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Ist „The Scorpions Gate“ schon jetzt zur butalen Wirklichkeit geworden? Wettlauf um die Bodenschätze der Erde

Uran, Erdgas und Öl sind immer noch die bedeutendsten Energieträger dieser Erde, und sie sind der Treibstoff der Globalisierung und das Schmiermittel der Weltwirtschaft. Auf diese Rohstoffe beruht ein wesentlicher Teil des westlichen Wohlstandes, an den wir uns alle so gewöhnt haben. Nun jedoch wollen China und Indien zwei überaus hungrige Mächte daran teilhaben. Weil aber die Bodenschätze immer knapper und teurer werden, hat eine regelrechte Jagd nach den Ressourcen eingesetzt, die in weltweite Konflikte geführt haben.

Die Welt im Jahre 2012: Mehr als ein Jahrzehnt ist seit den Anschlägen auf die Vereinigten Staaten von Amerika vergangen. In Saudi Arabien, einst enger Bündnispartner Amerikas im Nahen Osten, haben putschende sunnitische Fanatiker das Königshaus gestürzt und den fundamentalistischen Staat „Islamija“ ausgerufen. Die wichtigsten Ölquellen der Erde sind nun in der Hand von radikaeln Islamisten – und das wollen die Amerikaner auf keinen Fall dulden, zumal sie schon vor Jahren aus dem an Öl reichen Irak gedrängt worden waren. Noch halten ihnen Kuwait und die Emirate am Arabischen Golf die Treue. Wenigstens deren Erdöl fließt ungehindert weiter. Doch terroristische Gewaltakte destabilisieren bereits Qatar und Bahrain.

Die Situation eskaliert, als China Atomraketen in „Islamija“ stationiert. Die neue, nach Öl hungernde Weltmacht ist darauf bedacht, sich den ungehinderten Zugriff auf die Ölfelder und Raffinerien des ehemaligen Königreichs zu sichern. Im Weißen Haus zu Washington schlägt die Stunde der Hardliner. Sie rüsten zu einem neuen Krieg Doch dabei bekommen sie es unvermittelt mit einem weiteren Gegner zu tun. Auch der inzwischen atomar bewaffnete Iran will im Konflikt um die reichhaltigen Erdölvorkommen in seiner Nachbarschaft mitmischen. Es bahnt sich eine unheimliche Allianz zwischen „Gottlosen“ und dem „Reich des Bösen“ an. Der Nahe Osten droht in Flammen aufzugehen und dabei die ganze Welt in Brand zu setzen. Ein Albtraumszenario, verursacht nicht zuletzt durch die zunehmende Knappheit des wichtisten Rohstoffes der industrialisierten Welt überhaupt – dem Erdöl.

„The Scorpions Gate“ ist ein Thriller, der beschreibt, was der Erde drohen kann, wenn die Verteilungskämpfe um die immer knapper werdenden und gleichzeitig in immer größeren Mengen benötigten Energie- und Rohstoffressourcen eskalieren. Es war zunächst nur ein spannend geschriebenes Buch, welches jedoch durch den Namen des Autors politisch so brisant geworden ist: Richard A. Clarke, der mehr als drei Jahrzehnte lang im Weißen Haus, im US-Außenministerium und im Pentagon als Berater von vier Präsidenten tätig war. Er leitete in den Stunden nach den Terroranschlägen von New York vom 11. September 2001 den Krisenstab von Präsident Bush. Im März 2003 schied der Antiterrorismusexperte auf eigenen Wunsch aus der Regierung aus und wurde zu einem ihrer schärfsten Kritiker sowie zum Gegner der Präventivkriegsideologie von Cheney und Rumsfeld.

Die in seinem roman geschilderten Entwicklungen im Nahen Osten entsprechen so ziemlich genau den in CIA-Kreisen durchgespielten Zukunftszenarien, sagte einst Clarke; – und er musste es schließlich wissen.  Dass im Kampf um die Rohstoffe diese Erde schon heute alles erlaubt zu sein scheint, habe wir in den letzten Wochen erleben müssen: Die Türkei kaufte rohöl von dem „Islamischen Staat“, pflegte deren Verwundete im Land und ließ die Kurden, die in der Türkei als so genannte „Bergtürken“ gelten, nicht nach Kobane hinein; – was sich jetzt ein wenig geändert hat. Bei allen wichtigen Wirtschaftssanktionen der Vergangenheit verweigerten China und Russland ihre Zustimmung. Peking investiert Milliardenbeträge in die Ölwirtschaft des Sudan und hat sich mit langfristigen Verträgen über die Lieferung des „Schwarzen Goldes“ an das korrupte und mörderische System in Karthum gebunden.

Eine ähnliche, auf seine wirtschaftlichen Interessen bezogene Politik betreibt China – und mit ihm auch Russland – auch im Fall des Iran. Beide Vetomächte, china wie Russland verhinderten im Atomstreit immer wieder Sanktionen des UN-Sicherheitsrates gegen die im Iran herrschenden Mullahs. China, weil es Erdöl und Erdgas aus dem Iran bezieht, und Russland, weil es seine „Handelsbeziehungen“ mit dem aufstrebenden, an Bodenschätzen immens reichen Iran nicht gefährden will..! Angesichts der sich abzeichnenden weiteren wirtschaftlichen Entwicklung Chinas und Indiens sind sich Experten weltweit einig, dass die Nachfrage weiter steigen wird. Die Vereinigten Staaten von Amerika, weltweit nach wie vor der größte Erdölverbraucher, sowie Europa und Japan, ebenso wie Amerika auf ausländische Ölquellen angewiesen, sehen diese Entwicklung mit größter Sorge.

