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Kommt die zweite Covid-19 Welle schneller als erwartet?

Seit dem 20. Mai waren die Zahlen wunderbar und versprachen Hoffnung, dass wir hier in Israel das Corona Virus erfolgreich besiegt hatten. Auch die Zahl der an der Erkrankung Verstorbenen schien bei 279 still zu stehen.

Erstmals sank die Zahl der aktiven Fälle unter 2000. Zichron Yaacov, der Ort in dem ich lebe, meldete, dass es keine aktiven Fälle mehr gäbe.

Ein Land atmete kollektiv auf.

Läden, Einkaufszentren, Caféhäuser und Restaurants durften am Mittwoch der vergangenen Woche wieder ihre Türen öffnen. Die erste Hitzewelle hatte Israel fest im Griff. Die Maskenpflicht wurde gelockert und auf ein Mindestmass beschränkt.

Caféhäuser und Bars erlebten den ersten Ansturm von «ausgehungerten» Gästen. Menschen sind nun einmal soziale Wesen. Nach zwei Monaten ohne jegliche Möglichkeit, sich mit der Familie, Freunden und Kollegen zu treffen, war der Nachholbedarf gross. Bilder aus Tel Aviv und Jerusalem zeigen, dass die Gastgärten überfüllt waren. Die Tische dicht besetzt, manchmal sogar zu dicht.

Am vergangenen Donnerstag, dem 28. Mai begann Shavuot. Ein sehr beliebter Feiertag, um im zumeist grossen Kreis ausgiebig essen und zu feiern. Im Prinzip wäre Shavuot in diesem Jahr perfekt gewesen für eine Kurzreise. Aber viele der Hotels, die bereits hätten ihre Türen öffnen dürfen, blieben geschlossen.

Ohne ausländische Touristen lohnt es sich für zahlreiche Hoteliers nicht, die komplette Infrastruktur hochzufahren, Mitarbeiter einzustellen und die geltenden Hygienevorschriften entsprechend umsetzen. Einzig die Hotels in Eilat, die einen Gästeanteil von über 90% aus dem Inlandstourismus aufweisen, profitierten von der Wiedereröffnung. Die in Israel so beliebten Buffets mussten umstrukturiert werden, die Abstände zwischen den Tischen wurden vergrössert, Lounges blieben teilweise geschlossen. Die noch geschlossenen Hotels warten auf die ausländischen Gäste. Doch die dürfen nach wie vor nicht nach Israel einreisen.

Und das könnte wohl auch noch für einige Zeit so bleiben.

Ob es an der wiedergewonnenen Freiheit lag, oder einfach am schnellen Vergessen, dass bis vor wenigen Tagen noch sehr restriktive Vorschriften galten, keiner wird es nachvollziehen können.

Leider steigen seit einigen Tagen die Zahlen der an COVID 19 erkrankten Menschen wieder an. Die Fallzahlen liegen im hohen zweistelligen Bereich, an zwei Tagen wurden sogar deutlich über 100 Neuerkrankungen gemeldet. Vor einer Stunde veröffentlichte des Gesundheitsministerium die neuen Zahlen: 17343 Fälle, also 666 mehr als am noch vor einer Woche. Die Zahl der Verstorbenen hat sich im gleichen Zeitraum von 279 auf 290 erhöht.

Noch sind fast ausschliesslich Schulen vom neuen Trend betroffen. 43 Schulen wurden wieder geschlossen, 7500 Schüler und Mitarbeiter wurden unter Quarantäne gestellt. Das Gesundheitsministerium hat beschlossen, schneller zu reagieren, und schon bei einem einzigen Fall von positiv Getesteten die betreffende Schule zu schliessen.

Auch die Züge, die eigentlich in den kommenden Tagen wieder ihren Normalfahrplan aufnehmen sollten, werden weiterhin mit einem reduzierten Angebot fahren.

Das Gesundheitsministerium beobachtet die neue Entwicklung mit Besorgnis.

Zu Recht. Vielleicht war es falsch, dem Drängen der Wirtschaft zu schnell nachzugeben und die Wiedereröffnungen zu schnell voranzutreiben.

Eigentlich sollte ab dem 14. Juni der Flughafen Ben Gurion einen, wenn auch stark reduzierten Flugbetrieb wieder aufnehmen.

Es bleibt zu hoffen, dass die Israelis sich darauf besinnen, dass die Pandemie noch lange nicht vorbei ist, und dass es nur an ihnen liegt, ob sie wieder neu aufflammt, oder abklingt.

Von Esther Scheiner

Esther Scheiner ist Journalistin und Redakteurin der Israel Nachrichten. Sie lebt und arbeitet in Israel und der Schweiz.

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Von am 04/06/2020. Abgelegt unter „Während Israel nicht nur vom BDS boykottiert wird…“. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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