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Der ganz „normale Wahnsinn“ im Reich der Nationalsozialisten: So sah der Alltag aus

Der „Daily Telegraph“ schrieb am 1.2.1934: Ein Jahr Hitler. Heute muß anerkannt werden, daß in Deutschland ein starker und entschlossener Reiter fest im Sattel sitzt, ein Mann, der sich seines Weges so sicher ist, als ob er ihn früher schon einmal zurückgelegt hat. Überdies, soweit Worte überhaupt Gewißheit geben können, ist der Weg, den sich der Meister Deutschlands vorgezeichnet hat, ein Weg des guten Willens gegenüber seinen Nachbarn; sofern sie Deutschland die Zugeständnisse machen, die es verlangt. Auch sind Hitlers Worte nicht ohne bedeutende politische Taten geblieben. Der kürzlich mit Polen abgeschlossene Pakt wäre noch vor sechs Monaten für unmöglich gehalten worden…
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Und die „Frankfurter Zeitung“ berichtete am 10.5.1935: Beleidigung des Führers als Scheidungsgrund: Wir berichteten bereits über eine Entscheidung des Reichsgerichts – IV 230/34 – , wonach eine schwere Beleidigung des Führers und Reichskanzlers durch einen Ehegatten für den anderen Ehegatten grundsätzlich einen Scheidungsgrund bilden kann, wenn sie sich nämlich so ehezerrüttend auswirkt, daß dem anderen Ehegatten die Fortsetzung der Ehe nicht mehr zuzumuten ist. In dem betreffenden Ehescheidungsprozeß wurden vor dem auf Scheidung klagenden Ehemann mehrere Scheidungsgründe geltend gemacht, darunter auch eine angebliche beleidigende Äußerung der beklagten Ehefrau über den Führer und Reichskanzler. Für den Fall, daß sich die übrigen ehelichen Verfehlungen der Frau nicht als stichhaltig erweisen, verlangt das Reichsgericht eine eingehende Nachprüfung der im Prozeß offengelassenen Frage, ob die Ehefrau den Führer und Reichskanzler tatsächlich beleidigt hat. In rechtsgrundsätzlicher Beziehung fährt das Reichsgericht an dieser entscheidenden Stelle des Urteils fort: „Es ist durchaus möglich, daß in dieser nichtverjährten und nichtverziehenen Beleidigung des Führers je nach den Umständen eine schwere Eheverfehlung der Frau gefunden werden könnte, wenn die Beleidigung des Führers die Gefühle des Ehemannes aufs schwerste verletzen mußte und verletzt hat!“
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Tagebucheinträge von Joseph Goebbels am 8. und 9. Juni 1936: Der Führer geht herrlich aus sich heraus. Entwickelt wunderbare Ideen und Zukunftspläne. Edda Mussolini sehr von ihm begeistert. Sie ist ganz der Papa, spielt ihn wohl auch etwas. Aber sonst sehr sympathisch. Nur schrecklich angemalt. Wie fast alle Italienerinnen…
Ich unterhalte mich lange mit Edda Mussolini. Sie ist eingenommen von Deutschland. Verehrt schwärmerisch ihren großen Vater. Mit Recht! Aber den Italienern ist nicht zu trauen… Edda Mussolini ist zu uns sehr nett. Wenn sie sich nur nicht so anmalen wollte. Aber doch nicht ganz unsympathisch…
Noch lange mit dem Führer allein. Er mag angestrichene Frauen nicht. Rechnet es Magda hoch an, daß sie eine klare, einfache Frau geblieben ist. Deshalb hat auch Edda Mussolini ihn nicht beeindruckt. Das sind keine Frauen, die der Nation gesunde Kinder schenken…
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Am 1.2.1937 sendet der Bayrische Ministerpräsident Siebert ein Fernschreiben an den Führeradjudanten Wiedemann: „…erfahre ich nun, daß Abt Schachtleiter eine neue Gehirnblutung erlitten hat und sein Zustand äußerst bedenklich ist. Es kann jede Stunde mit seinem Ableben gerechnet werden… Abt Schachtleiter hat mir seine Wünsche für den Fall seines Ablebens mündlich bekanntgegeben und bittet darum, auf dem Waldfriedhof in München in der Nähe Ernst Pöhners beigesetzt zu sein. Seine Aufbahrung möchte in der Allerheiligen-Hofkirche erfolgen. Dort soll an seinem Sarge das Requiem gehalten