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Die Deutschen im Zweiten Weltkrieg – Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt

General der Flieger Quade berichtet über die Luftwaffe im ersten Kriegsjahr

Sechs Jahre erst war die Luftwaffe des Dritten Reiches alt, als ihre an der Ostgrenze Deutschlands eingesetzten Teile im Morgengrauen des 1. September 1939 zum Gegensclag gegen Polen starteten. Sie war aufgebaut, organisiert und ausgerüstet nach den Planungen und Befehlen ihres Begründers und Obersten Befehlshabers, des Reichsmarschalls Hermann Göring.

 

Kompromisslos hatte er mit all den Anschauungen gebrochen, die in der Luftwaffe nur eine Hilfswaffe des Heeres sahen. Aufklärungs-, Jagd- und Kampfverbände, die Flakwaffe, die Luftnachrichtentruppe, die Fallschirmjäger, den Flugmeldedienst und den zivilen Luftschutz hat er zu einem unlösbaren Ganzen in der deutschen Luftwaffe vereinigt zu einem dritten Wehrmachtsteil. Ihre zielbewusste, weit vorausschauende und energische Führung lag in seinen Händen. Das erste Kriegsjahr hat den Beweis erbracht, dass die Organisation zweckmäßig, Ausrüstung und Ausbildung vortrefflich waren. Die Führung aller Grade war über jedes Lob erhaben. Der dritte Wehrmachtsteil, die deutsche „Luftwaffe“ hat ihre Feuerprobe bestanden. Ohne sie wäre dieser Kriegsverlauf völlig unmöglich gewesen. Die gegen Polen eingesetzten Luftflotten 1 und 4 unter dem Befehl der damaligen Generale der Flieger Kesselring und Löhr führten den ersten Schlag mit den Hauptkräften gegen die polnische Luftwaffe. Sie wurde dank einer hervorragenden Aufklärung schnell gefunden und in zwei bis drei Tagen zerschlagen.

 

Ein Meisterstück, da der Feind in dem weiträumigen Land auf zahlreichen, weit auseinanderliegenden Flugplätzen verteilt war und sich teilweise hervorragend getarnt hatte. Gleichzeitig griffen starke Fliegerverbände in den Erdkampf ein. Sie öffneten durch Zertrümmerung der Befestigungsanlagen an den Grenzen Ostpreußens und Schlesiens den deutschen Angriffsarmeen den Weg ins Feindesland. Sie griffen die auf Strecken und Bahnen herangezogenen Feindreserven an und zerstörten schnell und nachhaltig das ohnehin dünnmaschige polnische Eisenbahnnetz. Die Aufklärung erkannte frühzeitig und richtig die durch den deutschen Gegenschlag beim Feind ausgelösten großen Truppenverschiebungen. Insbesondere wurde die Rückwärtsverlegung der polnischen Hauptarmee um Posen bald gemeldet. Dem Feind blieb durch die vorbildliche Arbeit der Jagd- und Flakverbände der Einblick in die Maßnahmen der deutschen Führung fast völlig verwehrt.

 

Noch einmal, am Schluss der Kämpfe in Polen, musste die Luftflotte 4 mit zusammengefassten Kräften eine große Aufgabe lösen. Es galt, zusammen mit dem Heer den völlig unsinnigen Widerstand der Festungen Modlin und Warschau zu brechen. In 48 Stunden war auch dieser Auftrag erfüllt. Das Ergebnis war grauenhaft, aber der Krieg gegen Polen war damit beendet. An der Westfront und an den Küsten blieb es während des Polenfeldzuges und noch lange nachher ruhig. Die in höchster Abwehrbereitschaft stehenden Jagd- und Flakverbände bekamen kaum einen Feind zu sehen. Polen wurde von den Westmächten seinem Schicksal überlassen. Die deutsche Luftwaffe nützte diese unerwartete Pause in ihrem Sinn aus. Sie eröffnete den Kampf, wie es in der deutschen Wehrmacht nicht anders sein kann, durch Angriff. In der Form der „bewaffneten Aufklärung“ brachte sie zunächst ein lückenloses Bild der feindlichen Bodenorganisation, des Aufmarsches der Luftwaffe, der Armeen und der Stützpunkte der Flotte. Sie leistete dabei vollendete Arbeit, die für die Führung von unschätzbarem Wert war. Auf Feindesland fiel bei diesen Flügen keine Bombe.

