World Of Judaica

Abonnieren

  • Subscribe via Email
  • Facebook
  • Twitter

Die Vielfalt des Jüdischseins in Deutschland

Die mobile Ausstellung »on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule« startet ins Jubiläumsjahr

»on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule« 2015: Schüler lernen traditionelle Kleidung wie den Tallit kennen © Jüdisches Museum Berlin, Foto: Svea Pietschmann

Zehn Jahre »on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule«: Das erfolgreiche Outreach-Programm des Jüdischen Museums Berlin besucht in seinem Jubiläumsjahr wieder 30 weiterführende Schulen im gesamten Bundesgebiet. Zum Auftakt geht es für die Mitarbeiter der mobilen Ausstellung nach Mecklenburg-Vorpommern: Dort werden vom 20. bis 24. März fünf Schulen angefahren. Bis Ende des Jahres besucht das Jüdische Museum Berlin insgesamt acht Bundesländer. Auch beim Evangelischen Kirchentag in Berlin ist »on.tour« vertreten. Zudem werden die Mitarbeiter wieder mit Häftlingen in Jugendstrafanstalten arbeiten.

Mit interaktiven Führungen durch die mobile Ausstellung und zwei iPad-Workshops laden die Guides die Schüler zum Gespräch über jüdische Geschichte ein. Ein Schwerpunkt ist bei dieser Tour, jüdische Religion in ihrer ganzen Vielfalt zu zeigen. »Was Jüdinnen und Juden in Deutschland heute ausmacht, ist ihre Vielfalt. Sie kommen aus Ost- und Westdeutschland, aus der ehemaligen Sowjetunion und aus Israel. Viele sprechen zwei Sprachen und verstehen sich längst als Weltenbürger. Als Gemeinsamkeit haben sie immer ihr Jüdischsein. Sie legen die Tradition und Rituale individuell sehr unterschiedlich aus, einige leben in einem Paradox von Vergangenheit und individueller Realität«, sagt Sarah Hiron, Leiterin Outreach in der Bildungsabteilung des Jüdischen Museums Berlin. Dabei achten die Pädagogen besonders auf den Bezug zur Lebenswelt der Teilnehmer: Sie diskutieren gemeinsam über die eigene Identität, Kultur und Religiosität und schaffen damit Grundlagen für eine differenzierte Sicht auf das »Eigene« und das »Andere«. Die Schüler entdecken so, wie vielfältig und unterschiedlich Jüdischsein in Deutschland gelebt wird und wurde.

Regionale Bezugspunkte
In der Arbeit mit den Schülern werden immer auch regionale Bezugspunkte hergestellt zu Orten jüdischen Lebens in Vergangenheit und Gegenwart in unmittelbarer Umgebung der Schulen. So gab es in Schwaan bei Rostock seit der Mitte des 18. Jahrhunderts eine jüdische Gemeinde. Für ihre Bedeutung spricht, dass dort 1749und 1764 der Landtag der Juden Mecklenburgs tagte. Die Synagoge in der Warnowstr. 7 wurde seit 1870 nicht mehr als solche genutzt, da viele Juden wegen der politischen und wirtschaftlichen Situation in andere Städte und Länder abwanderten.

Themen der mobilen Würfelausstellung
Die Ausstellung ermöglicht den Museumspädagogen die Arbeit in kleinen Gruppen von fünf bis acht Schülern. In die fünf robusten hüfthohen Würfel sind insgesamt 16 Vitrinen eingebaut sowie Texte und Karten, Abbildungen und Fotografien angebracht. Die Würfel widmen sich den Themen »Jüdisches«, »Leben und Überleben«, »Lebenswege«, »Feste feiern« und »Anfang, Ende und dazwischen«. Unter Anleitung der Museumspädagogen erarbeiten sich die Schüler die fünf Themen in Kleingruppen und bewegen dabei die Würfel durch den Raum. Der Ausstellungswürfel »Feste feiern« beispielsweise widmet sich den wichtigsten jüdischen Feiertagen. So lernen die Kinder und Jugendlichen, dass während des Pessach-Fests die Befreiung der Juden aus der ägyptischen Sklaverei gefeiert wird und dass das Chanukka-Fest an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem erinnert. Diese Feiertage werden unterschiedlich praktiziert, bei einigen stehen religiöse, bei anderen traditionelle Aspekte im Vordergrund.

