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Was die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg über den Nationalsozialismus und Adolf Hitler dachten IV. Folge

Bis in die letzten Kriegstage im Jahre 1945 wurde an dem Eisenbahnnetz gearbeitet, der dem „Führer“ lieb und teuer gewesen sein soll. Auch dies war ein Projekt seiner „gigantischen und größenwahnsinnigen Ideen“ des Diktators, dem er „höchste Bedeutung“ beimaß. Nach fünf Jahren seiner totalitären Herrschaft hatte Hitler das „Dritte Reich“ zu einer führenden Großmacht in Europa hervorgebracht. Danach allerdings begann der das „Großdeutschland“ so erhebende Reichskanzler an zunehmender Megalomanie zu leiden; – nichts konnte ihm groß genug sein. Er war „stinksauer“ auf Mussolini, der ihn durch die „ungewollten Kriege“ auf dem Balkan und in Afrika von seinem eigentlichen Ziel, der „Eroberung der Sowjetunion“ abgehalten hatte. Die Aktionen des „Duce“ hatten Hitler überhaupt nicht gepasst, und so sah er sich praktisch gezwungen, erst mal ruck-zuck in den mediterranen Ländern aufzuräumen. Im Jahre 1941, nach schnellen Siegen über Jugoslawien und Griechenland, „folgte die Einnahme der Insel Kreta.“

Albert Speer bespricht mit Adolf Hitler (2.v.r.) auf dem Berghof Obersalzberg Pläne für das neue Opernhaus in Linz. Foto von Heinrich Hoffmann

Aber dann endlich war die Zeit gekommen, im Vollgefühl der deutschen militärischen Blitz-Erfolge den Feldzug gegen den Bolschewismus zu beginnen. In dieser Zeit kam ein Bildband auf den „Markt“, der den „Bauherren und Architekten Adolf Hitler“ mit Skizzen, Modellen und Plänen zu jenen Prestigeobjekten, die überall verstreut im ganzen Reich auf ihre Realisierungen warteten: Kongresshallen, Mammut-Brücken, Prachtstraßen, Triumphbögen, Ehrenmale und Monumental-Bahnhöfe, den „Volksgenossen“ nahe zu bringen versuchte. Erst danach folgte das eigentliche Schienennetz, das eine Unzahl von technischen Komponenten, Tabellen, Konstruktionsskizzen und Fotografien auftischte. Ausführlich berichteten die erscheinenden Tageszeitungen des Nazi-Regimes die „unbeschreiblichen Leistungen der deutschen Reichsbahn-Angehörigen inmitten eines Weltkrieges.“

Aber auch ebenso die „horrenden Schwierigkeiten“, mit denen sich das deutsche „Transportwesen“ konfrontiert sah, ganz speziell an der Ostfront, wo den Lok- und Zugführern sowie dem Begleitpersonal die Kugeln um die Ohren pfiffen. Weit gefächert waren die Einzelheiten der speziellen Pläne der Ingenieure, die Probleme und Möglichkeiten, – Punkt für Punkt präsentiert: Lokomotiven, Güterwaggons, Waggons für „Reisende“ – beispielsweise die SS -, Trassenführung, Spurweite und vieles mehr. Fachmännisch erörtert waren die Reichsbahn-Finessen beispielsweise beim Schwellenbau usw.! Doch nicht eine Silbe wurde für die in ganz Europa nach Fahrplan verkehrenden Deportationszüge verloren, mit denen die Männer der Deutschen Reichsbahn in „nie erlahmender Tüchtigkeit“ und einer „logistischen Herkulesarbeit“ während der Jahre 1941 bis 1945 eine zentrale und wahrhaft tragende Rolle bei der systematischen Ermordung der europäischen Juden spielten.

Nach 1945 zeichnete nicht ein „Reichsbahner“ Reue oder je ein Gefühl der Schuld und Verantwortung. Bekannt wurde eine gewisse Christa Schroeder -1908-1984-, welche die einzige unter den Sekretärinnen Hitlers war, die diesem ohne Unterbrechung alle zwölf Jahre seiner „Amtszeit“ an der Spitze des „Dritten Reiches“ gedient hatte. Von ihr erschien im Jahre 1949 ein Buch mit dem Titel: „Hitler privat. Erlebnisbericht einer Geheimsekretärin“. Das „Werk“ erschien ohne Angabe der Autorin. Nah ihrem Tod erschien ein neuer Aufguss unter dem Titel: „Er war mein Chef“, diesmal jedoch Autorin: Christa Schroeder.

Das Buch ist mittlerweile in der zwölften Auflage auf dem Markt, von der rechtsradikalen „National-Zeitung“ unter der Titelzeile „Wie Hitler wirklich war“, in den höchsten Tönen rezensiert: „Brillant, differenziert, lehrreich und objektiv.“

Und das Buch wurde stets mit Wertschätzung behandelt von Hitler-Biographen, die daraus ohne Vorbehalte entnehmen, was ihnen brauchbar und wichtig erscheint. Frau Schroeder war angeblich nie eine Nationalsozialistin gewesen; – wenigstens nicht im Sinne des Wortes. Sie wachte jedoch viele Jahre lang eifersüchtig darüber, dass sich auf dem Bild des „Führers“ von dessen „vielen Gesichtern“ sie schwärmte, kein Fleckchen breit machte. Nichts, was ihr nicht passte, wurde zugelassen. Es kam ihr immer auf die rechte Gesinnung an. Vor allem pflegte sie die Kontakte zu alten Parteigenossen und tauschte sich regelmäßig mit dem in die Politik gewechselten Journalisten Franz Schönhuber aus, der in seiner „Republikaner“-Partei Denkweisen des „Chefs“ renovierte.

Ein Buch wurde sehr bekannt und erschien im Jahre 2003 mit dem dreisten Titel „Hitlers Liste“; – spekulativ angelehnt an Steven Spielbergs Holocaust-Film über Oskar Schindler („Schindlers Liste“); – Untertitel „Ein Dokument persönlicher Beziehungen“. Es geht in dem „Werk“ um „Hitlers Privatleben“ oder, wie es der Autor in seinem etwas eigenwilligen Deutsch auf der ersten Seite des Vorwortes ausdrückt, um „die Frage des Verhältnis Hitlers zu den Frauen im Sinne einer zwischenmenschlichen Beziehung“. Die folgenden 600 Seiten orientieren sich an einer Liste, auf der Hitler jene Frauen verzeichnen ließ, die er zu Weihnachten mit ausgesuchten Gaben zu beschenken pflegte.

Es findet sich eine Überfülle von akribisch ausgesuchten Details aus dem Leben des Diktators und der Menschen, die ihm wirklich nahe standen. Liest man dieses Werk, so erkennt man in der Tiefe das Gesicht eines Mannes, das einem bekannt vorkommt; – dazu eine nicht mehr wegzudenkende Erkenntnis: „Der Führer“ lebt – auch wenn er tot ist, in den Köpfen vieler Deutscher weiter.

Von Rolf von Ameln

Rolf v. Ameln ist Buchautor, sowie IN-Korrespondent in Deutschland und Spezialist für Themen der Zeitgeschichte. Er schreibt seit 25 Jahren für die Israel-Nachrichten.

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Von am 11/04/2019. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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