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Adolf Hitler: Seine Notizen und sein unbändiger Antisemitismus der ein Volk in den Tod führen sollte III. Teil

Die Notizen, die Adolf Hitler zwischen den Jahren 1921 und 1923 zu Papier brachte, ließen keinen Zweifel daran, was er mit Äußerungen wie „Deutschland wehre Dich“, „Deutschland wird durch uns frei“, „Abrechnung mit der Brut der Verderber“, „Todesstrafe“ und „aufhängen“ meinte, aber zur Zeit der Formulierung dieser Stichwörter stand der Hass gegen die Juden noch für sich allein. Noch hatte dieser Jahrhundert-Mörder nicht seine spezifische Lebensraum-Theorie entwickelt und seinen unbändigen Antisemitismus mit dem Krieg als notwendigen Raubkrieg verbunden und zu den tragenden Maximen und Forderungen erhoben, wie es in seinem Hasswerk „Mein Kampf“ der Fall war.

N o c h forderte er die „Schaffung eines sozialen Staates“ und die „Lösung der Judenfrage“ und machte dies zum entscheidenden Anliegen einer nationalsozialistischen Zukunft. Wenn er zum Beispiel den Krieg behandelte, beschwor er ihn und seine Folgen nur herauf, um „den Juden“ vorwerfen zu können, während des Ersten Weltkrieges das deutsche Volk durch Teuerungen zielstrebig ausgehungert und um seine Substanz für den Kampf um das Dasein gebracht zu haben. Zunächst sollten die Juden „nur“ in ihrer beruflichen und vermögensmäßigen Bewegungsfreiheit behindert, aus Deutschland ausgewiesen und in bestimmten Fällen als „Wucherer, Schieber oder Rädelsführer“ mit dem Tode bestraft werden.

Adolf Hitler, der in der Nacht vom 3. zum 4. Februar des Jahres 1942 im Kreise „alter Kämpfer“ gestand, dass er erst während seiner Haft von Ende 1923 bis Ende 1924 die nötige Zeit gefunden habe, sich „über verschiedene Begriffe klar zu werden“, ist ganz offensichtlich schon in Landsberg am Lech weitestgehend zu der Überzeugung gelangt, dass die von ihm als „notwendig“ geforderte gewaltsame Erweiterung des Lebensraumes ohne gleichzeitig konsequente Ausrottung auch der Juden im Reich und in den zu erobernden Territorien nicht zu den gewünschten Erfolgen führen könne. Dass im Rahmen der von ihm dann als „Führer und Reichskanzler“ praktizierten Politik schließlich mit den entscheidenden Kriegserklärungen von 1939 – Polen – und 1941 – Sowjetrussland – Vernichtungsbefehle verknüpft waren, erscheint nicht nur im Spiegel der Dokumente als eine der wesentlichen Konsequenzen, für die Hitler spätestens seit der Haft in Landsberg leben zu müssen glaubte.

Während er bis zum Jahre 1923 die Juden „nur“ beschuldigte, die Urheber des Ersten Weltkrieges und der deutschen Niederlage von 1918 mit all ihren Folgen auch außerhalb des Deutschen Reiches zu sein, bedauerte er in „Mein Kampf“ bereits, dass zu Beginn und während des Ersten Weltkrieges versäumt worden sei, „zwölf- oder fünfzehntausend hebräischer Volksverderber unter Giftgas“ zu halten. Und am 30. Januar 1939, sechs Jahre nach seiner „Machtergreifung“, sieben Monate vor dem Überfall auf Polen, folgerte er konsequent: „Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergebnis nicht der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa.“

Durch einen „Federstrich“ ohne Gesetz, ließ er mit dem Polenfeldzug die Euthanasie, eine Vernichtungsaktion großen Ausmaßes, auslösen und 1941 schließlich, mit dem von ihm für den weitaus größten Teil der Öffentlichkeit überraschend begonnenen „Russland-Feldzug“, die Ausrottung von 30 Millionen Menschen, vor allem von Juden und Slawen, unter dem Schirm des „siegreich vordringenden Ostheeres“ zum Zwecke der Raumbeschaffung für Deutsche vorbereiten. Wie unfertig und lückenhaft bis zum Jahre 1924 Adolf Hitlers Weltanschauung war, in deren Mittelpunkt später in kontinuierlicher und ursächlicher Verknüpfung Kampf, Raubkrieg, Ausrottung „Minderwertiger“ und der rassenideologische Antisemitismus standen, zeigen auch seine Notizen für eine Rede über „Arbeiter und Friedensverträge“.

