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Der Aufbau titelt am Freitag, den 1. September 1944: Die Bestrafung der Verbrechen an den Juden in Europa

Auf Seite vier beginnt das Exilblatt mit dem Untertitel „Ein Memorandum über die Bestrafung der Kriegsverbrecher an den Juden: Die American Jewish Conference hat ein acht Punkte umfassendes Memorandum über die Bestrafung der Kriegsverbrecher ausgearbeitet und Secretary of State Gordon Hall sowie der United Nations Commission for the Investigation of War Crimes in London vorgelegt. Die Denkschrift geht davon aus, dass die Nazi-Regierung „oftmals und nachdrücklichst die Vernichtung des jüdischen Volkes“ als eines ihrer Ziele bezeichnet und mit allen Mitteln durchzuführen sich bestrebt habe. Im Zusammenhang damit werden folgende Vorschläge unterbreitet: Die öffentlich bekundete Absicht der Achse, ihrer Verbündeten und Satelliten, das jüdische Volk zu vernichten, sei ausdrücklich zu den als strafbar bezeichneten Handlungen zu zählen, desgleichen alle damit in Zusammenhang stehenden Verbrechen, die vor und während des Krieges, im eigenen Land und den okkupierten Gebieten begangen wurden.

In allen Prozessen aus Anlass von Verbrechen an der Zivilbevölkerung, sollen die gegen Juden gerichteten Handlungen, einen eigenen Teil der Anklage bilden. Die Urheber individueller Verbrechen gegen Juden in besetzten Gebieten oder solche Handlungen, die die Vernichtung des jüdischen Volkes bezwecken, sind in nationalen Gerichtshöfen jener Länder abzuurteilen, in denen diese Verbrechen begangen wurden, gleichgültig welcher Nationalität Opfer und Angeklagte angehören. Die Aburteilungen derjenigen, die Verbrechen ind Deutschland und den mit Deutschland verbündeten Staaten begangen haben, sowie von Verbrechen, die sich nicht auf einzelne Gebiete beschränken, unterliegen einem internationalen Gerichtshof. Die Verbündeten Nationen , mögen alle, die solche Verbrechen an Juden begangen haben, als gemeine Verbrecher ansehen und die Axis-Staaten, deren Verbündete, Satelliten und andere Länder, in die die Betroffenen geflüchtet sind, zur Auslieferung veranlassen. Vertreter der einzelnen jüdischen Gemeinden sollen zur Beweisführung herangezogen und als „Freunde des Gerichtshofes“ angesehen werden. Die von den Verbündeten Nationen zur Behandlung der Kriegsverbrechen eingesetzte Kommission soll Vorschläge von Vertretern des jüdischen Volkes entgegennehmen und und diesen einen Sitz im Gerichtshof einräumen.

(Diese Vorschläge sind nie im Sinne der Opfer umgesetzt worden; – vielen Tätern gelsang die Flucht über die sogenannte „Rattenlinie“, und so mancher „gute Katholik“ wurde vom Vatikan hierbei nicht nur unterstützt, sondern begleitet. Noch in heutigen Tagen warten viele Familien auf „Gerechtigkeit“, während der Antisemitismus erneut in Europa neue Wurzeln findet. Anm.d.Verf.)

Auf der gleichen Seite findet man einen Beitrag über „Gerettete Kinder“: Vierzig jüdische Flüchtlingskinder waren von dem französischen Untergrund in Obhut genommen worden, als die Gestapo Anstalten machte, sie nach Polen zu deportieren. Heimlich wurden sie nach Annemasse an der Schweizer Grenze gebracht, um von dort in die Schweiz geschmuggelt zu werden. Kaum in Annemasse angekommen, wurden die Kinder und ihre Untergrund-Beschützer von der Gestapo verhaftet. Ein Vorschlag, die Kinder gegen den von den Marquis gefangenen deutschen Soldaten auszutauschen, wurde von den Nazis abgelehnt. Ehe jedoch die Gestapo ihre finstere Absicht durchführen konnte, wurde Annemasse von den französischen Patrioten erobert. Vertretern der jüdischen Jugendorganisationen in der Schweiz und der OSE wurde gestattet, nach Annemasse zu fahren, um die Kinder in die Schweiz zu bringen. Die Abfahrt gestaltete sich zu einer Zeremonie, vei der Vertreter der Freien Franzosen und der Bürgermeister Ansprachen hielten; unter Absingung der Marseillaise begleitete die Menge die Kinder bis zur französisch-schweizerischen Grenze..!

Weil….

Dem United Jewish Appeal gewidmet.

Weil eine Mutter jedes Kind getragen, mit ihrem Leben, ihrem Blut genährt – Weil in der großen Unschuld frühen Tagen der Keim von Schuld und Hass und Elend gärt –

Weil sie die namenlosen Tode sterben in einer Welt von Eisen, Gas und Stahl – Weil sie die Ernte unseres Fehlens erben die ihnen reift als angemessene Qual! –

Weil Mörderspruch den Glauben ihrer Ahnen, Gesetz und Sitte ein Verbrechen hieß – Und weil das krumme Kreuz auf grellen Fahnen mit Widerhaken sie zu Boden stieß –

Und weil wir atmen, fühlen – weil wir leben (die wir geschehen ließen, was geschah), drum müssen wir die Freiheit denen geben, von denen keines noch die Freiheit sah:

Kinder, die nicht das Glück der Spiele kennen, der Wiesen Weite, Vogelsang im Baum. Hell ist die Nacht, wenn ihre Häuser brennen. Bomben zerreißen ihren ersten Traum.

Sie sehen Väter, Mütter von den Horden erschlagen, und ihr Rufen klingt nicht mehr. Sie sind sehr einsam, bleich und stumm geworden. Sie fragen wenig und sie hungern sehr.

Wir haben Arbeit und Ertrag zu eigen, die wachen Stunden und der Nächte Ruh. Wir dürfen denken, reden oder schweigen. Und übers Meer die Kinder sehn uns zu.

Sie sehn uns an – nur ihre Blicke schreien. Ist jedes unsres eignen Bruders Kind. Wir müssen helfen, retten, sie befreien: weil sie ein Schicksal, eine Zukunft sind..!

Geschrieben hat dies aus dem Exil Hilde Marx. s.A. 1944 in New York.

Eine Fortsetzung folgt in der nächsten Ausgabe der Israel Nachrichten.

Von Rolf von Ameln

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Von am 10/12/2018. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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