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Wien: Ausstellung Genosse. Jude

Wir wollten nur das Paradies auf Erden

Jüdisches Museum Wien. Ausstellung Genosse. Jude. Foto: Wollmann-Fiedler

Eine sehr interessante und intensive Vergangenheit hat das Palais Eskeles in Wien in der Dorotheergasse. Einst, 1414, Dorotheerstift, dann Verkauf des großen Komplexes mitsamt dem Haus Nr. 11. Die spätere Verwaltung verkaufte an den einen, der an die andere. Anna–Maria Dietrichstein vermietete Wohnungen und die Witwe von Wolfgang Amadesus Mozart zog mit ihren beiden Söhnen ein. 1812 kaufte ein Fürst Esterhazy, Weiterverkauf an Fürst von Kaunitz-Rietberg, 1773 dann zog das Bankhaus Arnstein & Eskeles ein. Begehrt war das Haus, der ungarische Graf Nako de Szent Miklos erstand es, ließ umbauen und zog mit seiner Familie und den Dienstboten ein. Doch der spätere Graf Nako de Szent verkaufte nach siebzig Jahren das klassizistische Gebäude an Ignaz Fleischer und Salomon Stein. Weiter ging es mit Kauf und Verkauf. Die Wiener Baumeister Kupka & Orglmeister bauten komplett um und die Galerie Miethke entstand, die später unter der Leitung des Malers Carl Moll zum Zentrum der modernen Kunst wurde. Eine seiner Stieftöchter war die später berühmt gewordene Alma Mahler-Werfel. Nach dem 1. Weltkrieg wurde aus dem Gebäude das „Haus der jungen Künstlerschaft“ und 1936 kam es in den Besitz des Auktionshauses „Dorotheum“. Einen weiten Weg durch die Historie Wiens ist das Palais Eskeles gegangen, bis es 1993 als Jüdisches Museum Wien eröffnet wurde.

Menschen aus dem In- und Ausland biegen alljährlich in der Wiener Innenstadt vom Graben in die Dorotheergasse ein und besuchen das Jüdische Museum in der Nr. 11 mit seiner ständigen Ausstellung und den interessanten Wechselausstellungen.

In diesen Wochen empfangen uns Karl Marx und andere Genossen im 1. Stock des Museums. Neben ihm warten Ferdinand Lasalle, Moses Hess, Viktor Adler, Otto Bauer, Rosa Luxemburg und Leo Trotzki, um uns durch die sehr große informative Ausstellung zu führen. Über die Kommunistische Partei Österreichs und über die kommunistischen Juden erfahren wir, über die Verbindung zu Moskau, über den immer wieder sich erneuernden Antisemitismus in der Sowjetunion. Die Verbindung der jüdischen Kommunisten zwischen Wien und Moskau auf sämtlichen Ebenen soll der Mittelpunkt der Ausstellung sein und beginnt mit dem Exil Leo Trotzkis und endet mit dem Zerfall der Sowjetunion. Ende der 1960er Jahre kamen bereits sowjetische jüdische Auswanderer in den Westen, weiter ging es in den Siebzigern. Der große Exodus begann nach der Perestroika, nach 1989.

Ausstellung Genosse. Jude (Marx und Genossen). Foto: Wollmann-Fiedler

„Alle Macht den Sowjets. Frieden, Land und Brot“ für diese Devise begeisterten sich auch viele Juden. In Russland erhofften sie sich einen Bruch mit dem jahrhundertealten Antisemitismus des Zarenreichs…Auf besonders fruchtbaren Boden stieß die revolutionäre Arbeiterbewegung in Osteuropa. Im zaristischen Russland lebten mehr als fünf Millionen Juden in den westlichen Provinzen. Ihr Leben war von ökonomischem Elend, restriktiven Gesetzen und Progromen bestimmt…Vom zaristischen Regime wurden Revolutionäre verfolgt, verhaftet und nach Sibirien in die Verbannung verschickt. Einige flüchteten über die österreichisch-russische Grenze in den Westen. Neben Zürich, Paris und Berlin war Wien ein wichtiger Zufluchtsort…Einer der prominentesten politischen Flüchtlinge war Leo Trotzki“.

Ausstellungsobjekte aus aller Welt sind nach Wien gebracht worden und die Kuratorinnen Gabriele Kohlbauer-Fritz und Sabine Bergler haben eine sehr sehenswerte Ausstellung zu einem hochinteressanten und wichtigen Thema gestaltet.

Der Herzl-Stalin-Teppich, ein geknüpfter Wandteppich: Josef Stalin übermalt mit Herzl-Bart, der in den 1930er Jahren in der Sowjetunion geknüpft wurde, ist mir in Erinnerung geblieben und vieles mehr. Die Texte sind gut zu lesen.

Schon gehe ich ins Detail und höre direkt wieder auf. Bewundern Sie die Stadt an der Donau und lassen Sie sich bis zum 1. Mai 2018 von Karl Marx und den anderen Genossen in der Dorotheergasse Nr. 11 in Wien empfangen.

Von Christel Wollmann-Fiedler

Frau Wollmann-Fiedler ist Journalistin, Fotografin und Autorin der Israel-Nachrichten. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

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Von am 09/03/2018. Abgelegt unter Veranstaltungen. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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