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„Was wäre wenn…“ Ein Buch von Alexander Hausvater

Ein großer Briefumschlag aus Rumänien war im Poststapel. Allwöchentlich kommt auf diesem Weg die Hermannstädter Zeitung, doch diesmal war der Umschlag dicker und schwerer. Gespannt war ich beim Öffnen. Ein Buch, ach ja, ein Buch, „Was wäre wenn“ von Alexander Hausvater.

Was Wäre Wenn.. Buchcover Alexander Hauvater.

Der Name des Autors war mir unbekannt. Ungeduldig blätterte ich und las, dass Beatrice Ungar die Texte aus dem Rumänischen ins Deutsche übersetzt hat, dass Emil Hurezeanu, der Botschafter Rumäniens in Deutschland, ein Vorwort geschrieben hat, ebenso der Schriftsteller und Politiker Vasile Sebastian Dancu. Nora Iuga, die Grande Dame der Rumänischen Literatur, hat das Nachwort gedichtet und der Künstler Dan Lacatus illustrierte mit Collagenbildern so manche Seite. Neugierde über Neugierde. Doch wer Alexander Hausvater ist, wollte ich wissen und erfuhr es. In eine jüdische Bukarester Familie wurde er geboren, mit zehn Jahren kam er mit der Familie nach Israel, wo er die Schule besucht, in Tel Aviv studiert, nach Dublin und weiter nach Kanada geht. Unzählige Theaterstücke bringt er auf die Bühnen Kanadas, Nordamerikas, Rumäniens und Israels, Theaterfestivals leitet er, ist Dramaturg von Radio- und Fernsehsendungen, etc. etc.

Nach der Öffnung der Grenzen kommt er nach Rumänien und inszeniert im Land seiner Herkunft so manches Theaterstück. Apropos Theater, Inszenierung? Ich erfahre, dass Hausvater in Temeswar ein jüdisches Theaterstück gezeigt hat im Rahmen des Eurothalia-Festivals. Das Stück hat er am Jüdischen Staatstheater in Bukarest inszeniert. In Tel Aviv und auch in Haifa wird es ebenfalls aufgeführt. An der Ungarischen Oper in Klausenburg wird seine Operninszenierung „Macbeth“ von Verdi, gezeigt, die auch in Berlin zu sehen war. Auch „Nabucco“ in Klausenburg ist sein Werk. Einer der Impulsgeber des Theaters in Rumänien ist Alexander Hausvater nach der Öffnung der Grenzen in Europa und seiner Rückkehr nach Rumänien geworden. Bereits als Kind in Bukarest besucht er mit dem Vater Operninszenierungen, Ballettaufführungen und Konzerte. Vormittags war er im Theater und nachmittags auf dem Fußballplatz. Der Kulturbereich, das Theater wird seine Heimat. Das Buch hat er in Rumänisch geschrieben, obwohl er das Land mit zehn Jahren verlässt. Die Muttersprache hat er in all den Jahren nicht verlernt.

Emil Hurezeanu schreibt in seinem Vorwort: „1938 lebten in Rumänien etwa genau so viele Juden wie Deutsche, jeweils fast 800.000…Sie gingen ins Theater, sie kannten Storin und Vraca, hatten Verwandte und Freunde, praktizierende oder liberale Juden mit ungarischen und deutschen Namen in Arad und Suceava…Krieg, Faschismus und Kommunismus schlagen Risse in dieses imperfekte aber in seiner europäischen Identität stetig erfolgreiche Rumänien, brechen ihm das Rückgrat“. Eine sehr nachdenklich stimmende Beschreibung.

An seinen Kindheitserinnerungen in Bukarest lässt uns Alexander Hausvater teilhaben, am jüdischen Leben an Familienfesten und Synagogenbesuchen und an der Auswanderung über Neapel nach Israel. Er führt uns nach Transnistrien in die Todeslager, führt uns durch seine Kindheit in Rumänien und Israel, beschreibt die unmenschliche Gestalt Eichmann, beobachtete ihn 1961 im Käfig hockend, im Gericht von Jerusalem.

Ach, was erzähle ich. Das liebevoll geschriebene Buch von Alexander Hausvater mit dem Titel „Was wäre wenn“ sollte jeder lesen, der sich für Geschichten imaginärer Welten und Kulturen interessiert.

Nora Iuga schreibt den prosaischen Satz: „Unter anderem ging ich am Meeresufer spazieren, von Bat-Yam nach Tel Aviv. Ich schrieb Gedichte und komponierte Melodien, aber vor allem lauschte ich gerne den Wellen, die sie sich an der Steilküste brechen“. Die Erinnerung von Alexander Hausvater hat sie aufgefangen.

Von Christel Wollmann-Fiedler

Frau Wollmann-Fiedler ist Fotografin, Journalistin und Autorin der Israel-Nachrichten. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

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Von am 28/10/2018. Abgelegt unter Bücher,Europa,Rezensionen. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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