Hitler fragt, ob eine „Vermehrung des Volkes“ zugleich auch eine „Vermehrung des Bodens“ nach sich ziehe und antwortet mit „Nein“. Ebenso verneint er „eine ewige Steigerung der Bodenerträgnisse“ und sieht als alternative Lösung zur Bewältigung dieser Problematik entweder nur die Kolonisation, den Welthandel oder die Auswanderung. Während der Niederschrift an „Mein Kampf“ gelangte Hitler zu einer anderen Überzeugung. Seitdem lehnte er das Verlangen nach einer „Wiederherstellung der Grenzen des Jahres 1914“ ab und bezeichnete nicht nur die von ihm zuvor selbst verfochtene und seit 1918 in Deutschland weit verbreitete Forderung als anachronistischen Unsinn und „Verbrechen“, sondern erblickte in der Wiederherstellung der Grenzen von 1914 einschließlich der Kolonien ein Betteln um Almosen, das Deutschland unter gar keinen Umständen als außenpolitisches Endziel akzeptieren dürfe.

Ihm schwebte seitdem nicht mehr nur der souveräne deutsche Staat mit „politischer Macht“ und Welthandelskapazitäten vor, sondern wie einigen maßgeblichen deutschen Militärs bereits zu Beginn der zwanziger Jahre die Beherrschung großer Landflächen in einem geschlossenen Territorium. Wie überwältigend und radikal diese neue Version auf Hitler gewirkt haben muss, bestätigt nicht zuletzt die Tatsache, dass er ausgerechnet Deutschland oder Russland als diese neue Weltmacht prophezeihte, obgleich diese beiden Staaten zu den Verlierern gehörten und am Boden lagen. Seit dem Jahre 1924 erblickte Hitler im Hunger nicht mehr den Faktor, der „den Verstand verwirrt“, sondern ein natürliches Mittel zur Inszenierung großer machtpolitischer Aktionen und Maßnahmen.

Während er bis dahin den Juden unentwegt vorgeworfen hatte, den „Hunger als Kunstmittel“ ihrer Politik zur Erringung der „Weltherrschaft“ wirken zu lassen, war er nun der Auffassung, dass Hunger und Not seine eigenen Weltmachtpläne realisieren helfen könnten. Darüber hinaus fürchtete er die Überbevölkerung nicht mehr, sondern wünschte sie, um Not erzeugt zu sehen, damit das Volk gezwungen werde, „sich zu regen..“ und fremde Nationen zu unterwerfen. Wie weit Adolf Hitlers zentrales antisemitisches Argument diese „Neukonzeption“ mitbestimmte, war und ist schwer festzustellen, da er die Quellen seiner Vorstellungen nur in Ausnahmefällen preisgab.

Sicher ist dagegen, dass er während seiner Haft in Landsberg die Lehren des im Jahre 1834 verstorbenen britischen Theologen und Nationalökonoms Thomas Robert Malthus kennenlernte, mit dessen „Bevölkerungsgesetz“ ihn wahrscheinlich Rudolf Hess vertraut machte, der ihn in Landsberg auch mit seinem Geopolitik-Professor, dem General Karl Haushofer, zusammenführte. „Der Hunger als Kriegsmittel. Der Hunger als Mittel zum Zweck…Der Hunger unterstützt das Schwert bei äußeren Kriegen im Kampf Staat gegen Staat“. Diese Stichwörter sprechen für sich selbst, ohne verwischende Zwischensätze, geradeliniger als lange Ausführungen zum Beispiel in „Mein Kampf“, wie Hitler die Dinge kurz nach dem Malthus-Studium sah.

Wie und was Hitler die Dinge nun sah, erfährt die Leserschaft der Israel Nachrichten in einer der nächsten Ausgaben.

Von Rolf von Ameln

Rolf v. Ameln ist Buchautor, sowie IN-Korrespondent in Deutschland und Spezialist für Themen der Zeitgeschichte. Er schreibt seit 25 Jahren für die Israel-Nachrichten.

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Von am 03/03/2020. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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