i-Pad-Workshop »So einfach war das«
In begleitenden Workshops beschäftigen sich die Schüler anhand von Biografien mit Fragen zu Identitäten und jüdischem Leben nach 1945. In dem iPad-Workshop »So einfach war das« stellte das Jüdische Museum Berlin bekannten und unbekannten, gläubigen und weniger gläubigen Juden verschiedener Generationen die Frage: »Wie war das eigentlich nach 1945 als Jude in Deutschland aufzuwachsen?« Die Protagonisten erzählten zu einem Foto aus ihrer Kindheit oder Jugend eine für sie prägende Geschichte. An iPads können die Schüler die Kindheits- und Jugenderzählungen von Minka Pradelski, Andrzej Bodek, Michael Brenner, Rachel Singer, Tsafrir Cohen, Wladimir Kaminer, Ekaterina Kaufmann, Zwi Wasserstein und Daniel Wildmann auswählen und anhören. Anschließend tauschen sie sich über die einzelnen Biografien aus und setzen ihre eigenen Erfahrungen in Bezug zu dem Gehörten.

i-Pad-Workshop »Meine Seite(n)« zu Judentum heute
Hier steht die Arbeit mit aktuellen Biografien im Vordergrund: Die Schüler lernen die unterschiedlichen Lebenswelten von sechs jüdischen Jugendlichen in Deutschland kennen. Interaktive Tagebücher auf iPads geben einen Einblick in das Leben von Adam, Albina, Benjamin, David, Helen und Leon. Gleichzeitig zeigen sie die kulturelle Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland heute. In kleinen Gruppen erarbeiten sich die Schüler jeweils eine Biografie und entdecken dabei auch eigene Seiten. Wie geht beispielsweise Albina mit einem christlichen Großvater, muslimischem Vater und jüdischer Mutter, mit ihrem Glauben um? Mit dieser und ähnlichen Fragen nähern sich die Schüler in der anschließenden Diskussion den Themen Identität und Interkulturalität, Herkunft, Glaube und Heimat.

10 Jahre Bildungsinitiative »on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule«
»Jede Schülerin und jeder Schüler in Deutschland sollte mindestens einmal das Jüdische Museum Berlin besucht haben, bevor die Schule beendet ist«, sagt Gründungsdirektor W. Michael Blumenthal. Damit formulierte er das Ziel der mobilen Bildungsinitiative, diejenigen Schüler zu erreichen, die nicht ohne Weiteres nach Berlin reisen können. Seit 2007 besuchte das mobile Museum bundesweit 539 weiterführende Schulen, davon 222 Haupt-, Real- und Sekundarschulen und 317 Gymnasien oder Gesamtschulen, sowie mehrfach zwei Jugendstrafanstalten. Für seine innovative pädagogische Pionierarbeit wurde »on.tour« 2009 von der Initiative »Deutschland – Land der Ideen« ausgezeichnet. Bis Ende 2016 nahmen fast 66.000 Jugendliche an dem Programm teil.

Die bundesweite Tour 2017
Mecklenburg-Vorpommern: 20. bis 24. März 2017
20. März: Förderschule Hagenow, Redefin
21. März: Anne Frank Schule, Tessin
22. März: Ernst-Moritz-Arndt Gymnasium, Bergen
23. März: Regionale Schule mit Grundschule, Schwaan
24. März: Priv. Internatsgym. Schloss Torgelow, Torgelow am See
Sachsen-Anhalt: 3. bis 7. April 2017
Sachsen: 12. bis 16. Juni 2017
Hamburg/Schleswig-Holstein: 3. bis 7. Juli 2017
Thüringen: 4. bis 8. September 2017
Niedersachsen/Bremen: 18. bis 22. September 2017
Evangelischer Kirchentag in Berlin, Tempodrom: 25. bis 27. Mai 2017
Jugendanstalt Neustrelitz: 13. September 2017
Jugendstrafanstalt Berlin-Plötzensee: 15. September 2017
Jugendarrestanstalt Lichtenrade: 16. September 2017

Finanzierung
»on.tour – Das jüdische Museum Berlin macht Schule« wird unterstützt von der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stiftung Jüdisches Museum Berlin e.V., der Daimler Financial Services AG und dem Ehepaar Eric F. Ross und Lore Ross (sel. A.).

Weitere Informationen und die Termine der bundesweiten Tour finden Sie im Internet unter www.jmberlin.de/ontour

Quelle: Jüdisches Museum Berlin

 Copyright (c) Israel Nachrichten Ltd. 2012-2017.
Eine Vervielfältigung oder Speicherung in Datenbanken oder in anderer Form ist ohne Genehmigung des Verlages untersagt.
Protected by Copyscape Plagiarism Finder

Unterstützen Sie die ISRAEL NACHRICHTEN

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Förderspende. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und das Erscheinen der Zeitung zu sichern.
Klicken Sie für Informationen zur Fördermitgliedschaft Hier…



Von am 20/03/2017. Abgelegt unter Veranstaltungen. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
Leserkommentare geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Wie in einer Demokratie ueblich achten wir die Freiheit der Rede behalten uns aber vor, Kommentare nicht, gekuerzt oder in Auszuegen zu veroeffentlichen. Anonyme Zuschriften werden nicht beruecksichtigt.