Nach Schätzungen von Experten wird der globale Energieverbrauch bis zum Jahre 2020 im Vergleich zu heute um über fünfzig Prozent zunehmen. Getrieben von seinem hohen Wirtschaftswachstum hat China Japan längst als zweitgrößten Ölkonsumenten abgelöst. Auf der „Erdöl-Weltkarte“ entwickelt sich vor allem Afrika immer mehr zu einem Tummelplatz Chinas, während die USA und Europa ihre Einflussphären vor allem im Nahen und Mittleren Osten beziehungsweise im -fast diktatorisch regierten- Russland sehen. Die erdölproduzierenden Staaten der Welt arbeiten dicht am Förderlimit. Doch das Zeitalter des billigen Öls und demnächst auch  – n o c h – preiswerten Erdgases hat sich dem Ende zugeneigt. Grund dafür ist nicht allein die wachsende Nachfrage. Vor allem der historisch bevorstehende „Peak“ der Ölproduktion, der Höhepunkt der Förderung, führt zu einer immer dramatischeren Jagd nach dem Schmierstoff der Weltwirtschaft.

Ab dem Jahre 2017 wird es rapide bergab gehen, und in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts werden auch die Erdgasvorräte sich dem Ende zuneigen – und das bei zugleich weltweit wachsendem Bedarf. Die einzigen Energierohstoffe, die noch länger zur Verfügung stehen werden, sind Kohle und Uran. Falls die Welt nicht bald einen Ersatz für Öl und Erdgas gefunden hat, sagen Experten einen dramatischen Anstieg der Ausgaben für Energie voraus. Ärmere Länder würden sich dann kein Öl mehr leisten können, und Kriege um die Ressourcen, wie im Thriller „The Scorpion´s Gate“ entworfen, sind deshalb auch in der Zukunft nicht mehr auszuschließen. Doch der Kampf tobt schon heute, und er drängst sich zunehmend aus dem Hintergrund in den Focus der öffentlichen Wahrnehmung, denn Erdöl und Erdgas sind von existenzieller wirtschaftlicher und strategischer Bedeutung. Förderländer wie Russland und der Iran wissen dies nur zu gut und setzen ihre Rohstoffe inzwischen als politissche Waffe ein.

Seinen unbotmäßigen Nachbarn Georgien und Ukraine demonstrierte Russland, welche Folgen die einseitige Abhängigkeit von Energielieferungen haben kann. Und der Iran droht im Atomkonflikt mit dem Westen noch sehr viel unverschämter als Russland mit Lieferkürzungen oder sogar mit dem kompletten Stopp. Die größte und zugleich fragilste Rolle bei der langfristigen Energieversorgung der Erde spielt jedoch der Nahe und Mittlere Osten. Die Staaten am Arabischen Golf, die mit unterschiedlicher Intensität den schwierigen Spagat zwischen islamischer Tradition und westlicher Moderne üben, haben mit Abstand die größten Reserven an fossilen Energieträgern. Im Irak ist im Augenblick zu erleben, wie an gezielten Sabotageakten von zum Terror entschlossenen Radikalen der Wiederaufbau einer potenziell äußerst profitablen Erdölproduktion zum Scheitern verurteilt ist.

Niemand plant dort zurzeit größere Investitionen, obgleich der Irak nach Saudi Arabien und Iran das Land mit den drittgrößten Ölreserven; – abgesehen von den Ölsanden Kanadas ist. Aus diesem Grunde wäre es ein weltenergiepolitischer Albtraum, wenn es nicht nur im Irak, sondern auch in den arabischen Golfstaaten und Saudi Arabien zu gezielten Anschlägen auf Ölproduktionsanlagen käme. Die USA haben inzwischen ihre Schlüsse aus der kritischen Situation im Nahen und Mittleren Osten gezogen und eine Diversifizierung ihrer Öllieferungen vorgenommen. Sie wollen unabhängiger vor allem von Saudi Arabien werden. Dazu gehört auch, dass sie ihr Augenmerk wieder auf den eigenen Kontinent richten.

Und wie sieht es in Europa, in Deutschland aus: Zu sechzig Prozent auf einen einzigen Liefranten, in diesem Fall Russland, angewiesen zu sein, ist höchst gefahrvoll. Eine Diversifizierung der Lieferbeziehungen ist deshalb unbedingt erforderlich, auch um auf erneute russische Drohungen mit der Energiekeule gegen die europäischen Staaten entspannter reagieren zu können. Russland hat deutlich darauf hingewiesen, dass es Europa als Abnehmer nicht unbedingt nötig hat, weil man andere Absatzmärkte, wie zum Beispiel China, zur Verfügung hätte. Um Russlands Energieimperialismus nicht zum Opfer zu fallen, fordern Sicherheitsexperten daher, Deutschland und Europa müssten den Blick wieder stärker zum Arabischen Golf lenken, etwa nach Qatar mit seinen ungeheuren Vorräten an Erdgas. Hier sind wir allerdings wieder bei „The Scorpion´s Gate“ und dem Autor, Richard A. Clarke mit seinem Albtraumszenario, das sich teilweise schon heute als Tatsache erwiesen hat.

Von Rolf von Ameln

Redaktion Israel-Nachrichten.org

 

Von am 23/10/2014. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.

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