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Ehemalige Waffen-SS-Angehörige sprechen auf Neo-Nazi-Treffen

Ehemalige Mitglieder der Waffen-SS nehmen an Treffen von Rechtsextremisten teil, um über ihre Kriegserfahrungen zu sprechen, heißt es in einem neuen Geheimdienstbericht.

Aus dem vertraulichen Bericht des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz (Bundessicherheitsbehörde) ging hervor, dass allein 2018 in Deutschland rund 60 derartige Treffen stattfanden.

Zu ihren Sponsoren gehören Gruppen wie die Neonazi-Partei „Der Dritte Weg“.

Obwohl der Bericht vertraulich ist, wurde über seinen Inhalt im deutschen Wochenmagazin Focus berichtet.

Nach Angaben des deutschen Geheimdienstes gewinnen diese Treffen, bei denen ehemalige Nationalsozialisten über ihre Zeit in der Hitlerjugend und der Waffen-SS, oder über die Inhaftierung in sowjetischen Kriegsgefangenenlagern sprechen, in der deutschen rechtsextremen Szene an Bedeutung.

Dies gilt insbesondere für die ehemalige DDR – auch in Chemnitz, einem Schwerpunkt der rechtsextremen Aktivitäten in Deutschland der letzten Jahre. Im August 2018 jagten Mobs, die „Ausländer Raus!“ riefen, Einwanderer durch die Straßen, zerstörten ein koscheres Restaurant und schlugen seinen Besitzer zusammen.

Viele dieser ehemaligen Waffen-SS-Mitglieder sind jetzt in den Neunzigern und nur etwa ein halbes Dutzend von ihnen fungieren als Zeitzeugen. Trotzdem ist der deutsche Geheimdienst besorgt über deren Auftreten vor den jüngeren Neonazis, die oftmals im Alter ihrer Enkel sind.

Wie der Bericht umreißt, wird seitens der Behörde befürchtet, dass diese Gespräche ein Einstieg in die Szene für diejenigen darstellen, die sich für Rechtsextreme interessieren, und, obwohl sie noch keine Neonazis sind, durch die Aussagen der ehemaligen Waffen-SS-Mitglieder möglicherweise radikalisiert werden.

Diese Treffen legitimieren die Erzählungen ehemaliger Nazis, verherrlichen die Taten der Wehrmacht und SS-Verbände und präsentieren ihre Aktionen als Abwehrmaßnahme gegen äußere Aggressionen.

Richard Neubrech, ehemals Mitglied der 3. Panzerdivision „Totenkopf“, spricht regelmäßig vor Jugendlichen Neo-Nazis. Foto: YouTube

Sie übermitteln diese verzerrte Erzählung auch von einer Generation zur nächsten. Beispiele für solche im Bericht genannten „Zeugen“ sind Klaus Grotjahn (91), ehemaliges Mitglied der 11. SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division „Nordland“ und Richard Neubrech (92), der früher der 3. SS-Panzer-Division „Totenkopf“ angehörte, die an der Niederschlagung des Aufstands im Warschauer Ghetto im April und Mai 1943 beteiligt war.

Anfang des Jahres stellte der deutsche Sender NDR einen weiteren „Zeitzeugen“ mit dem Namen Paul P. vor, der sich 1944 freiwillig zur Waffen-SS meldete und Dienst in einem Konzentrationslager absolvierte.

Er soll stolz auf seine Dienste sein und zeigt weiterhin seine Kriegsmedaillen in seinem Haus. Paul P. sagte dem NDR, er habe als Wachmann für Häftlinge in einem Konzentrationslager gedient. Er spricht regelmäßig auf Treffen von Rechtsextremisten, nicht nur in Chemnitz und Dresden, sondern auch in der Schweiz und in Ungarn und hielt allein 15 Vorträge im Jahr 2018.

Über Karl Münter, Mitglied der 12. SS-Panzerdivision „Hitlerjugend“, wurde in einer Dokumentation der ARD berichtet, dass er in rechtsextremen Kreisen wegen seiner Kriegsaktivitäten als „Held“ bezeichnet wird.

Seine Abteilung war verantwortlich für Repressalien in Frankreich in den Jahren 1944 und 1945, einschließlich des Massakers von Ascq, bei dem 86 Zivilisten zusammengetrieben und ermordet wurden.

Zuletzt habe Münter im November 2018 bei einer rechtsextremen Versammlung im Bundesland Thüringen gesprochen.

In Co-Operation mit The Jewish Chronicle

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Von am 05/07/2019. Abgelegt unter Europa. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.

Ein Kommentar zu: Ehemalige Waffen-SS-Angehörige sprechen auf Neo-Nazi-Treffen

  1. Gerhard Werner Schlicke

    05/07/2019 at 18:12

    Es ist unfassbar, dass Mitgliedern dieser Mörder-Organisation trotz aller Lippenbekenntnisse und einschlägiger Gesetze eine Bühne geboten und die dafür Zuständigen nichts unternommen haben.
    Das ist noch posthum ein Schlag ins Gesicht der Opfer der Shoah. Und da fragen noch deutsche und europäische Politiker, warum der Antisemitismus zu statt abnimmt.

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