Häftling Hitler am 15. September des Jahres 1924″auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft“ wie folgt: „Hilter zeigt sich als ein Mann der Ordnung, der Disziplin nicht nur in Bezug auf seine eigene Person, sondern auch in Bezug auf seine Haftgenossen.

Er ist genügsam, bescheiden und gefällig. Macht keinerlei Ansprüche, ist ruhig und verständig, ernst und ohne jede Ausfälligkeit, peinlich bemüht, sich den Einschränkungen des Strafvollzugs zu fügen. Er ist ein Mann ohne persönliche Eitelkeit, ist zufrieden mit der Anstaltsverpflegung, raucht und trinkt nicht, und weiß sich bei aller Kameradschaftlichkeit seinen Haftgenossen gegenüber eine gewisse Autorität zu sichern. Als Junggeselle trägt er den Entzug der Freiheit leichter als seine verheirateten Schicksalsgenossen. Er hat keinen Zug zur Weiblichkeit, Frauen, mit denen er hier bei Besuchen in Berührung tritt, begegnet er mit großer Höflichkeit, ohne sich mit ihnen in ernste politische Besprechungen einzulassen.

Gegen die Beamten der Anstalt tritt er stets höflich und nie in verletzender Form auf. Hitler, der anfangs sehr viele Besuche bekommen hat, hält sich, wie bekannt ist, seit einigen Monaten politische Besuche möglichst fern, er schreibt nur sehr wenige Briefe, meistens nur Danksagungen. Er beschäftigt sich täglich viele Stunden lang mit dem Entwurf seines Buches, das in den nächsten Wochen erscheinen soll. Er ist in den zehn Monaten der Untersuchungs- und Strafhaft ohne Zweifel reifer und ruhiger geworden, als er war. Er betont, wie sehr er überzeugt davon ist, dass ein Staat ohne feste Ordnung im Inneren und ohne Regierung nicht bestehen könne. Hitler ist ohne Zweifel ein vielseitiger, politisch selbständiger Kopf mit außerordentlicher Willenskraft und anständigen Gedankengängen.“ […]

Alle Anstaltshäftlinge erhielten die gleiche Verpflegung wie die in den Gefängnisgebäuden wohnenden Beamten. Darüber hinaus durften sie täglich entweder einen Schoppen Wein oder einen halben Liter Bier (!) trinken, und an besonders heißen Tagen war ihnen zusätzlich der Genuss eines weiteren halben Liters Bier gestattet. Stärkere alkoholische Getränke erhielten sie, laut Anstaltsordnung, dagegen nicht. Da der Häftling Hans Kallenbach jedoch an Malaria litt, wurde ihm vom Arzt erlaubt, täglich ein Glas Schnaps zu trinken. Das nutzen die inhaftierten Hitler-Anhänger aus und schmuggelten Alkohol in die Haftanstalt.

Kallenbach erinnerte sich später: „Eine Flasche Steinhäger kam an. Eine Flasche Enzian kam an. Eine Flasche Ettaler Klosterlikör kam an. Eine Flasche Asbach Uralt kam an. Eine Menge Flaschen mit Schnaps und Likören kamen an… Den Wachtmeistern lief das Wasser im Mund zusammen, so oft sie einen Blick taten in unseren Alkoholschrank!“ Alois Maria Ott verglich die Haftzeit Hitlers und seiner Gefährten mit einem großzügigen „Sanatoriumsaufenthalt“. „Man empfing“, berichtete er, „täglich Stöße von Post, Blumen, Pralinen und Besuche von Verehrern und mehr noch von Verehrerinnen aller Lebensalter und nutzte solche Gunst des humansten Strafvollzugs der Gegenwart weidlich, zum verständlichen Missfallen der anderen Gefangenen.

