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Zeitgeschichte in den Israel Nachrichten: Der 1. September 1939, der Tag, an dem das große Töten begann

Die „National Zeitung“, Ausgabe für Essen, titelte am 4. September 1939:
Europas Friede zerschlagen..!

Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann ein Krieg, der rasch über Ost- und Mitteleuropa hinaus Bedeutung gewann. Mit den Kriegserklärungen Frankreichs und Englands an das Nazi-Reich weitete er sich auf ganz Europa aus, zumal auch die Sowjetunion in den Krieg gegen Polen eingriff. Im geheimen Zusatzprotokoll des „Hitler-Stalin-Paktes“ vom August 1939 einigten sich das Deutsche Reich und die Sowjetunion de facto zur Aufteilung Polens. In Warschau, wo man sich seit der Kündigung des deutsch-polnischen Nichtangriffpaktes durch Berlin im Frühjahr 1939 keinen Illusionen hingab, galt es, eine Verteidigung zu organisieren.

Foto: Archiv/RvAmeln

Dies war jedoch aus mehreren Gründen eine sehr schwere Aufgabe. Einen besonderen Nachteil stellte die exponierte geographische Lage dar, denn Polen lag eingekesselt zwischen zwei Großmächten: der Sowjetunion im Osten und dem Deutschen Reich im Westen. Zu dieser ungünstigen Ausgangslage kamen noch die Schwierigkeiten in der Planung, welchen sich der polnische Generalstab aufgrund der ständigen Gebietserweiterungen des Nazi-Reiches 1938/39 gegenüber sah. Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei im März 1939 musste die polnische Führung auch die südliche Staatsgrenze verstärkt in ihr Verteidigungskonzept einbeziehen.

Zudem wusste man nicht, wie zuverlässig die Engländer und Franzosen ihrer Verpflichtung zur militärischen Unterstützung Polens nachkommen würden. Sollte diese wirkungsvoll zum Tragen kommen, musste Polen eine erfolgreiche und hinhaltende Verteidigung gelingen. Doch gerade aus militärischer Sicht war Polen quantitativ und qualitativ unterlegen, vor allem was Flugzeuge und Panzer anbetraf. Der Beginn des Überfalls auf Polen – „Fall Weiß“ – , ursprünglich für den 26. August geplant, wurde auf den 1. September 1939 verschoben. Sogenannte „Grenzzwischenfälle“ dienten den Vorbereitungen; vor allem der „Überfall“ auf den Sender Gleiwitz, der von deutschen Elitetruppen in polnischen Uniformen ausgeführt wurde und als dessen „Opfer“ zumindest ein Gestapo-Häftling in deutscher Uniform präsentiert wurden.

Als am 1. September 1939 der deutsche Panzerkreuzer „Schleswig Holstein“ – ein Schiff, das schon 1908 bei der kaiserlichen Marine in Dienst gestellt worden war – das Feuer auf das polnische Munitionsdepot auf der Westerplatte bei Danzig eröffnete, mochte das ältere Zeitgenossen an den Ersten Weltkrieg erinnern. Der Polenfeldzug war jedoch charakterisiert vom schnellen Vormarsch der mechanisierten deutschen Verbände und der entscheidenden Rolle der Luftwaffe, die bereits in den ersten Tagen die polnischen Luftstreitkräfte ausschalten konnte und somit den polnischen Luftraum komplett kontrollierte. Die Initiative lag von Beginn an bei den deutschen Streitkräften.

Trotz aller Tapferkeit konnten die polnischen Verteidiger dem deutschen Aggressor nur wenig entgegensetzen. Erzählungen vom Angriff polnischer Lanzenreiter gegen deutsche Panzer gehören jedoch in das Reich der Legende – nur bei Krojanty kam es am 1. September zu einer solchen Begegnung, als polnische Ulanen vom 18. Regiment deutsche Infanterie attackierten und deutsche Panzerspähwagen ins Gefecht eingriffen. Die polnische Verteidigung geriet schon in den ersten Tagen durch das neuartige Kampfverfahren mit weit im Hinterland operierenden Panzerverbänden, kombiniert mit starken Luftangriffen, in Bedrängnis.

Durch sein rasches Vorgehen hoffte Hitler – wie schon 1938 beim „Anschluss“ Österreichs und dann bei der Zerschlagung der Tschechoslowakei – die Westmächte vor vollendete Tatsachen zu stellen. Doch diesmal ließen sich England und Frankreich nicht düpieren. Als Hitler am 1. September 1939 den Überfall auf Polen befahl, war klar, dass der Versuch der Westmächte, durch Gesprächsbereitschaft einen Krieg in Europa zu vermeiden, gescheitert war. Am 2. September folgte ein Ultimatum an das Deutsche Reich, seine Truppen aus Polen zurückzuziehen. Als dies jedoch unbeachtet blieb, erklärten Großbritannien und Frankreich am 3. September 1939 dem „Dritten Reich“ den Krieg.

Foto: Archiv/RvAmeln

Der englische Premierminister, Sir Arthur Neville Chamberlain bildete ein „Kriegskabinett“, dem auch Sir Winston Churchill angehörte. Allerdings kam es nur zu einigen Luftangriffen, nicht aber zu einem größeren Angriff alliierter Armeen auf das Deutsche Reich; – der Krieg im Westen wurde zum „Sitzkrieg“, von den Franzosen als „drole de guerre“ – eine Karikatur des Krieges also – lächerlich gemacht. Erst am 10.Mai des Jahres 1940 begann der „Westfeldzug“, am gleichen Tag folgte Churchill Chamberlain als Premierminister. Der Krieg in Polen ging auch nach dem 3. September weiter, die polnische Armee leistete tapfer weiter Widerstand.

Am 17. September marschierten jedoch sowjetische Truppen in Ostpolen ein, unter dem Vorwand, die weißrussische sowie ukrainische Minderheit in Polen zu schützen. Damit wurde die Lage für Warschau hoffnungslos. Die polnische Regierung floh nach Rumänien, doch polnische Verbände leisteten in den großen Wald- und Sumpfgebieten, in der Festung Modlin und in der Hauptstadt noch erheblichen Widerstand. Am 25. September startete der deutsche Großangriff auf Warschau, unterstützt von 1.200 Flugzeugen der Luftflotten 1 und 4. Brandbomben verursachten intensive Rauchentwicklung, welche die Zielgenauigkeit der Luftwaffe und Artillerie weiter beeinträchtigte. Die polnische Zivilbevölkerung hatte schwerste Opfer zu beklagen, aber auch deutsche Truppen am Nordwestrand der Stadt wurden von der eigenen Luftwaffe getroffen.

Am 28. September kapitulierte Warschau. Eine Woche später, am 6. Oktober 1939, endete der Polenfeldzug bei der Stadt Kock mit der Kapitulation der restlichen polnischen Truppen in der Stärke von etwa zwei Divisionen. Polen verschwand als souveräner Staat von der politischen Landkarte und wurde zwischen den Aggressoren – entsprechend der geheimen Zusatzprotokolle des Hitler-Stalin-Paktes und des deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrages vom 28. September 1939 – im Wesentlichen entlang des Flusses Bug aufgeteilt.

Wenig später begannen die deutschen Einsatzgruppen mit der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Polen.

Auszüge aus oben genannter Zeitung folgen in der nächsten Ausgabe.

Von Rolf von Ameln

Rolf v. Ameln ist Buchautor, sowie IN-Korrespondent in Deutschland und Spezialist für Themen der Zeitgeschichte. Er schreibt seit 25 Jahren für die Israel-Nachrichten.

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Von am 27/01/2019. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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