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Esther Scheiner: Zwei COVID-19 Patienten im Hadassah Spital in Jerusalem

Am 18. Oktober 2020 fand eine denkwürdige Trauung in einem der Innenhöfe des weitläufigen Hadassah Spitals in Jerusalem statt. Eine Trauung ist immer eine emotionale Feier. Der Vater des Bräutigams, Mitglied einer ultra-orthodoxen Familie aus Arad ist seit September in der Corona-Isolationsstation hospitalisiert. Sein Zustand ist sehr besorgniserregend, er darf und kann das Bett nicht verlassen. Aber das Leben geht weiter. Gestern heiratete sein Sohn, und es war der grosse Wunsch aller, dass er an der Zeremonie teilhaben könnte.

Hochzeit im Hadassah Spital am 20.10.2020 © ynetnews

Die Familien des Brautpaares wandten sich an Yad Avraham und es gelang, gemeinsam mit der Klinikverwaltung, den Ärzten und Pflegern, eine Hochzeit zu organisieren, an der der Vater, wenn auch von seinem Bett aus teilnehmen konnte.

Yad Avraham, eine medizinische Betreuungsorganisation, die mitten im ultra-orthodoxen Jerusalemer Stadtteil Mea Shearim angesiedelt ist, bekam auch ausserhalb dieser Kreise in den Jahren 2017 – 19 einige positive Aufmerksamkeit. In diesen Jahren, als es zu einer, sich rapide ausbreitenden Masern Epidemie kam, sorgte Rabbi Shimon Braun, einer der Leiter der Organisation dafür, dass 20.000 Kinder und Jugendliche in besonders gefährdeten Gebieten geimpft wurden und die Verbreitung so eingedämmt werden konnte.

Dass gestern die strikten Vorschriften des Gesundheitsministeriums eingehalten werden mussten, stand ausser Diskussion. Statt einer, wie sonst in Israel üblich, grossen Hochzeitsgesellschaft wurde die Zahl der Teilnehmer drastisch reduziert. Die Hygienevorschriften wurden ebenso eingehalten, wie die Abstandregeln.

Das Bett des 56-jährigen Vaters wurde ans Fenster geschoben, von wo aus er der Trauung seines Sohnes beiwohnen und die Genesungswünsche der Familie und Freunde entgegennehmen konnte. Sein Bett und das Fenster waren mit bunten Luftballonen dekoriert worden.

Für das Brautpaar, die Familie und Freunde ein denkwürdiger Tag, den sie wohl nie mehr vergessen werden. Ich wünsche ihnen allen ein langes, gesundes Leben.

Saeb Erekat

Etwa zur gleichen Zeit wurde ein weiterer Patient im Hadassah Spital eingeliefert. Der Generalsekretär der PLO und Chefunterhändler (wobei mir unklar ist, um welche Verhandlungen es sich handelt, da diese seit Jahren von den Palästinensern auf Eis gelegt wurden), Saeb Erekat wurde hospitalisiert. Seine Tochter, eine Ärztin, sah sich nicht mehr im Stande, ihren Vater daheim in Jericho entsprechend zu behandeln. Erekat war Anfang Oktober positiv auf COVID-19 getestet worden und hatte sich seitdem in häuslicher Pflege befunden.

Nun hat sich sein Gesundheitszustand offensichtlich dramatisch verschlechtert. Die Ärzte zeigen sich, vor allem auf Grund seiner Vorerkrankungen sehr besorgt. Im Jahr 2017 hatte er sich in den USA einer Lungentransplantation unterzogen. Zur COVID-19 Erkrankung ist noch eine bakterielle Entzündung hinzugekommen. Es ist dies nicht die erste Behandlung Erekats in einem israelischen Spital. Bereits im Jahr 2017 war er in einem Spital in Tel Aviv stationär behandelt worden.

Am Sonntag war Erekat von einem speziellen Fahrzeug des Magen David Adom mit einer Eskorte der IDF von seinem Haus abgeholt und nach Jerusalem gebracht worden.

Entsprechend einem Sprecher der Fatah wurde er nicht auf Grund einer Corona Erkrankung, sondern auf Grund von Problemen mit der transplantierten Lunge eingeliefert. Das Hadassah Spital sei deswegen ausgesucht worden, weil es das nächst gelegene Krankenhaus mit einer speziellen Ausstattung sei.

Auf Grund der aus medizinischer, aber auch politischer Sicht herausfordernden Situation, arbeiten die Ärzte des Hadassah Spitals bei der Betreuung von Erekat eng mit internationalen Kollegen zusammen.

Von Esther Scheiner

Esther Scheiner ist Journalistin und Redakteurin der Israel Nachrichten. Sie lebt und arbeitet in Israel und der Schweiz.

 

Von am 20/10/2020. Abgelegt unter „Während Israel nicht nur vom BDS boykottiert wird…“. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.

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