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Zeitgeschichte in den Israel Nachrichten: Wie Adolf Hitler seine Vita fälschte

In „Mein Kampf“ begann Hitler das erste Kapitel des 1. Bandes mit einer pathetisch phrasenhaften Schilderung der Kleinstadt Braunau am Inn, wo er am 20. April 1889 im „Gasthof zum Pommer“ als viertes Kind des in dritter Ehe lebenden Zollbeamten Alois Hitler geboren wurde. Braunau, der an der deutsch-österreichischen Grenze liegende kleine Ort, kam seinen schon zu der Zeit vorhandenen Bestrebungen, sich als „Werkzeug der Vorsehung“ anzudeuten, infolge eines Ereignisses zu Beginn des 19. Jahrhunderts allerdings auf besondere Weise entgegen; denn dort war 1806 der Nürnberger Buchhändler Johann Philipp Palm von französischen Soldaten erschossen worden, weil er die gegen Napoleon gerichtete Flugschrift „Deutschland in seiner tiefsten Erniedrigung“ verlegt und den Franzosen den Namen des Verfassers nicht preisgegeben hatte.

Palms Erschießung und die Tatsache, dass Braunau unmittelbar an der Grenze lag, wollte Hitler „als glückliche Bestimmung“ dafür gewertet sehen, dass er vom „Schicksal“ auserwählt worden sei, dereinst die „Wiedervereinigung“ Österreichs mit Deutschland herbeizuführen. Hitlers sehr kappe Ausführungen über seinen Vater ist mehr Teil eines Märchens als wichtiger Bestandteil einer Autobiographie, die nicht zuerst ein Zeugnis für die dichterische Begabung des Autors, sondern die nicht beschönigte Bloßlegung des tatsächlichen Lebens sein sollte. So gespreizt und gewollt literarisch hat Hitler in „Mein Kampf“ nur noch über seine Erlebnisse im Ersten Weltkrieg geschrieben.

„In diesem von den Strahlen deutschen Märtyrertums vergoldeten Innstädtchen wohnten am Ende der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts meine Eltern; der Vater als pflichtgetreuer Staatsbeamter, die Mutter im Haushalt aufgehend und vor allem uns Kindern in ewig gleicher liebevoller Sorge zugetan. Nur wenig haftet aus dieser Zeit noch in meiner Erinnerung, denn schon nach wenigen Jahren musste der Vater das Grenzstädtchen wieder verlassen, um in Passau eine neue Stelle zu beziehen, also in Deutschland selber“. Hitlers Behauptung, dass in seinem sonst so hervorragenden Gedächtnis „aus dieser Zeit“ nur wenig haften geblieben sei, ist durchsichtig.Seine Behauptung, dass sein Vater erst nach fast „dreiundzwanzig Jahren“, als rund Vierzigjähriger also, Staatsbeamter geworden sei, deckt sich nicht mit den Tatsachen; denn Alois Hitler, der 1864 provisorischer Amtsassistent für den Zolldienst mit dem Amtstitel „Kontrollassistent“ geworden war, hatte im Jahre 1875 bereits den Rang eines Zollamtsoffizial erreicht.

Allerdings hieß er, der unehelich geborene Sohn einer Bauerntochter aus Strones bei Döllersheim, nicht Alois Hitler, sondern Alois Schicklgruber – wie seine Mutter: Maria Anna Schicklgruber. Erst 1876, als er 39 Jahre alt war, änderte er seinen Nachnamen mit Einverständnis der politischen und kirchlichen Behörden in Hitler um. Hier hatte Adolf Hitler verhindern wollen, dass Einzelheiten über seine nach außen hin undurchsichtige Vergangenheit bekannt werden könnten. Aus dem gleichen Grunde hat er auch wahrscheinlich im Jahre 1921 behauptet, dass sein Vater „Postoffizial“ gewesen sei, was total abwegig und irreführend war. Über seine Zeit in der Volksschule berichtete Adolf Hitler lediglich: „Ich war ein kleiner Rädelsführer geworden, der in der Schule leicht und damals auch sehr gut lernte, sonst aber schwierig zu behandeln war. Da ich in meiner freien Zeit im Chorherrenstift zu Lambach Gesangsunterricht erhielt, hatte ich beste Gelegenheit, mich oft am feierlichen Prunke der äußerst glanzvollen kirchlichen Feste zu berauschen. Was war natürlicher, als dass, genau so wie einst dem Vater der kleine Herr Dorfpfarrer, nun mir der Herr Abt als höchst erstrebenswertes Ideal erschien.“

