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Europas Memorandum gegen Judenhass ist vorbei

Ein Angriff auf jüdische Riten, wie man ihn seit der Nazizeit nicht mehr gesehen hat, breitet sich in ganz Europa aus. Von Polen bis Island ist der Antisemitismus wieder im Mainstream.

Holocaustleugnung ist nichts Neues. Doch während sie sich früher in dunklen Ecken unter der Herrschaft antisemitischer Fanatiker und Schurkenregimes versteckte, wurde sie jetzt in das blendende Licht des Tages gezogen.

Der Holocaust und die Ermordung von 6 Millionen Juden, verblassen aus dem kollektiven Gedächtnis der Welt. Seine Geschichte wird umgeschrieben, wie ein Handlungsstrang der von den Seiten von George Orwells 1984 gerissen wurde, wo die Wahrheit nicht mehr die Wahrheit ist, oben ist nicht mehr oben und links ist nicht mehr links. Die Geschichte ist nicht mehr in Stein gemeißelt, sondern in Sand geschrieben, der leicht mit den abendlichen Gezeiten weggespült wird.

Es geschieht etwas in der Welt, das beängstigend und alarmierend ist und sich vor unseren Augen entfaltet. Etwas, von dem wir dachten, dass es nie wieder passieren sollte.

Im Mai 2015 versuchte die Ukraine ihre Geschichte neu zu schreiben, indem sie Gesetze verabschiedete, die die sowjetischen und nationalsozialistischen Regime verurteilten. Dabei ignorierte sie jedoch ihre eigene Beteiligung am Massenmord an den Juden. Jeder Versuch, dieser neuen Version zu widersprechen, könnte Sie bis zu zehn Jahre ins Gefängnis bringen.

Sie lobten auch die Soldaten und Partisanen, die in der ukrainischen Aufständischenarmee kämpften – eine Miliz, die sich mit der deutschen Wehrmacht gegen die Sowjets verbündet hatte.

Der Anführer dieser Miliz war Roman Schuchewitsch, ein Nazi-Kollaborateur, der im Juni 1941 eine Reihe von Pogromen in Lemberg verübte und 6000 Juden ermordete. Im Juni 2017 wurde er in der gleichen Stadt gefeiert, wo zu seinen Ehren ein Fest abgehalten wurde.

Wie die Ukraine hat Polen jetzt beschlossen, auf den historischen Zug der Verleugnung zu springen und eine Reihe von Gesetzen verabschiedet, die den Zorn der israelischen Regierung und der Juden weltweit ausgelöst haben.

Im Januar verabschiedeten sie ein Gesetz, das die Verwendung des Begriffs „polnisches Todeslager“ verbietet. Jeder Verstoß könnte zu einer Haftstrafe von bis zu drei Jahren führen und selbst Holocaust-Überlebende sind nicht dagegen gefeit.

Als der israelische Bildungsminister Naftali Bennet dies kritisierte, annullierte Polen einen offiziellen Besuch, den er für den Monat Februar geplant hatte.

Der Angriff in Polen auf die jüdische Welt, setzt sich mit zusätzlichen Gesetzen fort. Ein Gesetz, das die Schlachtung und den Export von koscherem Fleisch einschränkt. Als zweites, um weitere Beleidigungen hinzuzufügen, friert Polen ein Gesetz ein, das sich mit der Rückgabe von jüdischem Eigentum befasst. Dies ermöglicht es polnischen Bürgern, von gestohlenem jüdischem Eigentum zu profitieren.

Um das Ganze abzurunden, sprach der polnische Premierminister auf der Sicherheitskonferenz in München über die Täter im Holocaust, einschließlich des Begriffs „Jüdische Täter“. Er stellte damit eine moralische Gleichwertigkeit mit den Ukrainern, den Nazis und jenen Polen her, die freiwillig am Massenmord teilnahmen.

Diese Aktionen haben zu einer Explosion des offenen Antisemitismus in der polnischen Gesellschaft geführt. Es wird so schlimm, dass die Juden zum ersten Mal seit 1968 offen ihre Angst ausgedrückt haben, dort zu leben.

