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Georg Stephan und Heinrich Heines „Wintermärchen“

Ein Dichter der Romantik, der letzte vielleicht, soll Heinrich Heine gewesen sein. Zur Premiere der 31. Jüdischen Kulturtage 2018 in Berlin stellt Georg Stephan der Schauspieler, Heinrich Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“ vor.

Georg Stephan, Schauspieler. Foto: Wollmann-Fiedler

1844 schreibt Heinrich Heine in Paris diese Versepen, eine Reise von Paris über den Rhein, von Aachen über Bückeburg bis Hamburg zu seiner Mutter. Ein politisches, doch sehr poetisches Reiseepos eines stets Heimatlosen, der die Heimat sucht und nie findet, wird es. In eine wohlhabende Familie, die stark von der jüdischen Aufklärung geprägt ist, wird Harry Heine 1797 in Düsseldorf am Rhein geboren. Feinde als Jude hat er seit Geburt, Feinde als politisch Schreibender kommen hinzu. In Bonn, Göttingen und Berlin studiert er ohne Empathie Jura, Querelen gibt es hier und dort. Trotz allem verlässt er 1825 mit Doktortitel und Abschlussexamen die Universität Göttingen. Der wohlhabende Onkel in Hamburg versucht ihm zuvor in bürgerliche Berufe und Geschäfte zu bringen, doch gelingt es nicht. Heines Neigung ist die Schriftstellerei, die eine finanziell sehr schwankende Existenz bedeutet. Bis zum Tod des Onkels in Hamburg wird Heine materielle Zuwendung bekommen.

Politische Rebellionen und Lästereien werden seine Zukunft sein, Streitigkeiten gegen diesen und jenen kommen hinzu, negative Äußerungen über Professoren, Pfaffen und andere bekannte Persönlichkeiten lassen sein Leben nicht leichter werden, ebenso judenfeindliche Angriffe gegen ihn, Heinrich Heine. Er verlässt sein Judentum und wird in Heiligenstadt in Thüringen lutherisch getauft. Unstetes Hin und Her auch in der Religion, doch seine jüdische wird ihn nie loslassen. Die Namen Christian Johann Heinrich sucht er sich als Protestant aus.

1831 geht Heinrich Heine für immer nach Paris. Die Politik in Deutschland und Preußen, die Enge und Zensur verdrießen ihm sein Heimatland. 1841 heiratet er in Paris die attraktive Augustine Crescence Mirat, ein turbulentes Eheleben folgt. Bis zumTod Heinrich Heines im Jahr 1856 wird sie für ihn „Mathilde“ sein. Berühmt als Schriftsteller wird er bereits seit Beginn der 1830er Jahre, Zweimal noch reist er von Paris nach Deutschland.

Georg Stephan, der Schauspieler aus Berlin, nimmt uns mit auf Heines literarische Kutschfahrt nach Deutschland, die er schauspielerisch großartig zelebriert im Palais am Kupfergraben, vormals Palais am Festungsgraben. Der Kammerdiener Johann Gottfried Donner bekommt von König Friedrich II. von Preußen das Grundstück geschenkt und lässt sich von dem Berliner Architekten Christian Friedrich Feldmann 1751-1753 das hochherrschaftliche Palais unweit des Königlichen Schlosses bauen. Umgebaut wird das Palais in allen Epochen, Kriegszerstörung folgt, dann Wiederaufbau und Nutzung durch die Sowjetische Militäradministration, in den Jahren 1950 bis 1990 ist die Deutsch-Sowjetische Gesellschaften im Palais untergebracht, Kulturelle Veranstaltungen finden heute statt, Auf der Bühne im Kleinen Theater im Palais hat Georg Stephan im knallroten Pullover auf dem schwarzen Stuhl Platz genommen und lässt uns zusammen mit Heines ironischen Versen in der Kutsche über den Rhein fahren, Die Jüdische Gemeinde in Berlin ermöglicht diese und andere Aufführungen, Dr. Dirk Koppelberg hat wissenschaftlich beraten und Barbara Abend hilft bei der Inszenierung.

Der Schauspieler Georg Stephan studierte an der Staatlichen Bayerischen Theaterakademie „August Everding“ in München und wird Diplom-Schauspieler, in Berlin wurde Georg Stephan 1989 geboren. Aufführungen an bekannten europäischen Theaterhäuser sind in seiner Vita zu lesen. Gut inszeniert, heiter und spannend unterhält uns der Schauspieler Georg Stephan, Er lässt uns in die Seele Heinrich Heines blicken, wir spüren sein Heimweh und seine Sehnsucht nach Deutschland, ach, nein, vielleicht seine Sehnsucht nach Heimat überhaupt? Wir erfahren irgendwann von der Varusschlacht im Teutoburger Wald, auch von den Römern am Rhein, die nicht geblieben sind, weil Hermann die Schlacht gewann, usw. usw.

Heinrich Heine machte sich vor genau einhundertvierundsiebzig Jahren im November auf den Weg nach Deutschland:

H.H. Im traurigen Monat November war’s
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist ich nach Deutschland hinüber.

Und als ich an die Grenze kam,
Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen
In meiner Brust, ich glaube sogar
Die Augen begannen zu tropfen.

Interessant und ziemlich modern sind die Texte der 27 Caputs in „Deutschland. Ein Wintermärchen“. Wenn Sie mit Heinrich Heine im November reisen möchten, gehen Sie ins Theater und lassen Sie sich die Verse vom Schauspieler vorlesen. Das Zuhören ist ein Genuss an Heineschem Überdruss oder Verdruss?

Von Christel Wollmann-Fiedler

Frau Wollmann-Fiedler ist Journalistin und Fotografin und Autorin der Israel Nachrichten. Sie lebt und arbeitet in Berlin, Deutschland und in Rumänien.

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Von am 19/11/2018. Abgelegt unter Europa. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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