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Wer war Karoline Cohn? Eine bewegende Entdeckung in einem Nazi-Todeslager

Archäologische Ausgrabungen am Ort des Sobibor-Todeslagers in Polen haben zu sinnvollen Enthüllungen über die letzten Momente der Opfer geführt.

Vor kurzem wurde während einer archäologischen Ausgrabung am Standort des Vernichtungslagers Sobibór in Polen, eine erkenntnisreiche Entdeckung gemacht. Die Forscher glauben, sie haben den Ort gefunden wo sich die Opfer ausziehen mussten und ihren Kopf rasiert bekamen, bevor sie in die Gaskammern geschickt wurden.

Die von den Archäologen ausgegrabenen Reste des Gebäudes liegen auf der Himmelstraße, dem Weg zum Himmel, auf dem jüdische Opfer zu den Gaskammern gezwungen wurden.

Die persönlichen Gegenstände die in den Fundamenten des Gebäudes gefunden wurden, fielen wahrscheinlich durch die Dielen und blieben im Boden begraben, bis sie im vergangenen Herbst entdeckt wurden.

Der Anhänger von Karoline Cohn. Foto: Yoram Haimi/IAA

Unter den persönlichen Gegenständen befanden sich eine Halskette mit Davidstern, eine Damenuhr und ein in Metall gerahmtes Bildnis mit dem Bild von Moses, der die zehn Gebote hält. Auf der Rückseite war die Inschrift des jüdischen Gebets „Shema“ eingraviert.

Ein einzigartiger Anhänger, der wahrscheinlich einem am 3. Juli 1929 geborenen Mädchen aus Frankfurt am Main gehörte, wurde ebenfalls entdeckt. Das Schmuckstück trägt auf einer Seite in hebräisch die Worte „Mazal Tov“ und auf der anderen Seite den hebräischen Buchstaben „ה“ (Gottes Name) sowie drei Davidsterne.

Die letzte schicksalhafte Reise des Anhängers

Die Experten von Yad Vashem, dem World Holocaust Remembrance Centre, zusammen mit dem Archäologen Yoram Haimi, von der Israel Antiquities Authority (IAA), sagen, dass der in Sobibór entdeckte Anhänger eine enge Ähnlichkeit mit einem Anhänger der im Holocaust ermordeten Anne Frank hat, die das Tagebuch schrieb während sie sich in Amsterdam versteckte.

Durch den Einsatz von Yad Vashems Online gestellter paneuropäischen Deportationsdatenbank „Transports to Extinction“ konnten sie feststellen, dass der Anhänger einer Frau namens Karoline Cohn gehörte.

Dr. Joel Zissenwein, Direktor des Deportationsdatenbankprojektes stellte fest, dass Cohn, geboren am 3. Juli 1929, am 11. November 1941 von Frankfurt/Main nach Minsk deportiert wurde. Zwar ist nicht bekannt, ob Cohn die harten Bedingungen im Minsker Ghetto überlebte, jedoch erreichte ihr Anhänger zwischen November 1941 und September 1943, als das Ghetto liquidiert und die 2.000 dort internierten jüdischen Gefangenen deportiert wurden, das Todeslager Sobibór.

Dort, auf dem Weg zu den Gaskammern von Sobibór, wurde der Anhänger von der 14-jährigen Karoline Cohn fallengelassen und blieb seit über 70 Jahren im Boden verborgen.

Weitere Untersuchungen zeigten, dass Anne Frank und Karoline Cohn, abgesehen von den Ähnlichkeiten zwischen den Anhängern die sie trugen, in Frankfurt geboren wurden, was auf eine mögliche familiäre Verbindung schließen lässt. Die Forscher versuchen derzeit, Verwandte der beiden Familien zu finden, um diese Möglichkeit weiter zu erforschen.

Viele wichtige Entdeckungen

Im Laufe des letzten Jahrzehnts haben die Archäologen bei Ausgrabungen in Sobibór unter der Leitung von Yad Vashem einige wichtige Entdeckungen gemacht, darunter die Exposition der Fundamente der Gaskammern, die ursprüngliche Bahnhofsplattform und viele persönliche Artefakte der Opfer.

Zu den einzigartigen Gegenständen gehören Metallscheiben an Charme Armbändern, die in der Regel von Kindern getragen wurden. Kontaktinformationen für den Fall, dass das Kind verloren ging, wurden auf die Scheiben der Armbänder eingraviert.

Die jüngsten Ausgrabungen haben Zeichen von den Versuchen der Nazis aufgedeckt, um irgendwelche Beweise des Lagers zu löschen. Ein Ort wurde gefunden an dem die Nazis Bäume gepflanzt hatten, um Abdrücke im Boden und andere Beweise zu verbergen.

„Die Bedeutung der Forschung und Erkenntnisse in Sobibór, wächst mit jeder Ausgrabung. Jedes Mal wenn wir graben, finden wir einen anderen Teil des Lagers. Wir finden mehr persönliche Gegenstände und erweitern unser Wissen über das Lager“, sagte Haimi.

„Trotz der Versuche der Nazis und ihrer Mitarbeiter, die Spuren ihrer Verbrechen zu löschen, verstärken die Ausgrabungen unser Kenntnis der Geschichte, die wir bisher nur durch Zeugnisse von Überlebenden kennen. Auf diese Weise stellen wir sicher, dass die Erinnerung an die dort getöteten Menschen niemals vergessen wird.“

Haimi sagte, dass der Anhänger eine weitere Demonstration der Bedeutung der archäologischen Forschung in ehemaligen Nazi-Todeslagern ist. „Die bewegte Geschichte von Karoline Cohn, symbolisiert das gemeinsame Schicksal der im Lager ermordeten Juden. Es ist wichtig, die Geschichte zu erzählen, so dass wir sie nie vergessen.“

Yad Vashem ruft die etwa noch lebenden Verwandten von Karoline Cohn oder jede andere Person, die über Details ihrer Familie berichten kann dazu auf, das World Holocaust Remembrance Centre zu kontaktieren.

Von Yad Vashem gesucht wird auch die Familie von Sophie Kollmann, die im April 1978 die Seiten für Richard und Else Cohn und Karoline Cohn ausgefüllt hatte.

Von Aryeh Savir,
für Welt-Israel-Nachrichten

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Von am 17/01/2017. Abgelegt unter Featured. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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