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20 Jahre Kunst- und Kongresshaus Luzern

Kaum zu glauben, dass es schon etwas mehr als 20 Jahre her ist, seit der aussergewöhnliche Bau des „KKL“ Luzern eröffnet wurde. (Die IN berichtete seinerzeit darüber.)

Auf einer Jubiläums-Feier wurde von diversen Rednern hervorgehoben, dass es damals, als das Haus geplant wurde, ein mutiger Schritt war, sich für einen so teuren Bau zu entscheiden. Man konnte ja nicht wissen, ob dem Projekt Erfolg beschieden sein würde. Die Luzerner Bevölkerung stimmte dazumal dem Bau des gross-dimensionierten Hauses zu. Das am See liegende Gebäude mit dem markanten Dach – das allein so gross ist wie zwei Fussballfelder – wurde von einem der bedeutendsten heutigen Architekten, Jean Nouvel, gestaltet. Der Bau bietet nicht nur Raum für Kunst – so ist z.B. das Kunstmuseum darin untergebracht – sondern ist selbst Kunst. Seltsamerweise von den Festrednern unerwähnt blieb der wichtige Beitrag des unterdessen verstorbenen Russel Johnson. Der international bekannte Fachmann für Akustik gestaltete den grossen Konzertsaal so perfekt, dass er heute weltweit als einer der akustisch besten Konzertsäle gilt.

Das konnte man nach einem Apero und den Ansprachen in einem Extra-Konzert selber erleben.

Eigentlich hätte Hélène Grimaud als Solistin des 1. Klavierkonzerts von Johannes Brahms auftreten sollen, musste aber aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen. Stattdessen spielte der auch in Israel durch viele Auftritte bestens bekannte Rudolf Buchbinder. An bestechender Virtuosität fehlt es dem bestandenen Pianisten natürlich nicht, er meistert jede noch so anspruchsvolle Passage mit Elan und Feinfühligkeit. Ich persönlich hatte mich auf das spezielle Charisma von Hélène Grimaud gefreut – ihr grosses Können ist gepaart mit einer aussergewöhnlichen Ausstrahlung. Das Luzerner Sinfonie-Orchester spielte zusammen mit Musikern des Lucerne Festival Orchesters unter der Leitung von Riccardo Chailly, der nach dem Tod von Claudio Abbado zum neuen Chef des Festival Orchesters ernannt wurde. Die Ouverture zu Wagner’s weniger bekannten Oper „Rienzi“ bildete den Auftakt und Dvorak’s 7. Sinfonie den Schluss dieses genussvollen Sonderkonzerts. Gefeiert wurde dabei der 20jährige Erfolg des mutigen Projekts KKL Luzern. Neben dem Kunstmuseum profitieren vor allem das Luzerner Sinfonie-Orchester und das jährliche Lucerne Festival von dem imposanten Bau mit mehreren Veranstaltungs-Räumen.

Kindheit
Mit dem 20jährigen Bestehen des KKL ist sozusagen die „Kindheit“ des Hauses zu Ende gegangen. Das war – wohl ohne Zusammenhang – das Thema des letzten Lucerne Festivals. Nebst den jährlichen Osterkonzerten und dem Piano-Festival im Herbst finden während eines Monats rund 100 Veranstaltungen und Konzerte mit einem jährlich wechselnden Thema statt.

Die Kindheit zum Klingen gebracht haben zahlreiche Komponisten in verschiedensten Arten. Da gibt es Märchen-Ballette wie der „Nussknacker“ von Tschaikowsky, der „Feuervogel“ von Strawinsky oder „Cinderella“ von Prokofjew. Die „Jeux d’Enfants“ von Bizet sind ebenso bekannt wie der „Karneval der Tiere“ von Saint-Saens oder die Geschichte von „Peter und der Wolf“. Als Erzählerin in dem bekannten Stück von Prokofjew fungierte ein junges Mädchen, Anuk Steffen, das in einer Neuverfilmung das „Heidi“ spielte. Im selben Konzert erklang auch die Musik des wohl bekanntesten Wunderkindes: die erste Sinfonie, die Mozart im Alter von nur 8 Jahren komponiert hatte. Rossini’s „Cenerentola“ (Aschenputtel) – halbszenisch aufgeführt u.a. von Cecilia Bartoli – durfte ebenso wenig fehlen wie eine Ballett-Musik von Richard Strauss mit dem Namen „Schlagobers“, in der es um einen Kindheits-Traum geht, einmal nach Lust zu schlemmen.

Kunst- und Kongresshaus Luzern, Schweiz.

Viele Werke wurden nicht nur von heutigen Wunderkindern bestritten, sondern eine grosse Anzahl der Veranstaltungen wurden kindergerecht durchgeführt. So gab es Orchestercamps für Kinder und Jugendliche, sogenannte „Kissen-Konzerte“ für die Kleinsten mit ihren Eltern, ein „Instrumenten-Parcours“ für Kinder und „Petruschka“ als Figuren-Theater in den Sand gezeichnet, für Kinder ab 5 Jahren. Musikgruppen aus aller Welt spielten gratis in den Strassen und auf den Plätzen der Stadt. Auch Charlie Chaplin’s Film „The Kid“ – mit Live-Musik gespielt – fehlte nicht im grossen Reigen der kreativen Ideen, von denen hier nur ein kleinster Teil genannt werden kann.

Natürlich fanden auch zahlreiche herrliche „normale“ Konzerte für Erwachsene statt. So begeisterte mich z.B. ein „Russisches“ Konzert mit den St. Petersburger Philharmonikern unter der Leitung des über 80jährigen Yuri Temirkanov, in dem Sergeij Redkin Rachmaninows’s 2. Klavierkonzert eloquent und sehr berührend spielte. Dann gab es in den Programm-Heften interessante Beiträge zu den jeweiligen Werken oder Komponisten, die eine Verbindung zum Thema herstellten. So z.B. über die frühen Jahre des kleinen Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, der „ein Kind wie aus Porzellan“ gewesen sei.

Diesmal müssen selbst so berühmte Künstler wie Yuja Wang, Yefim Bronfman, Gidon Kremer, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Daniel Barenboim, Omer Meir Wellber, Patricia Kopatschinskaja, „Artiste Etoile“ Sol Gabetta und selbst Lang-Lang (von denen viele ja auch schon im jungen Alter brillierten) bei der Berichterstattung zurückstehen vor den kinder-gerechten Veranstaltungen. Denn auch Erwachsene können das tun, was für Kinder und ihre musik-interessierte Zukunft so wichtig ist: einfach Freude haben an dem, was so wunder-schönes erklingt und in der Seele so vieles von früher und jetzt zum Klingen bringt.

Von Ruth Bloch

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Von am 12/08/2019. Abgelegt unter Veranstaltungen. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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