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Was „Die Zeitung“ aus London am Dienstag, 8. April 1941 zu berichten wusste

Auf der Titelseite befasst sich das Blatt mit dem Überfall der Großdeutschen Wehrmacht auf Jugoslawien und Griechenland, während man auf Seite drei über Kriegswaffen berichtete, die man schon in grauer Vorzeit nutzte mit dem Titel: „Eine abscheuliche Waffe“: Von den drei bedeutendsten Waffengattungen des modernen Krieges, Flugzeug, Tank und Unterseeboot, kann das letztere auf die jüngste Geschichte zurückblicken. Vor über dreihundert Jahren entstand das erste Tauchboot, und England war der Schauplatz dieses Versuches. 1624 führte der Holländer Cornelius van Drebbel aus Alkmaar dem König James I., dem englischen Hof und Tausenden von Neugierigen sein neuartiges Schiff, das unter Wasser fahren konnte, an der Themsemündung vor.

Die Zeitung, London am Dienstag 8. April 1941. Foto: Archiv/RvAmeln

Fünfzehn Mann Besatzung fuhren zwei Stunden lang in diesem Boot unter Wasser spazieren; der König empfahl die Erfindung der Admiralität zum Studium. Aber dort verhielt man sich ablehnend, und als van Debbel zehn Jahre später verstarb, nahm er das Geheimnis seiner Konstruktion mit ins Grab. In England jedoch sprach man noch lange vom Tauchboot, und 1648 hielt einer der genialsten Männer im Lande, der Hauptgründer der Royal Academy, Bischof Wilkins, eine Predigt über das Unterseeboot; van Drebbels Versuch, meinte der Bischof, habe die Möglichkeit bewiesen, unter Wasser zu fahren – „nicht nur zur Abwehr von Feinden, sondern auch zur Erschließung neuer Welten!“ sagte der phantasiereiche Bischof.

„Wir wollen die Geheimnisse der Meere ergründen und versunkene Reichtümer heben, um die Armut in unserem Land zu beseitigen. Wir werden Kolonien unter Wasser gründen und Menschen züchten, die von Geburt an unter Wasser leben können; die weder Tageslicht noch Festland kennen werden. So werden wir das Werk Christi auch in der Unterwelt lehren, um Satan aus seinen letzten Schlupfwinkeln zu vertreiben..!“ Der Versuch wurde wohl nicht gemacht. Erst 150 Jahre später legte Robert Fulton, der amerikanische Erfinder, Napoleon die Pläne seines Tauchbootes „Nautilus“ vor. Aber Napoleon, der die Invasion Englands vorbereitete, hielt nichts von Fultons Idee, und suchte nach anderen Mitteln, um England in die Knie zu zwingen.

Ein halbes Jahrhundert später kämpfte der bayrische Artillerist Wilhelm Bauer in der schleswig-holsteinischen Armee gegen die Dänen. Der Krieg war ziemlich gemütlich; Bauer hatte Muße genug, sich mit seinem Steckenpferd zu beschäftigen: dem kleinen Modell eines „Brandtauchers“, der an feindliche Schiffe unter Wasser heranfahren und sie nach schnellem Auftauchen anzünden sollte. Die Offiziere der Rendsburger Garnison waren von dieser Idee so begeistert, dass sie eine Sammlung veranstalteten, um den Bau eines Versuchsbootes zu ermöglichen. Das preußische Kriegsministerium genehmigte einen weiteren Betrag, aber die Gesamtsumme war um fünfzig Taler niedriger als Bauers Voranschlag.

Trotzdem begann der Bau. Aus Sparsamkeitsgründen ließ er die doppelte Schiffswand fort, die ihm zur Sicherheit der drei Mann Besatzung nötig erschienen war. Der 1. Februar 1851 war Bauers großer Tag; Fürsten und Admiräle waren nach Kiel gekommen, um der Vorführung seines Brandtauchers beizuwohnen. Bauer selbst und zwei Matrosen kletterten in das Boot, das aussah wie ein großer Seehund. Es sollte zwanzig Minuten unter Wasser bleiben, aber es vergingen viele Stunden, ohne dass das Boot wieder auftauchte. Was war geschehen? Die Schiffswand war zu schwach, eine Seite wurde eingedrückt, Wasser strömte langsam ein. Bauer wusste, dass man so lange aushalten musste, bis die Luft im Boot genügend komprimiert war – bis der Luftdruck gleich dem äußeren Wasserdruck war und die Luke geöffnet werden konnte.

Wirklich hielten die drei Mann vier Stunden aus – dann „schossen wir vor den Augen von Tausenden erstaunter Menschen aus dem Wasser, wie aus der Pistole abgefeuert, klatschten zurück und schwammen im Kieler Hafen,“ berichtet Bauer in seinen Memoiren. Die Katastrophe ist ein Lacherfolg geworden. Bauer versuchte, seine Erfindung an andere Länder zu verkaufen. Er fuhr nach England und bot sie dem Prinzregenten Albert an. Aber die Admiralität fällte das klassische Urteil: „Wir wollen solche Apparate nicht. Es ist eine abscheuliche Waffe. Wir kämpfen lieber als Seeleute auf Deck eines Schiffes als in so einem Kasten.“

Endlich interessierte man sich am Petersburger Zarenhof für Bauer und ließ ihn kommen. Er baute, im steten Kampf gegen Intrigen und Sabotageversuche, ein Tauchboot, das 134 erfolgreiche Fahrten durchführte – bis Bauers Gegner einen Mechaniker bestachen und das Boot nach seiner 135. Fahrt nicht mehr auftauchte. Bauers Werk war vernichtet. Er starb 1875 im Münchener Armenhaus. Inzwischen waren bereits Unterseeboote im amerikanischen Bürgerkrieg mit bescheidenem Erfolg verwendet worden. Zehn Jahre später begann ein Ire, John P. Holland, in Amerika die ersten wirkliche´brauchbaren Unterseeboote zu bauen. Im Jahre 1900 kaufte die amerikanische Marine seine Erfindung an, und Holland – einst ein armer Klosterlehrer – wurde zum reichen Mann. Deutschland begann 1905 mit dem Bau von U-Booten. Als der Weltkrieg ausbrach, besaß es 24; während des Krieges setzte es 360 ein, von denen 195 verloren gingen – fast alle mit der gesamten Mannschaft. Der „uneingeschränkte U-Boot-Krieg“ hat damals die Vereinigten Staaten an der Seite der Entente in den Krieg geführt und damit Deutschlands Niederlage beschleunigt, von der es sich eben durch diese „abscheuliche Waffe“ retten wollte.

Von Rolf von Ameln

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Von am 26/11/2017. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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