Tschechische "Bristol Beaufighter"-Besatzung, von denen nach der Besetzung durch Hitler (Tschechoslowakei) ein Teil in der britischen Luftwaffe als Nachtjäger Dienst tat. Foto: Archiv/RvAmeln

Tschechische „Bristol Beaufighter“-Besatzung, von denen nach der Besetzung durch Hitler (Tschechoslowakei) ein Teil in der britischen Luftwaffe als Nachtjäger Dienst tat. Foto: Archiv/RvAmeln

 

Holland, Belgien, Frankreich:

 

Die Niederzwingung der Heere dreier Länder in einer Zeitspanne von knappen sechs Wochen ist einmalig in der Geschichte. Ohne Mitwirkung der Luftwaffe wäre sie unmöglich gewesen. An der Westfront waren vornehmlich Luftflotten unter der kühnen und überlegenen Führung der Generalfeldmarschälle Kesselring und Sperrle eingesetzt. Ihre Verbände rissen, wo immer sie eingesetzt wurden, das Gesetz des Handelns an sich und waren in Führung und Kampf unüberwindlich. Auch auf diesem Kriegsschauplatz war die erste Aufgabe der Luftwaffe der Kampf um die Luftüberlegenheit. Mehrmals hat sie im Kriegsverlauf die Masse ihrer Verbände dazu eingesetzt. Im ersten Abschnitt wurde die unserer Angriffsfront gegenüberstehende französische und englische Luftwaffe erheblich dezimiert. Der Rest der französischen Fliegerverbände wurde im ersten Drittel des Juni zerschlagen. Seit dem 10. Juni zeigten sich nur noch vereinzelte Feindflugzeuge über der Kampffront. Damit war das Heer gesichert vor störenden Überraschungen aus der Luft. Es war seit Angriffsbeginn von Teilen der Luftwaffe unmittelbar und mittelbar an allen entscheidenen Stellen unterstütz worden: Unmittelbar durch Luftangriffe auf Befestigungsanlagen,

 

Artilleriemassierungen, bereitgestellte und angreifende Panzerverände. Auch die Flakwaffe hat an dieser unmittelbaren Unterstützung einen erheblichen Anteil durch erfolgreiches Eingreifen in den Erdkampf, insbesondere auch bei der Abwehr von Panzerangriffen. Die mittelbare Unterstützung setzte im ersten Kriegsabschnitt mit voller Kraft ein nach der Durchbrechung der verlängerten Maginot-Linie im Raum um Sedan am 14. und 15. Mai und ging nach der Einkesselung der französischen und englischen Armeen in Nordfrankreich über in Vernichtungsangriffe auf den eingeschlossenen Gegner. Die moralische Niederkämpfung der auf immer engeren Raum zusammengedrängten Feindarmeen wurde durch diese rollenden, Tag und Nacht wiederholten Angriffe erheblich beschleunigt. Auch die Umfassung der im Norden – am Kanal – noch offener Seite des Kessels wurde durch Kampf- und Jagdverbände erfolgreich durchgeführt, dem englischen Expeditionskorps durch Angriffe auf die wenigen vorhandenen Häfen und Vernichtung zahlreicher Kriegs- und Transportschiffe schwerer Schaden zugefügt.

 

Die zur Deckung der Einschiffungen herangezogene englische Luftwaffe erlitt, insbesondere in den Luftschlachten am 29. Mai und 1. Juni schwerste Verluste. Nach der Kapitulation der englischen und französischen Armeen in Nordfrankreich begann am 5. Juni der Angriff auf die zäh verteidigte Weygand-Stellung, dem bald darauf das Vorrücken der ganzen Nordfront bis Sedan folgte. Auch diese zweite Phase des Krieges in Frankreich begann für die deutsche Luftwaffe mit dem erneuten Kampf um die Luftüberlegenheit. Er musste geführt werden gegen alle Verbände, die von anderen Fronten zur Abwehr dieses von der französischen Wehrmacht erwarteten Angriffs herangezogen waren. Die Einleitung bildete der am 3. Juni durch starke Kampfverbände durchgeführte Großangriff auf Flughäfen und Industriewerke der Luftwaffe um Paris. Die Fortsetzung waren Angriffe auf alle als belegt erkannten Flugplätze in Mittel- und Ostfrankreich. Das Ende – die fast völlige Niederkämpfung der französischen Luftwaffe.

 

Gleichzeitig konnte aber die deutsche Luftwaffe, diesmal schon von Anfang an mit stärkeren Kräften, auch die Angriffshandlungen des Heeres unmittelbar und mittelbar unterstützen. Sie erschien zwischen Somme und Oise, am Unterlauf der Seine, in der Champagne überall, wo starker Widerstand zu überwinden war, auch bei schlechtestem Wetter. Fast immer war ihr Einsatz entscheidend für die schnelle Zerschlagung des Feindwiderstandes. Dabei konnte man die moralische Wirkung ihrer Angriffe ebenso hoch einschätzen wie die blutigen Verluste, die dem Feind durch die wohlgezielten Bomben und das MG-Feuer aus der Luft zugefügt wurden. Die „Stuka“ – das Wort kennt jeder weiße und farbige französische Soldat – waren gefürchtet wie die Pest. Am 13. Juni war der Widerstand der französischen Nordarmee zerbrochen. Auf der ganzen Front zwischen Kanal und Sedan begann der Rückzug der französischen Armeen.

