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Putin und die „Protokolle der Weisen von Zion“

Mit Empörung reagierte das American Jewish Committee auf die Äußerung von Kreml-Chef Putin, dass, Zitat: „Ukrainer, Tataren oder Juden, nur mit russischer Staatsbürgerschaft“ die US-Präsidentschaftswahl beeinflusst haben.

Der ehemalige KGB-Offizier Wladimir Putin beherrscht die Klaviatur der Macht virtuos und spielt nach dem alten Prinzip des Römischen Reichs „Divide et impera“ je nach Bedarf einzelne Gruppen oder Staaten geschickt gegeneinander aus. Man könnte an ein politisches Déjà-vu glauben, wenn heute wieder die Karte der jüdischen Weltverschwörung gezogen wird. Einige Zeit im frühen 20. Jahrhundert glaubten Regierungen und Politiker in Europa und darüber hinaus an die Echtheit der „Protokolle der Weisen von Zion“, dem Pamphlet aus der Feder des zaristischen Geheimdienstes, um Judenhass in Russland und Europa zu befeuern. Dieser Judenhass zog sich wie ein roter Faden vom russischen Zaren Hof über Stalin bis Hitler und gipfelte schließlich im Holocaust, dem industriell organsierten Massenmord an den europäischen Juden.

Der Berliner Antisemitismus-Forscher Wolfgang Benz stellte fest: „Judenfeindlichkeit wurde im russischen Zaren-Reich mit größerer Vehemenz und Aggressivität praktiziert, als in jedem anderen Land.“

Dieses über 100 Jahre alte Machwerk, was klar als Fälschung entlarvt wurde, wird bis heute von einigen Juden- und Israel-Hassern als Begründung für ihre rassistische Geisteshaltung aufgeführt. Selbst ein deutscher Politiker der im Bundestag vertretenen AfD glaubt noch heute an die Echtheit dieses Geheimdienstmachwerkes. Dabei würde allein etwas Statistik und reiner Menschenverstand andere Schlüsse fordern.
2,26 Milliarden Anhänger des Christentums, 1,57 Milliarden Muslime, 900 Millionen Hindu und über 500 Millionen Buddhisten stehen 14,4 Millionen Juden gegenüber. Selbst die alte Mär vom reichen Juden und der exorbitant reichen Familie Rothschild zieht nicht mehr, denn nach dieser Logik müssten laut Forbes-Liste Amazon-Gründer Jeff Bezos und Microsoft-Gründer Bill Gates als reichste Menschen des Globus die Weltherrschaft anstreben.

Tatsache ist aber, dass die Heimat der Juden, Israel, immer wieder eine intellektuelle Führungsrolle übernimmt, die Neid und Missgunst fördert. In der IT-Branche, in Medizin und Medizintechnik, im ökologischen Wassermanagement und vielen anderen Bereichen liefert Israel Spitzenleistungen ab. Überdurchschnittlich viele Start up’s belegen die Innovationsfreude des Landes. Platz 3 im globalen Ranking der Schulbildung unterstreicht diese Wertung. Israel ist aber kein Wunderland, sondern muss sich wie andere auch der Globalisierung stellen und ob der Lage und dem Dauerkonflikt mit Hamas und Hisbollah und deren Geldgebern zudem noch massive Ausgaben für den Schutz des Landes tätigen, notwendige Mittel die einer prosperierenden Wirtschaft entzogen werden müssen.

Jetzt bedient sich Putin faktisch desselben Zerrbildes wie weiland der russische Zar und befeuert mit seiner Aussage erneut die Theorie von der jüdischen Weltverschwörung. Ihm aber jetzt zu unterstellen, daß dies eine unbedachte Äußerung wie von manch einem anderen Politiker wäre, würde seine Intelligenz beleidigen. Er weiß sehr genau, wann und wo er eine solche Äußerung tut und hat dabei auch immer klare strategische Ziele. Sollte es tatsächlich eine digitale Beeinflussung des US-Wahlkampfes Trump vs. H. Clinton gegeben haben, dann weiß der gerissene Geheimdienstmann Putin ganz sicher, woher dies kam und welche Personen dafür verantwortlich sind. Wie man aber sieht, klammert er indirekt Russen selbst in seinem Statement aus. Nationalismus in Reinkultur.

Seine dezentral agierenden, vermutlich auch staatlich bezahlten Hacker, andere sagen Cyber-Terroristen, haben in den vergangenen Jahren schon einige Testballons in Europa und in den USA gestartet. Vermutlich gehört dieser Cyber-Terrorismus schon in die Rubrik Vorbereitung und Test der digitalen Kriegsführung.

Richard A. Clarke, Sicherheitsberater mehrerer US-Präsidenten, hat schon vor Jahren vor den ungeheuerlichen Möglichkeiten des Cyber-Terrorismus und der darauf basierenden Kriegsführung gewarnt. Heute, im Zeitalter der immer komplexeren Vernetzung von allen Bereichen einer modernen Industriegesellschaft, gibt es faktisch nichts mehr, was nicht mit einem Mausklick gestört oder gar lahmgelegt werden kann. Diese digitalen Tore, vom vernetzten Haushalt über alle Industriebetriebe, industrielle Landwirtschaft, Medizin, Handel und Dienstleistung, Produktion und Distribution, alle hoheitlichen Aufgaben einer Regierung und Ministerien einschließlich Verteidigung, Parteien, Organisationen können heute tendenziell von außen manipuliert werden, wenn nicht geeignete Schutzmaßnahmen getroffen werden.

Hier ist aber leider immer noch fehlendes Fachwissen bis hin zu Ahnungslosigkeit, Naivität, blindes Technikvertrauen und ein latenter Mangel an Investitionsbereitschaft an der Tagesordnung.

Israel ist gerade in diesem Bereich Vorreiter und setzt in der IT-Branche Maßstäbe. Ein signifikanter Unterschied wird sichtbar: in Israel – Forschung und Innovation für ein prosperierendes Land und dessen Schutz, in Russland und andere Nationen – Fokussierung solcher Forschungsergebnisse um letztlich Macht auszuüben und Hegemonie zu sichern.

Sollten nun tatsächlich russische Hacker den US Wahlkampf manipuliert haben, dann wäre dies neben dem eigentlichen Terrorakt auch ein Armutszeugnis für NSA und alle anderen, mit dem Thema Cyber-Terrorismus beschäftigten Dienste in den USA. Jetzt liegt es wohl am FBI, Licht ins Dunkel der gegensätzlichen Aussagen zu bringen. Vielleicht können ja die erneut verunglimpften Juden, insbesondere Israel hilfreich sein, dass die zuständigen Dienste in den USA zeitnah ihren Job machen können und die ewigen Mutmaßungen und Anschuldigungen des jeweiligen politischen Gegners aufhören.

Es gibt Wichtigeres als eine Neuauflage der zaristischen Staatslüge der „Protokolle der Weisen von Zion“

Von Gerhard Werner Schlicke

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Von am 18/03/2018. Abgelegt unter Welt. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.

Ein Kommentar zu: Putin und die „Protokolle der Weisen von Zion“

  1. Beo. B. Achter

    19/03/2018 at 08:38

    „Divide e impera“, sich in Wahlen einmischen und „Regime change“ machen die Amerikaner seit meiner Geburt. Was also dieser Aufschrei – sie hätten sich diese Zeilen sparen können.

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