Sie konnten hören und auch sehen, welch fröhliche Kumpanei sich damals in den Mauern der Spöttinger Festungshaftanstalt oft bis tief in die Winterabende hinein bemerkbar machte. Die Häftlinge Kriebel, Heß, Frick und Hitlers Volkswirtschaftler Gottfried Feder, Ernst Pöhner, Heinrich Himmler, Dietrich Eckhart und viele andere zählten zu den <Stimmungsmachern> und besonders der letztere, er galt als der führende Parteischriftseller, Hausdichter und Krakehler,, tat sich in einem der großen Gemeinschaftssäle, die mangels Einzelzimmern belegt werden mussten, als Radaumacher hervor, der selten nüchtern blieb. Die linksradikalen Gefangenen mussten zähneknirschend diesem Sonderstatus für <politisch Privilegierte> zusehen.“

Jedem Häftling standen anfänglich zwei Räume zu: ein Wohnraum und ein Schlafraum. Zur Einrichtung der „Zellen“ gehörten eine eiserne Bettstelle mit Matratze und Wolldecke, ein Tisch, zwei Stühle, ein Schrank und ein Nachtkästchen. Als Besuchszeiten galten: 20 bis 30 Minuten für nächste Angehörige – einstündige Sprechzeit in Ausnahmefällen – , 15 bis 20 Minuten für Freunde, 5 bis 10 Minuten für „sonstige Bekannte“. Häftlinge, die Besucher zu empfangen wünschten, die nach Ansicht der Anstaltsbeamten geeignet erschienen, die Gefangenen gegen die Regierung oder gegen die Anstaltsvorschriften einzunehmen, sollte keine Besuchserlaubnis eingeräumt werden. Hitlers Wünsche jedoch wurde nahezu in jeder Hinsicht entsprochen.

So findet sich zum Beispiel auf einer vom Ersten Staatsanwalt bei dem Landgericht München I unterschriebenen Besuchserlaubnis vom 3. Dezember 1923 für einen Besucher namens Mathäus Hofmann die Bemerkung: „Der Schäferhund des Hitler darf bei der Besprechung mitgeführt werden.“ Hitler standen wöchentlich offiziell sechs Stunden für Besuchsempfänge zu. Die Zeit wurde jedoch „von der Anstaltsleitung in dringenden Fällen verlängert.“ Zeitweilig empfing er täglich mehr als sechs Stunden hindurch Besucher: Industrielle, Geschäftsleute, Geistliche beider Konfessionen, Bauern, Anwälte, ehemalige Offiziere, Professoren, Künstler, Adelige, Verleger und Redakteure, Buchhändler, Bittsteller, Stellungssuchende, „völkische“ Politiker und viele Frauen. „Nationale“ Politiker und ihre Wortführer, die Hitler vor dem 8. November ihre Hochachtung, Ergebenheit und Treue bezeigt hatten, ließen ihn auch jetzt nicht im Stich.

Anhänger und Parteimitglieder, die ihn nicht besuchen konnten, schrieben ihm, schickten ihm Pakete, baten ihn um die Übernahme von Patenschaften und bekundeten ihm in jeder nur möglichen Weise, wie sehr sie ihn schätzten, verehrten und vermissten! Selbst Autotypen wollten sich nun Menschen von ihm empfehlen lassen, die sich als „treudeutsch“ verstanden und ihre politische Auffassung vor die Wirtschaftlichkeit eines Kraftfahrzeuges stellten. Ein Jahr lang war Landsberg das Mekka der ungeduldig wartenden Rechtsradikalen und großdeutsch eingeschworenen Nationalisten. So zwang die „Prominenz“ nicht gerade weniger Hitler-Besucher denn auch den subalternen Wachmannschaften einen Respekt auf, der Hitler zugute kam.

Am 20. Dezember des Jahres 1924 verließ Hitler vorzeitig die Strafanstalt, nachdem ihr Direktor, der Oberregierungsrat Leybold, bereits am 15. September 1924 beim Landgericht München I nachdrücklich für die Bewilligung einer Bewährungsfrist für Hitler eingetreten war. Hitler, der die rund einjährige Festungshaft gelegentlich als eine „Hochschule auf Staatskosten“ bezeichnete, verließ die Festungshaftanstalt nicht mit leeren Händen, sondern mit einem Manuskript, das im wesentlichen abgeschlossen war und bereits am 18. Juli 1925 im Verlag Franz Eher Nachf. in München als Buch in einer Auflage von 10.000 Exemplaren unter dem Titel „Mein Kampf“ erschien.

Und so konnte das weitere politische Unheil in Deutschland seinen Lauf nehmen.

Von Rolf von AmelnZum NEWSLETTER anmelden
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Von am 16/03/2016. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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