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Wieso denkt Deutschland darüber bestimmen zu dürfen wo Juden leben sollen

Mit tadellosem Timing, kam der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier diese Woche nach Israel, um an der Beerdigung von Ariel Sharon teilzunehmen und um Israel in der Öffentlichkeit einzuschüchtern.

Im Gespräch mit Reportern warf Steinmeier dem jüdischen Staat vor, durch den Bau von Wohnungen für Juden in Judäa und Samaria, „Schaden“ am Friedensprozess zu verursachen. In einem Gespräch mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, am Rande der Beisetzung Sharons, forderte er den Premier Minister auf, zusätzliche Bauaktivitäten zu unterlassen, da diese „dem Prozess noch mehr Schaden könnten“.

Ich bin zwar nicht mit den Trauerritualen in Deutschland vertraut aber ich nehme an, dass auch dort die Trauergäste nicht gleich nach der Beerdigung beleidigt werden. Und dennoch, während seines Israel Besuchs sah Steinmeier offenbar nichts falsches in seinem Benehmen: Er sah es als seine Aufgabe an, die Möglichkeit auszunützen, um dieses politische Thema anzuschneiden, egal wie geschmacklos und unpassend diese Handlung war. Dies ist sicher nicht die Art von Verhalten die man von einem Freund erwartet, oder?

Was aber noch bedenklicher ist an Steinmeiers Großtat, ist die historische Amnesie der deutschen Regierung. Es hatte den Politiker jeglicher Gefühlssinn verlassen, bezüglich des Rechtes der Juden in Judea und Samaria zu leben. Schließlich sind nicht einmal 80 Jahre vergangen seitdem Deutschland die Entscheidung traf, durch die Nürnberger Gesetze im September 1935, die Juden zu isolieren und sie aus der Zivilgesellschaft zu entfernen, als Zeichen eines ersten Schrittes zur “Säuberung“ des deutschen Bodens. Und jetzt soll unter deutscher Kontrolle bestimmt werden, wo die Juden ein Recht haben zu leben?

Man könnte glauben, daß die Deutschen angesichts dieses dunklen Kapitels in ihrer Geschichte, ganz vorsichtig überlegen sollten bevor sie uns sagen wo wir Juden zu leben, zu bauen oder unsere Familien großziehen sollen. Aber dies ist nicht der Fall. In der Tat, im vergangenen Sommer wurde weltweit berichtet, daß Berlin Israel in den Rücken fiel und entschieden hatte, eine Initiative innerhalb der Europäischen Union zu starten. Eine Initiative, die alle jüdischen Unternehmen in Judea und Samaria aussondern sollte. Diese Aktion hatte das Ziel, die Produkte aus diesen Gebieten vom Handel auszuschließen. Es ist klar, daß Waren aus palästinensischen Betrieben in diesem Gebiet anders gekenntzeichnet wurden.

Letzten Monat sagte der EU-Gesandte im Nahen Osten, Andreas Reinicke, in einem Interview mit Reuters; er warne davor, daß wenn die letzte Runde der Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinenser scheitern würde, die EU dieses Projekt beschleunigen und jegliche Waren aus Judea und Samaria boykottieren werde. Die Heuchlerei hinter diesem Kreuzzug der Kennzeichnung ist umso deutlicher, wenn man bedenkt, daß solche Kampagnen, auch für andere “umstrittene Gebiete“ in Betracht gezogen werden sollten. Zum Beispiel verlangt Europa nicht, daß chinesische Produkte die in Tibet hergestellt werden oder russische Artikel aus Tschetschenien oder Spanische Waren aus Katalonien, anders gekenntzeichnet werden. Es scheint, daß die europäischen liberalen Länder nur beim jüdischen Staat auf solchen Maßnahmen bestehen.

Das ist nicht nur Doppelzüngigkeit, es ist pure Diskriminierung. Und im Fall vom Deutschland, ist eine solche Haltung empörend. Die Regierung von Angela Merkel sollte sich schämen, diesen Weg zu gehen. Was immer man über den Friedensprozess und die Zwei-Staaten-Lösung denkt, es ist offensichlich, daß der Umgang mit Waren oder Bauprojekten ein anderer ist, weil die Person der die Firma oder das gebaute Haus gehört, ein Anhänger von Mose ist, anstatt von Mohamed. Das ist ein Akt von Biggoterie.

Im Lichte ihrer eigenen unwürdigen Taten während des 20. Jahrhunderts, hat Deutschland und seine führenden Politiker eine besondere, außerordentliche Verantwortung in dieser Frage zu berücksichtigen, besonders wenn Juden davon betroffen sind. Niemand denkt, daß Deutschland einen zweiten Holocaust plant, aber das Land muß mehr Bewusstsein zeigen gegenüber dieser Ironie die am Werk ist.

Im Jahr 1936, war ein Brettspiel namens “Juden Raus“ in ganz Deutschland sehr beliebt. Die Spieler bewegten Figuren (Juden) zu einer Sammelstelle. Von dort sollten sie nach Israel abgeschoben werden. Wenn jemand 6 Juden aus dem Land bringen konnte, hatte er einen klaren Sieg errungen. Leider ist Deutschland wieder dabei ein ähnliches Spiel zu spielen, allerdings mit einem Unterschied. Während es früher das Ziel war, die Juden aus dem Land zu jagen um sie nach Israel zu schicken, ist es nun ihr Ziel Juden zu zwingen, Teile davon zu verlassen.

Aber ich habe eine Neuigkeit für Frau Merkel und ihre Kollegen: Niemand, vor allem nicht Deutschland, hat das Recht, Juden zu befehlen wo sie leben und wo sie nicht leben dürfen. Im Jahr 1945, kroch das jüdische Volk aus den Öfen Europas heraus und es gelangt ihm, seine ursprüngliche Heimat zurückzuerrobern.

Unabhängig davon, was Berlin vielleicht denkt oder sagt, wir sind nicht bereit, einen Teil unserer Heimat zu verschenken.

Von Michael Freund

Übersetzt von Bruno Huet

aus Jewish Press-17.01.14

für Israel-Nachrichten.org

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Von am 22/01/2014. Abgelegt unter Europa. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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