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Wider das Vergessen: Es gab den jüdischen Widerstand und auch einen Aufschrei der Alliierten

Oft hat man die Schicksalsergebenheit bewundert, mit der die jüdischen Menschen in den Tod gingen. Aber wenn etwas bewundernswert ist, so der unbeugsame Lebenswillen der Verfolgten in einem jahrelangen heroischen Kampf, in dem jeder dem Tode abgetrotzte Tag und jedes Stückchen Brot für die Kinder eine gewonnene Schlacht über die Mörder war, die ihren Tod schon längst beschlossen hatten.

Viele, die eine Razzia im Versteck überlebten oder aus den Ghettos ausbrachen, die den Erschießungskommandos von SS und Wehrmacht entkamen und aus den Todeszügen sprangen, gingen in die Wälder und schlossen sich den Partisanen an. Aber selbst in den Ghettos und Lagern nahmen die Menschen jüdischen Glaubens den Kampf auf. Symbol für allen Mut und alle Opfer ist der heldenhafte Aufstand des Ghettos von Warschau gegen die endgültige Liquidierung im April des Jahres 1943, über den die SS-Schergen der Nachwelt einen illustrierten Bericht hinterlassen hat.

Nach den großen Deportationen des Jahres 1942 war in dem entvölkerten Ghetto vorübergehend Ruhe eingekehrt. Lange Zeit klammerten sich die Zurückgebliebenen an jede noch so schwache Hoffnung. Die Nachricht, dass alle Deportierten, eine ganze Stadt voller Menschen, getötet worden waren, schien ihnen zu wahnsinnig, um glaubhaft zu sein. Es dauerte lange, bis die Menschen endlich begriffen, welches Ende sie ohne jedwede Ausnahme erwartete. Im Januar des Jahres 1943, als die Deportationen wieder aufgenommen werden, kommt es zum ersten bewaffneten Ausbruch. Himmler befiehlt, das Ghetto dem Erdboden gleich zumachen. Die jüdische Widerstandsorganisation ruft die zum Tode Verurteilten zum Kampf auf. Heimlich, in der Nacht, graben die Menschen tiefe Stollen in die Erde. In fieberhafter Arbeit werden primitive unterirdische Bunker gebaut, die den FRauen und Kindern vor den Menschenfängern Schutz bieten sollen.

Am 19. April brechen die SS-Sturmtruppen in das Ghetto ein. Sie stoßen auf erbitterten Widerstand. Heldenhaft verteidigt die Jugend des Ghettos das Leben ihrer wehrlosen Mütter und Geschwister. Fast ohne Waffen, mit der Kraft der Verzweiflung, kämpft sie mit der SS um jede Straße, jedes Haus, jeden Keller. 28 Tage und Nächte währt die Schlacht. Für die meisten endet sie mit dem Tod. Alle, die nicht im Kampf fallen, werden nach Treblinka in die Gaskammern verschleppt. Nur wenige entkommen aus dem brennenden, von der SS eingeschlossenen Kessel. Aber der Aufstand beweist Unterdrückern und Unterdrückten, dass Selbstachtung und menschliche Würde auch inmitten von Brutalität und Mord nicht gänzlich ausgerottet werden können.

In den Ghettos von Bialystok und Tschenstochau folgt man dem Beispiel von Warschau. Selbst in den Todeslagern von Treblinka und Sobibor gibt es blutige Aufstände, in Auschwitz-Birkenau stecken tapfere Häftlinge sogar ein Krematorium in Brand. Die Juden waren nicht allein in diesem Kampf. In Frankreich legten junge Menschen aus Solidarität den gelben Stern an. In Holland streikten die Arbeiter aus Protest gegen die Deportationen. In jedem Lande, auch in Nazideutschland, fanden sich mutige Einzelne, Priester, und Arbeiter, Beamte und Offiziere, die für die Verfolgten eintraten oder sie unter Lebensgefahr für die eigene Familie bei sich zu Hause aufnahmen und versteckten. Es gab Menschen, wie zum Beispiel den Feldwebel Anton Schmidt, der Tausende von Juden vor der Erschießung in Wilna rettete, den Fabrikbesitzer Oskar Schindler in Krakau, der seine jüdischen Arbeitshäftlinge bei Kriegsende in Sicherheit brachte, oder jenen „Stubenältesten“ in Auschwitz, der eine Gruppe von 158 jüdischen Kindern in seinem Wohnblock versteckte.

In Berlin gab es tapfere Frauen, die für die Freilassung ihrer jüdischen Männer öffentlich demonstrierten, und einen Domprobst mit Namen Lichtenberg, der in seiner Kirche öffentlich „für die Juden und die armen Gefangenen in den Konzentrationslagern“ betete. Und es gab das namenlose Heer der europäischen Resistance, die in allen Ländern gegen das System der Gaskammern jenen verzweifelten, stummen Kampf kämpfte, für den es keine Orden gab, sondern nur das Fallbeil der Nazis, den Galgen oder das Konzentrationslager.