Erwähnenswert erscheint in diesem Zusammenhang, dass der Abt namens Hagen ein stilisiertes Hakenkreuz in seinem Wappen führte. Früh schon zeichnete es Adolf Hitler in seine Hefte hinein und entwarf Buchtitel mit Hakenkreuz-Symbolen. Schwärmerisch schrieb er auch über seine Realschulzeit in Linz und Steyr. Auch den Streit mit seinem Vater, der ihm verbot, Kunstmaler zu werden, ließ er nicht aus; – jedoch knapp. Ebenso kurz beschreibt er seine Wiener Zeit als „Hilfsarbeiter und Maler“, bis er nach München zog. Auch hier verbrachte er bis zum Kriegsausbruch seine Zeit mit malen und dem Studium antisemitischer Schriften. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, meldete sich Adolf Hitler als Kriegsfreiwilliger und kam als Meldegänger an die Front.

Sein Briefwechsel bezeugt, dass „Mein Kampf“ ausgerechnet in diesem Punkt eine zuverlässige Quelle ist. Allerdings unterließ Hitler es, die Genesis seiner Kriegsbewertung bis 1924 darzustellen. Dass er den Krieg nach seiner „Läuterung“ an der Front bis in die ersten 1920er-Jahre hinein abgelehnt und als Mittel des Judentums zur „Unterwerfung der Welt“ bezeichnet hatte, überlieferte er in „Mein Kampf“ nicht. Doch an einer Stelle im ersten Kapitel heißt es: „…umsonst all die Opfer und Entbehrungen, umsonst der Hunger und Durst von manchmal endlosen Monaten, vergeblich die Stunden, in denen wir, umkrallt von Todesangst, dennoch unsere Pflicht taten, und vergeblich der Tod von zwei Millionen, die dabei starben. Je mehr ich mir in dieser Stunde über das ungeheure Ereignis klar zu werden versuchte, umso mehr brannte mir die Scham der Empörung und der Schande in die Stirn. Auf die Gnade des Feindes zu hoffen, konnten höchstens Narren fertig bringen oder Lügner und Verbrecher. In diesen Nächten wuchs mir der Haß, der Haß gegen die Urheber dieser Tat. In den Tagen darauf wurde mir auch mein Schicksal bewußt. Ich mußte nun lachen bei dem Gedanken an meine eigene Zukunft, die mir vor kurzer Zeit noch so bittere Sorgen bereitet hatte. War es nicht zum Lachen, Häuser bauen zu wollen auf solchem Grunde? Endlich wurde mir auch klar, daß doch nur eingetreten war, was ich so oft schon befürchtete, nur gefühlsmäßig nie zu glauben vermochte. Kaiser Wilhelm II. hatte als erster deutscher Kaiser den Führern des Marxismus die Hand zur Versöhnung gereicht, ohne zu ahnen, daß Schurken keine Ehre besitzen. Während sie die kaiserliche Hand noch in der ihren hielten, suchte die andere schon nach dem Dolche. Mit den Juden gibt es kein Paktieren, sondern nur das harte Entweder-Oder. Ich aber beschloß, Politiker zu werden.“

Aber auch Josef Goebbels ließ sich von Hitlers „Mein Kampf“ inspirieren und schrieb Jahre später in „Kampf um Berlin“: „Es kann hier nicht schweigend hinweggegangen werden über die feige Charakterlosigkeit, mit der die bürgerliche Presse sich bis auf den heutigen Tag widerspruchslos dem schamlosen journalistischen Treiben jüdischer Soldschreiber beugt. Die bürgerliche Presse ist sonst immer schnell bei der Hand, wenn es gilt, einem nationalen Politiker eins auszuwischen oder sogenannte Auswüchse der nationalsozialistischen Presse zu brandmarken. Der jüdische Journaille gegenüber dagegen ist sie von einer unverständlichen, geradezu verantwortungsloser Weitherzigkeit. Man fürchtet die publizistische Schärfe und Rücksichtslosigkeit der Journaille. Man hat offenbar keine Lust, sich in die Gefahrenzone hinein zu begeben. Man ist dem Juden gegenüber von einem unüberwindlichen Minderwertigkeitsgefühl erfüllt und läßt nichts unversucht, mit ihm in gutem Frieden zu leben. Wenn die bürgerliche Presse sich einmal dazu ermannt, ein milde tadelndes Wort gegen jüdische Verleumder aufzubringen, dann bedeutet das schon sehr viel. Meist verharrt sie in seriöser Ruhe und vornehmem Stillschweigen und zieht sich in die Sicherheit des Wortes zurück: Wer Schmutz anfaßt, besudelt sich.“

Das erste jüdische Blut klebte an den Händen der Nazis, als die „Reichskristallnacht“ stattfand, Synagogen brannten und jüdische Mitbürger gedemütigt und gequält wurden.

Von Rolf von Ameln

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Von am 11/11/2018. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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