werden ohne Ansprache. Die Patres von Sankt Ottilien in München sollen bei den Funktionen während des Requiems die liturgischen Gesänge übernehmen, jedoch ohne Orgel. Nach der Absolution ad tumbam sollen die kirchlichen Funktionen beendet sein und seine Überführung auf den Waldfriedhof erfolgen. Dort wünscht der Abt noch eine stille Einsegnung; er wünscht aber ausdrücklich, daß auch auf dem Waldfriedhof eine Ansprache oder eine Rede des Geistlichen nicht gehalten wird. Nach der Einsegnung geht der Geistliche vom Grabe weg; dann wünscht Abt Schachtleiter, daß dem Führer sein Dank und seine Treue bis in den Tod bekundet werde.
(Ernst Pöhner war Ultra-Nazi, extrem antisemitischer Polizeichef von München und war am sogeannten „Hitler-Putsch“ beteiligt. Er war einer der Hauptangeklagten im folgenden Prozess und mit dem „Braunen Abt“ eng befreundet..!)
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Am 27.7.1939 erging Fernschreiben von Führeradjudant Wiedemann an Gauleiter Sprenger, Frankfurt am Main: Der Führer hat bei seiner letzten nächtlichen Fahrt am Rhein beanstandet, daß die verschiedenen Denkmäler und Ruinen – Niederwald-Denkmal, Pfalz bei Caub usw. – nicht angestrahlt werden. Ich darf Sie bitten, die notwendigen Maßnahmen zu veranlassen..!
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Brief von Martin Bormann an Robert Ley am 8.2.1939: Zu Ihrer Unterrichtung teile ich Ihnen mit, daß der Führer, soweit irgend möglich, die Bedienung durch Kellner in allen Gaststätten abgeschafft sehen will. Die Tätigkeit eines Kellners ist nach der Auffassung des Führers nicht die richtige Arbeit für einen Mann, sondern vielmehr die gegebene Arbeit für Frauen und Mädchen.
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Am 20. 7. 1938 erging Mitteilung vom Magistrat Linz an den Reichsstatthalter von Wien:
Anläßlich der Wiedervereinigung der Ostmark mit dem Deutschen Reiche am 13. März letzten Jahres hat der Führer und Reichskanzler nach dem triumphalen Empfang, den ihm die Bevölkerung von Linz bereitet hat, in einem kleinen Kreis oberösterreichischer Kämpfer der NSDAP und meiner Gegenwart erklärt, daß er die Patenschaft über die Stadt Linz übernehme, in der er einen Teil seiner Jugend als unbekannter Student verbracht hat. Mit dieser Erklärung hat der Führer eine noch engere, persönliche und einzigartige Verbindung mit der Stadt Linz hergestellt. Ich bitte, diese Erklärung des Führers rechtswirksam zur Kenntnis nehmen zu wollen und der Stadt Linz die ehrenvolle aber auch sie verpflichtende Sonderbezeichnung zu verleihen, die sie vor den übrigen Gemeinden besonders hervorhebt; – „Linz, die Patenstadt des Führers.“
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Und am 25.11.1940 schrieb der jüdische Obermedizinalrat Doktor Eduard Bloch, der sich n o c h in Wien aufhielt, einen „Abschiedsbrief“ an Hitler, da er ja dessen an Krebs erkrankte Mutter behandelt und bis zum Tod begleitet hatte:
„Bevor ich die Landesgrenze überschreite, um mich nach New York einzuschiffen, wo mein einziges Kind in harter Arbeit den Lebensunterhalt für die Familie zu erwerben bestrebt ist, fühle ich mich verpflichtet, Eurer Excellenz innigsten Dank auszusprechen für den mir in den letzten zwei Jahren gütigst gewährten Schutz. Wenn ich auch in materieller Armut von Linz scheide, so bin ich mir bewußt, in selbstloser exacter Weise stets meine Pflicht erfüllt zu haben.
Genehmigen Euere Excellenz den Ausdruck meiner steten Dankbarkeit und tiefsten Ergebenheit. gez. Eduard Bloch.

Ob der „Führer“ diesen Brief jemals in Händen gehalten oder gelesen hat, darf angezweifelt werden.

Von Rolf von Ameln

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Von am 25/01/2018. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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