Überall, wo die Verfolgung einsetzte, erhob sich Widerstand. Er war jedoch nicht stark genug, den Massenmord aufzuhalten, aber er konnte ihn verlangsamen. Er schlug Breschen in die Reihen der Mörder und entriss ihnen einzelne Opfer. Vor allem aber ging von ihm eine moralische Kraft aus, weil er zeigte, dass die Macht der SS und der Wehrmacht und allen Helfershelfern nicht unbegrenzt war und dass sie ein Ende finden würde.-

Was die Alliierten sahen und berichteten

Im Juli des Jahres 1944 befreit die Rote Armee das Konzentrationslager Majdanek. Zur gleichen Zeit wird noch fast eine halbe Million ungarischer Juden nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Sechs Wochen lang brennen die Öfen Tag und Nacht. Erst Ende November sprengen die SS-Schergen die Krematorien, vernichten die Lagerakten und stecken die riesigen Magazine mit den Habseligkeiten der Vergasten in Brand. Das Ende des Zweiten Weltkrieges schreibt das letzte blutige Kapitel. Viele Menschen in Nazideutschland fürchten dieses Ende und versuchen verzweifelt, vor der herannahenden Front zu flüchten. Doch diejenigen, die den Zusammenbruch der Hitlerherrschaft sehnsüchtig erwarten und die Stunde ihrer Befreiung erhoffen, werden auf Himmlers Befehl ins Landesinnere verschleppt. Kein Häftling soll lebend in die Hände der Alliierten fallen. Fürchtet man ihre Aussagen, mißgönnt man den an Leib und Geist Geschundenen die Rückkehr ins Leben, oder ist den Peinigern der Gedanke unerträglich, dass einige ihrer Opfer sie überleben könnten?

Die alliierten Truppen stoßen von allen Seiten ins „Dritte Reich“ vor. Ein Wettlauf mit dem Tod beginnt. Die Lager im Osten werden evakuiert. In offenen Loren fahren die Häftlinge ohne Decken und Mäntel durch den eisigen Februar des Jahres 1945. Es gibt Möglichkeiten zur Flucht, aber keiner dieser ausgehungerten und erschöpften Menschen hat mehr die Kraft, sich fortzubewegen. Über das Eisenbahnnetz des zerbrechenden Nazireiches fahren in den letzten Kriegswochen die gespenstischen Züge von einem Lager zum anderen, bleiben stehen, werden umgeleitet, halten und fahren weiter. Von Auschwitz nach Buchenwald, von Buchenwald nach Dachau, von Dachau nach Belsen, ziellos und ohne Fahrplan, mit dem einzigen Zweck, ihrer „Fracht“ die letzte Chance auf ein Überleben zu verweigern. Wenn die Fahrt nach vielen Tagen auf einem Nebengleis, in der Nähe eines Lagers endet und die aus Holz bestehenden Schiebetüren endlich entriegelt werden, ist der Waggon oft längst eine Leichenkammer.

Die Fronten rücken immer rascher zusammen. Viele Konzentrationslager muss die SS überstürzt räumen. Häftlinge, die nicht marschfähig sind, werden noch in letzter Stunde erschossen oder lebendig verbrannt. In Gewaltmärschen treiben die Wachmannschaften vor den Augen der erschrockenen deutschen Bevölkerung ein Heer von Elendsgestalten über die Landstraßen Thüringens und Mecklenburgs nach Schleswig-Holstein. Wer zusammenbricht und am Wegesrand liegenbleibt, erhält einen Fangschuss. Bergen-Belsen, das die letzten Transporte aufnimmt, ist ein überfülltes Massengrab, eine Todeszone, in der Hunger und Typhus wüten. Den alliierten Soldaten, welche die Konzentrationslager befreien, stockt das Herz. Sie sehen den Galgen und den Prügelbock, die Krematorien und die Magazine mit Schuhen, Kleidern, Brillen und Menschenhaar. Sie sehen die Kisten voll ausgebrochener Goldzähne und Eheringe, sie sehen das Buch des Totenschreibers und sie sehen die Menschen – Tote und Sterbende.

Als die ersten Fotos und Presseberichte über die entsetzlichen und unbeschreiblichen Zustände in die Welt gelangen, antwortet die zivilisierte Menschheit mit einm Aufschrei der Empörung und Rache an den Tätern. Für viele der wenigen, die das Ende erleben, kommt es zu spät. Sie haben keine Kraft mehr für einen neuen Anfang. Tausende von Häftlingen sterben noch in den ersten Wochen nach ihrer Befreiung. Keinerlei Pflege kann sie mehr retten. Erst nach vielen Tagen machen alliierte Ärzte die furchtbare Entdeckung, dass viele, die man vielleicht noch hätte retten können, gestorben sind, weil sie zu schwach waren, zu rufen oder den Arm zu heben, so dass man sie unter den Bergen von Leichen unbemerkt liegenließ.

So endete Hitlers und Konsorten Drittes Reich!

Der Sieg der Alliierten hinderte die Nazis, ihr Ausrottungsprogramm zu Ende zu führen. Die Bilanz ist grausig genug. Alle Berechnungen, die durch Vergleich der Bevölkerungsstatistiken, der amtlichen Dokumente und der Nachforschungen in den Todeslagern angestellt worden sind, kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass über sechs Millionen Juden ermordet wurden. Weit über eine Million ging an Hunger und Seuchen zugrunde, fast ebenso viele starben unter dem Feuer der Sonderkommandos, alle anderen gingen den Weg ins Gas!

Der zynische Satz, den die Alliierten zur Antwort bekamen, lautete immer: „DAVON HABEN WIR NICHTS GEWUSST..!!! Und den Überlebenden ist nie eine wahre Gerechtigkeit widerfahren.

Von Rolf von Ameln

Redaktion Israel-Nachrichten.org

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Von am 21/02/2014. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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