Nun, es ist wahr, dass die Todeslager der Nazis von den Deutschen geschaffen und verwaltet wurden, nicht von den Polen. Es stimmt, dass Polen eine Nation war, die einer grausamen Besatzung ausgesetzt war, welche die Nazis als Quelle für Sklavenarbeit ansahen. Es stimmt auch, dass mehr polnische Bürger als Gerechte unter den Völkern anerkannt werden, als aus anderen Ländern.

Aber es ist auch wahr, dass es in bedeutenden Teilen der polnischen Kultur eine lange Geschichte des Antisemitismus gibt – was ein Grund ist, warum die Deutschen Polen als ihren hauptsächlichen Tötungsort gewählt haben.

Im Juli 1941 beteiligten sich polnische Bürger daran, ihre jüdischen Nachbarn in der Stadt Jedwabne zusammenzutreiben und ermordeten rund 340 von ihnen, indem sie sie in eine Scheune sperrten und diese in Brand setzten, um sie lebendig zu verbrennen. Für viele war es eine Gelegenheit, sich an den Juden zu rächen, die sie als reich und anders ansahen.

Auch nach dem Krieg 1946, als nur noch wenige Holocaust-Überlebende in die Stadt Kielce zurückkehrten, um ihr Eigentum zurückzufordern, wurden sie von einem Mob von polnischen Zivilisten, Polizisten und Soldaten einem Pogrom unterzogen, bei dem 40 von ihnen ermordet wurden. Dort war kein einziger deutscher Soldat beteiligt.

Es ist jedoch nicht nur Polen, in dem diese neue Welle des Antisemitismus existiert. In Europa wächst das Verbot von Kaschrut oder koscherem Schlachten. In Dänemark und Belgien wurde es bereits verboten.

In Island wird gerade ein Gesetz diskutiert, das Beschneidungen verbieten wird. Wenn es verabschiedet wird, wird es bedeuten, dass Juden ihrem ältesten Bund zwischen Abraham und Gott nicht mehr folgen können, was effektiv das Ende des gesamten jüdischen Gemeinschaftslebens im Land bedeutet.

Dieser Angriff auf jüdische Rechte, Riten und Traditionen – wie man ihn seit der Nazi-Zeit nicht mehr gesehen hat – wird sich nur verschärfen, denn in den nächsten Jahren, wenn die letzten Holocaust-Überlebenden verstorben sind, wird es keine direkteren Zeugen der dunkelsten Stunde der Welt mehr geben. Der Holocaust wird plötzlich zu einer Geschichte werden, die in den Hintergrund tritt und Gerüchten, Mythen und Fälschungsvorwürfen ausgesetzt ist und nur in alten zerfetzten Büchern und verblichenen Bildern existiert.

„Niemals Wieder“ sagen wir Juden oft. Wir sagen es, denn „nie wieder“ werden wir machtlose Subjekte in einer Welt sein, die uns viel zu oft den Rücken gekehrt hat.

Dies gilt besonders heute, weil wir jetzt den Staat Israel haben. Wir sind jetzt die Herren unseres eigenen Schicksals.

Also werden nie wieder unsere Leben und unsere Sicherheit von den Launen der Führer und Komitees abhängen, die diese Sicherheit nicht garantieren. Nie wieder wird unser Dasein in prekärer Weise an einem Faden hängen, der von anderen gehalten wird, die unsere Geschichte und unseren Schmerz und unser Leiden zurückweisen. Nie wieder werden wir zulassen, dass eine Katastrophe wie der Holocaust unser Volk trifft.

Es ist die Verantwortung des jüdischen Volkes, diese Erinnerungen wach zu halten und die Welt daran zu erinnern, denn wenn wir, die Generation von heute, dies nicht tun, werden auch diese Erinnerungen im Nebel der Zeit verblassen, um nie wieder aufzutauchen.

Wir werden uns weiterhin an alle erinnern, auch wenn die Welt langsam zu vergessen beginnt.

Von Justin Amler (MIDA)

Justin Amler ist ein in Australien lebender Autor und Kommentator für internationale Themen.

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Von am 05/03/2018. Abgelegt unter Featured. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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