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Adolf Hitler: Seine Notizen und sein unbändiger Antisemitismus der Ein Volk in den Tod führen sollte. Letzte Folge

Der bislang größte Verbrecher aller Zeiten, Adolf Hitler, der bis zum Jahre 1922 zahllose Leitartikel im „Völkischen Beobachter“ schrieb und ihm seitdem in zunehmendem Maße auch seine Reden zu veröffentlichen begann, wusste genau, dass die politischen Vorstellungen, die er zu jener Zeit verbreitete, nicht neu waren. So musste er sich denn auch – nicht ohne Recht – gegen die Vorwürfe und Eifersüchteleien der Alldeutschen und Völkischen wehren, mit ihren Ideen für eine Politik zu werben, mit der sie selbst sich, besonders auf Adolf Hitlers Betreiben, nicht identifizieren konnten. Während seiner Haft in Landsberg am Lech, nach der Formulierung „der neuen Lehre“, wie er selbst ausdrücklich feststellte, rechnete er verärgert mit ihnen ab und machte sich bissig über sie lustig, obgleich er auch da noch gelegentlich geistige Anleihen bei ihnen aufnahm.

„Überhaupt habe ich schon“ zu Beginn der zwanziger Jahre, schrieb er wahrheitsgemäß in „Mein Kampf“, „immer wieder vor jenen deutschvölkischen Wanderscholaren warnen müssen, deren positive Leistung immer gleich Null ist, deren Einbildung aber kaum übertroffen zu werden vermag. Die junge Bewegung musste und muss sich von einem Zustrom an Menschen hüten, deren einzige Empfehlung zumeist in ihrer Erklärung liegt, dass sie schon dreißig oder gar vierzig Jahre lang für die gleiche Idee gekämpft hätten.“

Dass Adolf Hitler sich zu Anfang bei propagandistischen und taktischen Problemen mehr engagierte als bei bei theoretischen Einzelfragen, liegt anhand seiner Notizen nahe. So hat ihn das am 20. Februar 1920 von ihm erstmals verkündete, jedoch nie zustande gekommene 25-Punkte-Programm der NSDAP, das er in zunehmendem Maße systematisch ad absurdum führte, auch niemals besonders interessiert, obwohl er gelegentlich über seine Bedeutung für die „Bewegung“ redete. Von Anfang an, und seit dem Monat August 1921 ganz ostentativ, sorgte er dafür, dass es hinter ihm als „Führer“ zurücktrat und mit seiner zunehmenden Autorität an Bedeutung verlor.

Nach 1924 bedeutete es ihm nahezu überhaupt nichts mehr. Die NSDAP-Mitglieder, die das vor der Konzeption der „endgültigen Weltanschauung“ Hitlers formulierte Programm wörtlich nahmen, erfuhren dann auch, dass sie auf ein falsches Pferd gesetzt hatten, was zu Unzufriedenheiten mit empfindlichen Folgen führte, wie zum Beispiel im Jahre 1930, als der Kreis der enttäuschten „Sozialisten“ aus der NSDAP ausschied, der sich um Otto Strasser gebildet hatte. Solange sich die Nationalsozialisten an die Formulierungen des Programms hielten, es für unverletzlich erklärten und selber daran glaubten, solange konnte Hitler nicht damit rechnen, dass sie sich ihm bedingungslos unterwerfen würden. Dies jedoch erkannte er rasch.

In sein persönliches Programm, das in der unerbittlichen Macht – besonders für sich selbst – gipfelte, hat er diese Erkenntnis eingeplant. Und an der Umsetzung dieser Erkenntnis arbeitete er unermüdlich. Wie während des Zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945, so beurteilt Hitler auch hier die propagandistische Wirkung politischer Maßnahmen auf das Ausland in einer Weise, die falsch sein musste. In diesen Ansichten hat er sich zeitlebens nicht geändert. Nicht selten tat oder unterließ er als „Feldherr und Stratege“ um der Propaganda-Effekte willen, was von vornherein nur zu Scheinsiegen führen konnte. Oft wiederholte Adolf Hitler seine stereotypen Vorwürfe gegen die „Drahtzieher“, mit denen er die Juden meinte.

Erst am Ende seiner Aufzeichnungen wendet sich Der Jahrhundert-Verbrecher den Juden zu, um sie in der für ihn damals üblichen Weise zu beschuldigen. Sein Vorwurf „Deutsche gegen Deutsche, nur nicht gegen Juden“ gehörte nicht nur früh schon zu seinem politischen Redner-Vokabular, sondern bildete spätestens seit dem Jahre 1918 bereits auch einen der wesentlichen Bestandteile seiner Weltanschauung, die seit seiner Schulzeit kontinuierlich eine immer negativer werdende „Entwicklung“ erfuhr. So brauchte er denn auch als „Staatsmann“ schließlich nicht möglicherweise Lügen oder Tatsachenverdrehungen zu verdrängen, wenn er sich gezwungen sah, die von ihm seit dem Ende des Ersten Weltkrieges unentwegt geforderten antisemitischen Maßnahmen nicht nur zu decken.

Als er beispielsweise Ende Februar 1933 von Hindenburgs Staatssekretär Doktor Meissner einen Brief erhielt, in dem er – im Auftrage des Reichspräsidenten – gebeten wurde, die schriftliche Beschwerde einer Jüdin zur Kenntnis zu nehmen, schrieb er als „Aktennotiz“ auf den unteren Teil des Briefes: „Die Behauptungen dieser Dame sind ein Schwindel! Es ist selbstverständlich nicht eine Aufforderung zu einem Pogrom erfolgt! H..“ Weiter notierte er einst folgende Sätze: Wir wollen die Zeit der Schmach beenden, die Schande der Knechtschaft und die Scham jedes Einzelnen darüber umwandel in den Stolz Mitarbeiter zu sein der Größten Zeit unseres deutschen Volkes der Zeit der Gründung des germanischen Reiches deutscher Nation.

Sehr selten formulierte Adolf Hitler seine geplanten Äußerungen in seinen Notizen so Wort für Wort, wie es am Ende dieses Konzeptes geschehen ist. Seine Stichwörter genügen jedoch zur Rekonstruktion seiner Ausführungen, die anderswo nicht schriftlich überliefert sind. Die von V-Männern der bayrischen Armee verfassten Versammlungsberichte, eine der ganz wenigen sonstigen Quellen aus der Zeit nach 1918, sind gewöhnlich nicht nur primitiv, sondern auch unzulänglich. Das Geschlecht der Versammlungsbesucher und ihre Berufe werden angegeben, die Themen der Versammlungsreden werden genannt und die oft schwülstigen Ausführungen Hitlers phrasenhaft und nicht selten auch missverstanden „protokolliert“; – wie ein Beispiel zeigt: „Die Versammlung war von Civil und Militär, sowie Leuten jedes Standes und jeder Partei besucht“, notierte ein V-Mann über eine Hitler-Versammlung, und in einem anderen Bericht heißt es: „Der Saal war sehr voll. Ein Mann, der den Herrn Hitler einen Affen hieß, wurde mit aller Gemütsruhe heraus befördert.“

Und dennoch hatte es dieser „Affe“ geschafft, unsere jüdischen Mitbürger und das europäische Judentum in den Tod zu schicken mit seinem Menschen verachtenden Antisemitismus.

Von Rolf von Ameln

Rolf v. Ameln ist Buchautor, sowie IN-Korrespondent in Deutschland und Spezialist für Themen der Zeitgeschichte. Er schreibt seit 25 Jahren für die Israel-Nachrichten.

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Von am 27/03/2020. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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