 

Der Luftwaffe fiel die letzte und dankenswerteste Aufgabe zu, diesen Rückzug in Flucht zu verwandeln. Sie löste sie in wenigen Tagen – wiederum in vorbildlicher Zusammenarbeit mit dem Heer. Bald trat bei den von neuem gejagten, dem Einfluss der Führung entzogenen Verbänden Katastrophenstimmung ein. Das war das Ende. Es bedurfte nur des Einsatzes von Teilen der Luftwaffe, um auch diese Verfolgungskämpfe erfolgreich beenden zu können. Sie konnte zur gleichen Zeit, zwischen dem 14. und 16. Juni, eine überaus starke Stoßgruppe bilden, die überraschend an der Saar- und Rheinfront auftrat. Mit noch nie dagewesener Wucht schlug sie in Angriffen, die den ganzen Tag anhielten, Bresche in die Maginot-Linie und schuf so die Vorbedingungen für den Angriff und Durchbruch des Heeres. Als am 17. Juni die deutschen Panzerverbände bei Pontarlier den Ring um die in der Maginot-Linie noch kämpfenden Truppen geschlossen hatte, verlegte sie – wie in Nordfrankreich – ihre Angriffe in den Ring und beschleunigte das Ende.

 

Die schnelle Kapitulation der eingeschlossenen Feindkräfte – sie erfolgte bereits am 22. Juni – ist mit ihr Verdienst. Neben diesen im engsten Einvernehmen mit dem Heer verlaufenden Kampfhandlungen wurden der deutschen Luftwaffe in den sechs Kriegswochen noch zahlreiche Aufgaben gestellt. Es kann im Rahmen dieser kurzen Übersicht nur erinnert werden an die Angriffe auf die französischen Kanalhäfen, insbesondere auf Cherbourg und Le Havre zwischen dem 8. und 11. Juni und an den besonders erfolgreichen Angriff auf die Kriegs- und Transportschiffe in der Loiremündung, bei dem gewaltiger, teilweise beladener Schiffsraum versenkt wurde. Wichtiger vielleicht als die materiellen Verluste ist die Tatsache, dass mit diesen Angriffen der schon damals recht dünne Faden, der Frankreich mit seinen Verbündeten jenseits des Kanals verband, fast völlig zerschnitten wurde. Diese kurzen Betrachtungen dürfen nicht abgeschlossen werden, ohne der getreuen und unentbehrlichen Helfer der mittelbar kämpfenden Flieger- und Flakverbände zu gedenken. Ihre Arbeit ist auch zum Nutzen des Heeres geleistet worden. Die Fern- und Nahaufklärung hat vorbildlich gearbeitet. Sie gab der obersten Führung von Heer und Luftwaffe dauernd Meldungen über die Bewegungen des Feindes. Sie war das Auge der Führung, der Erdtruppe ein getreuer Helfer in der Schlacht. Die Luftnachrichtentruppe sorgte blitzschnell für die notwendigen Verbindungen.

 

Der Ausbau der Bodenorganisation ist eine Vorbedingung für den Einsatz von fliegenden Verbänden. Er ging auch in Feindesland reibungslos vor sich. Die Nachschubverbände arbeiteten unter zum Teil schwierigsten Verhältnissen einwandfrei. Der Flugmeldedienst tat in Feindesland seine Pflicht wie in der Heimat. Die Erfolge der erstmalig in großem Umfang eingesetzten Fallschirm- und Luftlandetruppen im Rahmen dieses Aufsatzes zu würdigen, ist unmöglich. Sie haben ruhmreichsten Anteil an den Kämpfen in Holland und konnten dem Heer viel Blut ersparen. Die deutsche Luftwaffe kann mit Befriedigung und Stolz auf das erste Kriegsjahr zurückschauen. Wo sie erschien, riss sie nach kurzer Zeit die Luftherrschaft und damit das Gesetz des Handelns an sich. Über Polen und Norwegen, über die Nordsee bis hoch in den Norden hinauf, über ganz England, Holland, Belgien und Frankreich sind ihre Verbände geflogen, haben sie gekämpft und gesiegt.

 

Kriegserprobt und angriffslustig steht die deutsche Luftwaffe heute bereit zum nächsten großen Einsatz – gegen England.

 

Der Ausgang der „Luftschlacht um England“ ist noch hinreichend bekannt – verloren hat ihn die Nazi-Luftwaffe.

 

Von Rolf von Ameln

 

Redaktion Israel-Nachrichten. org

 

 

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Von am 08/05/2014. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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