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Propagandakompanien: Was aus manchem nach dem Krieg wurde und die russische Front-Illustrierte

Für die Propagandakompanien benutzte Großmaul Goebbels die Abkürzung „PK“. Das war eine im Jahre 1938 eingerichtete Truppengattung der „Großdeutschen Wehrmacht“ und der Waffen-SS, die den Auftrag hatte, das Militär und die Bevölkerung im „Dritten Reich“, aber auch äußere Gegner des Nazi-Regimes in dessen Geist und und Interesse zu beeinflussen. Im harten Winter 1941/42 waren die fünf Propagandakompanien noch den Nachrichtentruppen zugeteilt. Es zeigte die zunehmende Bedeutung der Propaganda für das Regime der Nazis, dass sie im Oktober 1942 den Status einer eigenständigen Truppengattung – Kennungsfarbe: Lichtgrau – erhielten.

Ärmelband der Propagandakompanien. Foto: Archiv

Zusammen kamen die „PK“ auf eine Stärke von knapp 15.000 Mann, die bis Ende des Zweiten Weltkrieges bis zu 80.000 Wortbeiträge und zwei Millionen Fotos produzierten. Die Verluste der lichtgrauen Truppengattung waren vergleichsweise gering. Bis zur bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai 1945 hat nur jeder fünfzehnte Kriegsberichterstatter sein Leben im Dienst des Nazi-Regimes gelassen. Etliche maßgebliche Medienleute der Bundesrepublik Deutschland, Journalisten, (Dreh-)Buchautoren, Verleger, Werbemanager, Demoskopen, Rundfunkintendanten, haben als Angehörige der Propagandakompanien und Kriegsberichterstatter dem Regime der Nazis gedient, so auch Henri Nannen (1913 bis 1996) für den „Stern“, Peter von Zahn (1913 bis 2001) für die „Windrose“, Lothar-Günther Buchheim (1918 bis 2007), „Das Boot“, C.W. Ceram/Kurt W. Marek (1915 bis1972), „Götter, Gräber und Gelehrte“, Herbert Reinecker (1914 bis 2007), „Derrick“, Ernst Rowohlt (1887 bis 1960, Hans Schwarz van Berg (1902 bis 1972), „Ilja Rogoff“, Karl-Georg von Stackelberg (1913 bis 1980) „EMNID“, oder Karl Holzamer (1906 bis 2007) für das Zweite Deutsche Fernsehen, „ZDF“.

Von 1952 bis 1966 erschien in Hamburg in unregelmäßigen Abständen ein Mitteilungsorgan für die früheren Angehörigen der Propagandakompanien mit dem Namen „Die Wildente“, das vom Ex-Kriegsberichterstatter, Mitglied der SA, SS und NSDAP Günther Heysing, – Jahrgang 1911 -, herausgegeben wurde. Heysing hat außerdem lange für den Bundes-Nachrichten-Dienst, „BND“, unter dem „Decknamen Hecht, Nummer 12619“ gearbeitet und stets intensiv das Ziel verfolgt, angebliche Zeitungsenten über die Verstrickung der Wehrmacht und ihrer Propagandatruppen in die Nazi-Verbrechen aus der Welt zu schaffen. Dem gleichen Zweck diente ein mit Zitaten aus der „Wildente“ angereichertes, im Jahre 1962 in der Reihe der Scharnhorst Buchkameradschaft „Die Wehrmacht im Kampf“ herausgekommene Buch „Die Propagandatruppen“ des Generalmajors a.D. Hasso von Wedel, vordem Leiter der Amtsgruppe Wehrmachtspropaganda beim Oberkommando der Wehrmacht und in dieser Funktion Chef der Propagandakompanien.

Viel zu rasch wurden die meisten, – die nie Nazis waren – entnazifiziert und kehrten in ihre alten Berufe bzw. höheren Stellungen zurück, rückten auf und wurden so bestimmende Personen des öffentlichen Lebens.

„Front-Illustrierte“: Birkenkreuze ohne Zahl im Osten; – ein Eisernes Kreuz als Mutters letzte Erinnerung. Foto: Archiv/RvAmeln

Dann gab es zum Beispiel noch die „Front-Illustrierte“: Dass die optisch beeindruckende „Front-Illustrierte“, die der sowjetische Gegner während der ganzen Kriegszeit an deutsche Soldaten verteilte, schon im September 1941 behauptete, die deutsche Armee habe drei Millionen Opfer alleine an der „Ostfront“ zu beklagen, war dagegen eine Lüge der russischen Propaganda, die möglicherweise mehr zum Durchhaltewillen als zur angezielten Fahnenflucht deutscher Soldaten beigetragen hat. Auf etwas über drei Millionen beliefen sich die militärischen Verluste der Deutschen an allen Fronten im Zweiten Weltkrieg. Der deutsche Überfall hat von den Russen einen ungleich höheren Blutzoll gefordert, nämlich an die 13 bis 14 Millionen (!) tote Soldaten.

Angesichts der zunehmenden Unglaubwürdigkeit von Siegesmeldungen änderte der „Minister der Volksaufklärung und Propaganda“ nun die Strategie. Am 7. Dezember 1941 teilte Gobbels der deutschen Presse wie immer vertraulich mit: „Die bisherige Propaganda hat den grundlegenden Fehler gemacht, daß sie das deutsche Volk durch Fernhaltung jeder unangenehmen Nachrichten überempfindlich für etwaige vorübergehende Rückschläge gemacht hat. Die Bevölkerung selbst weiß im allgemeinen mehr über die Gesamtlage, als sich lediglich aus der Presse ergibt, und sie verträgt und verlangt, daß man ihr auch unangenehme Wahrheiten mitteilt. Churchill hat es richtig gemacht als er kurz nach Beginn des Krieges den Engländern Blut, Schweiß und Tränen in Aussicht stellte.

Die deutsche Propaganda, die selbstverständlich den berechtigten Optimismus hinsichtlich des Kriegsausgangs immer zu ihrer Grundhaltung machen muß, soll in allen ihren Zweigen in Zukunft mehr realistisch gehalten sein.“

Großmaul Goebbels wusste: Wenn Propaganda wirksam sein soll, darf sie sich bei allem Beschönigen und Lügen nicht zu weit von den Erfahrungen ihrer Adressaten entfernen. Das gilt für Massenkommunikation überhaupt: „Damals und heute.“

Von Rolf von Ameln

Rolf v. Ameln ist Buchautor, sowie IN-Korrespondent in Deutschland und Spezialist für Themen der Zeitgeschichte. Er schreibt seit 25 Jahren für die Israel-Nachrichten.

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Von am 24/02/2020. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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