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Aus der Geschichte der militärischen Luftfahrt: Die Geschichte des Phantom-Jägers

Obgleich die Nase dieses Flugzeuges einige Male verändert wurde, blieb es während der gesamten Produktion der über 5.000 Maschinen bei der grundlegenden Konstruktion: Zu Beginn war die Angelegenheit selbst für den Chefentwicklungsingenieur Herman Barkey noch nicht klar. Im August 1954 erhielt Barkey – eher ein Unbekannter auf dem Gebiet der Konstruktion von Kampfflugzeugen – im Gefolge einer Anfrage der US-Marine den Auftrag, für die von James McDonnel gegründete bescheidene „St. Louis Aeroplane Company“ einen neuen Entwurf auszuarbeiten.

McDonnell F-4 Phantom II (Wikipedia)

Diese Firma war zu jener Zeit fast unbekannt, allein die klangvollen Namen ihrer Flugzeuge – Banshee, Voodoo oder Demon – hatten für ein wenig Aufmerksamkeit gesorgt. Obwohl die Demon beispielsweise – einsitzig, mit nur einem Triebwerk ausgestattet und für den Unterschallbreich konstruiert – keine besonders glanzvolle Karriere machte, hat die Phantom ihr mehr zu verdanken als gemeinhin angenommen wurde. Durch Verwendung eines eingeschnürten Rumpfes, der den Luftstrom für den Überschallflug optimieren sollte, schuf das Team um Barkey die F3H-G, später dann die F3H-H. Die Entscheidung, das Konzept des glücklosen Vorgängers in die neue Konstruktion einfließen zu lassen, war nicht nur riskant, sondern machten das Projekt auch noch unpopulär.

LTJG Charles Sylvester von der VF-161 Fighter Squadron an Bord der USS Oriskany hielt im Jahre 1955 in seinen Aufzeichnungen fest: „Wenn irgendein Pilot der Marine mir gesagt hätte, dass das wichtigste Flugzeug unserer Zeit im Prinzip auf der Konstruktion der Demon beruht, hätte ich ihn wahrscheinlich für verrückt erklärt. Die Demon war ein Tier. Sie hatte einfach nicht genug Schub. Der Schleudersitz war schlichtweg unzuverlässig. Der Treibsatz hatte die Eigenart, oft nicht vollständig abzubrennen, und wir alle litten unter der Version, einmal wie ein Stein zu Boden zu fallen. Die Sicht aus dem Cockpit für das Rollen und Starten war schlicht eine Frechheit. Man hatte gerade die Dampfkatapulte auf unseren Flugzeugträgern eingeführt, und es war ein höllisches Gefühl, eingehakt zu werden, bereit zum Abschuss in den Himmel, mit nichts im Sichtbereich als die Nase des eigenen Flugzeugs, die sich wie ein Berg vor einem auftürmte.“

Eine rigorose Nachprüfung des „Chiefs of Naval Operations“ (CNO) ließ so manchen Planer der Navy daran zweifeln, ob jemals eine Phantom, in welcher Form auch immer, geben würde. Die Ingenieure Barkeys hofften, ihre Konstruktion mit zwei J79-GE-2- Triebwerken, – mit jeweils 7.324kp Schub -, ausrüsten zu können. Das mittlerweile AH-1 genannte und zum Luft-Boden-Einsatz vorgesehene Flugzeug sollte neben vier 20-mm-Kanonen eine so große Waffenlast tragen, dass es fast automatisch zu schwer für Überschallflüge geworden wäre. Bei der US-Marine gab es zwei unterschiedliche Meinungen darüber, ob ein Kampfflugzeug dieser Klasse ein- oder zweisitzig sein sollte.

McDonnell suchte nicht nur nach alternativen Antriebsmöglichkeiten, sondern arbeitete auch an einer zweiten Konstruktion, die anstelle eines zweiten Cockpits für den „Radar Observer“, einen zusätzlichen Tank für ca. 580 Liter Treibstoff vorsah. Als die US-Marine am 25. Juli 1955 entschieden hatte, dass man anstelle eines Jagdbombers einen wassergestützen Abfangjäger benötigte, setzte sich die Variante mit zwei Sitzen durch. Auf die Bewaffnung mit Bordkanonen wurde wegen des hohen Gewichtes verzichtet, weil „Waffenexperten“ die Meinung vertraten, dass Abfangjäger keine Kanonen mehr benötigten.

Erste Versuche mit vom Radar gelenkten und Hitze suchenden Luft-Luft-Raketen deuteten jedenfalls auch in diese Richtung. Fortschritte auf dem Gebiet der Radartechnik ließen erwarten, Angreifer bereits auf große Entfernungen zu orten und abschießen zu können, ohne sie erst auf eine für Bordkanonen angemessene Entfernung herankommen zu lassen. Im Kriegseinsatz bei Hanoi stand die Phantom Flugzeugen wie der MIG-17 und der MIG-21 gegenüber, und zwar mit Waffen, die niemals für den Einsatz gegen Jäger bebaut worden waren. Dieses Manko traf selbst noch zu damaligen Zeiten für die F-15 und F-16 zu.

Major General Gordon Graham, F-4-Pilot un „Vice Commander“ der 7th Air Force in Saigon schrieb im Jahre 1968: „Die Marine hat uns, also der US Air Force, mit der Entwicklung der Phantom einen großen Gefallen getan. Wir konnten diese Entwicklung ohne große Änderungen übernehmen. Bei der Beurteilung der Bewaffnung eines Abfangjägers gehen unsere Meinungen aber weit auseinander. Die Phantom wurde Mitte der 50er Jahre konstruiert, und selbst in der Mitte der 90er Jahre werden wir noch keine Air-to-Air-Missile haben, mit der man gegen andere Abfangjäger antreten kann. In einer Zeit, in der die Beweglichkeit der Flugzeuge unter hohen Beschleunigungskräften immer bedeutender wird, vernachlässigen wir die Entwicklung einer Waffe, mit der man schließlich selbst einen Abschuss erzielt.“

Das Flugzeug selbst und sein Radar waren hervorragend, nur die Bewaffnung war nie optimal. Viele Jagdmaschinen dieser Zeit hatten ein nach oben versetztes Höhenleitwerk. Im Gegensatz zur Phantom war es problematisch, diese Maschinen mit hohem Anstellwinkel zu fliegen. Die vorne liegenden Teile des Flugzeugs verhinderten, dass ein wirksamer Luftstrom das Höhenleitwerk erreichte, was zu einer extremen Instabilität führte. Dieses Problem gab es bei der Phantom nicht, aber das Höhenleitwerk musste nach unter gerichtet werden, um eine Beeinflussung durch die vom Tragflügel kommende Strömung zu verhindern. Abgesehen von der Trimmeinrichtung arbeitete das Höhenleitwerk bei der Phantom als eine funktionierende Einheit.

Der Anfang der 1960-er-Jahre bei allen amerikanischen Teilstreitkräften in Dienst gestellten Phantom stand dennoch eine große Zukunft bevor. Und so manch eine der Maschinen fliegt noch heute; – wenn auch nicht unbedingt im Kampfeinsatz, sondern zur Schulung.

Von Rolf von Ameln

Rolf v. Ameln ist Buchautor, sowie IN-Korrespondent in Deutschland und Spezialist für Themen der Zeitgeschichte. Er schreibt seit 25 Jahren für die Israel-Nachrichten.

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Von am 27/10/2019. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.

Ein Kommentar zu: Aus der Geschichte der militärischen Luftfahrt: Die Geschichte des Phantom-Jägers

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