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Verdi’s „Nabucco“ an Jerusalems alter Stadtmauer

Es ist immer etwas Spezielles, eine Opern-Aufführung im antiken „Sultan’s Pool“ in Jerusalem zu erleben. Man sitzt im Freien, zu Füssen der imposanten, hell beleuchteten Altstadt-Mauer und ihrer Tore, die aus der Frosch-Perspektive vom Tal aus noch imposanter wirken.

Das Erlebnis ist besonders intensiv, wenn es sich dabei um die berühmte Oper „Nabucco“ von Giuseppe Verdi handelt, spielt doch ein Teil des Geschehens in Jerusalem und handelt von der Zerstörung des Tempels. Nun kehrt König Nebukadnezar rund 2500 Jahre nach diesem Ereignis auf die (Welt-) Bühne nach Jerusalem zurück, gefördert u.a. von der „Jerusalem Foundation“. Das bekannteste Stück der Oper ist der berühmte „Gefangenen-Chor“, in dem die ins Exil nach Babylon gesandten Juden an den Ufern des Euphrats sitzen und ihre Sehnsucht nach Zion besingen. Die Musik ist durch das ganze Werk hindurch voller Kraft und hoch-spannend. Wenn es einen fröstelte während der packenden Aufführung war es nicht nur, weil man zwei Stunden im Freien sass, sondern auch wegen der geschichtsträchtigen Umgebung, die in der eindrücklich dargebotenen Oper widerspiegelt wird.

Die Zuschauer in der Arena von Verona applaudieren meist solange, bis der „Gefangenen-Chor“ wiederholt wird. In Jerusalem erhielt man diese Zugabe ohne viel Dazutun. Dem wahrscheinlich nicht nur aus Opern-Fans bestehenden Publikum schien es zu gefallen, auch wenn der Applaus während und nach der Vorstellung nur mässig war. Dabei verdient diese Aufführung sehr viel Lob. Das Bühnenbild von Niv Manor war zwar schlicht, aber eindrucksvoll und für verschiedenste Szenen mit wenigen Aenderungen und Beleuchtungen und eingeblendeten Video-Bildern wandelbar. Es war ja nur für diese einzige – vollständig ausverkaufte – Vorstellung konzipiert, die natürlich noch weitere Sponsoren haben musste. Denn auch der Aufwand für eine stimmige Akkustik ist Riesengroß, insbesondere als der rege Verkehr rundherum nicht eingestellt wird. Und die vielen Hundert Sitzplätze wurden auch nur für einen Abend extra aufgebaut. Die Sänger, zum Teil Mitglieder der Israelischen Oper und zum Teil aus dem Ausland, agierten unter der Regie von Gadi Schechter eindrücklich. Die Darbietung von Ionut Pascu als Nabucco, Ira Bertman als Abigail und Shay Bloch als Fenena gingen „unter die Haut“. Auch die anderen Mitglieder des Ensembles – wundervoll und ausdrucksstark begleitet vom Jerusalem Sinfonie-Orchester – trugen zum erhabenen Erlebnis dieser unvergesslichen „Nabucco“-Aufführung bei.

„Simon Boccanegra“ im Opernhaus

Aber auch „zu Hause“, im wunderschönen Bau in Tel Aviv vermag die Israeli Opera zu überzeugen und zu begeistern. So war dort zum Abschluss der diesjährigen erfolgreichen und erfreulichen Spielzeit eine andere Verdi-Oper zu sehen: „Simon Boccanegra“. Eher selten gespielt, hat das Stück in der ergreifenden Inszenierung von David Pountney die Zuhörer in den Bann gezogen. Der bekannte Regisseur – der viele Jahre Intendant der Bregenzer Festspiele war – hat schon einige Male in Israel inszeniert. In seiner Heimat England wurde er vor kurzem zum Sir geadelt.

Die Geschichte um den früheren Piraten und Freiheits-Kämpfer, der zum Dogen von Genua gewählt wird, und der nach 25 Jahren die gemeinsame Tochter mit seiner unterdessen verstorbenen Geliebten wieder findet, bot Verdi Stoff für starke Chor-Szenen, herrliche Arien und berührende Duette. Die gradlinige Inszenierung in einem zeitlosen, stimmigen Bühnenbild, erlaubte es den erstklassigen Sängern aus Israel, Italien und anderen Ländern, sich auf die Darstellung der Charaktere und ihre Gesangskunst zu konzentrieren. Fühlbar sprang der „Funke“ auf das gebannte Publikum über. Sir David Pountney’s Aufführungen verleihen nie das Gefühl, dass der Regisseur in einen „Aktionismus“ verfällt, weil er nichts mit dem „alten“ Inhalt der Oper anzufangen weiss, wie das leider heute bei vielen seiner Berufkollegen vorkommt. Seine Inszenierungen haben eine klare, durchgängige Linie. Diese historische Oper bietet eine aktuelle Vorlage für zerstrittene Völker und Volksgruppen, die zu-Frieden zueinander finden, „verpackt“ in wunderbare Musik.

Verdi at it’s best – Israeli Opera at it’s best!

Von Ruth Bloch

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Von am 10/11/2019. Abgelegt unter Veranstaltungen. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Sie knnen eine Antwort oder einen Trackback zu diesem Eintrag hinterlassen

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