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Reportage: Die Jerusalemsynagoge in Prag

Der Rathausturm am Altstädter Ring ist leicht zu erklettern. Gegenüber liegt die Teynkirche, das Wahrzeichen von Prag, zu Füßen die Pracht an der Moldau, eine der schönsten Städte der Welt. Alt ist die Pracht, die Besiedlung unterhalb der Burg begann bereits im 6. Jahrhundert, Jüdische und Deutsche Kaufleute kamen im 9. und 10. Jahrhundert. 1230 wurde Prag Residenzstadt des Königreichs Böhmen. Im 13. Jahrhundert entstand das Ghetto, die Judenstadt, in der die eingewanderten jüdischen Familien leben mussten. Judah Löw, Rabbi und Philosoph und der reiche Mordechai Meisel, der Hofjude von Kaiser Rudolf II., lebten dort mit den anderen. Synagogen wurden gebaut, das Jüdische Rathaus, eine Talmudschule, eine Mikwe und andere wichtige Bauten.

Jerusalem Synagoge Prag. Foto: Wollmann-Fiedler

Jerusalem Synagoge Prag. Foto: Wollmann-Fiedler

Am Giebel des Jüdischen Rathauses ist eine Uhr mit hebräischem Zifferblatt zu sehen. Die Zeiger laufen von rechts nach links, wie es im Hebräischen üblich ist. Auf dem Alten Jüdischen Friedhof, dem ältesten der Welt, wurde aus Platzmangel in den Jahrhunderten in mehreren Schichten übereinander begraben, zwölftausend zum Teil verzierte Grabsteine soll es geben. Bis 1787 wurde dort begraben. Erst im 19. Jahrhundert durften die Juden das Ghetto verlassen und sich in der gesamten Stadt niederlassen, das alte Judenviertel wurde zur Josefstadt, später ein Stadtteil von Prag. Die Emanzipation der Juden in Böhmen, in Prag, begann. Franz Kafka kam am Rande der Josefstadt 1883 zur Welt.

Der berühmteste Prager Dichter wurde er. Über seine Geburtsstadt schrieb er „Prag läßt nicht los. Dieses Mütterchen hat Krallen“. Nach Stationen des Lebens kehrte er immer wieder in „sein“ Prag zurück, starb dort 1924. Auf dem neuen Jüdischen Friedhof im Stadtteil Zizkov hat man ihn beerdigt, gegenüber an der Friedhofswand ist die Gedenktafel für Max Brod, den Freund und Verleger, der 1968 in Israel starb.

Verbote und Progrome gab es in den Jahrhunderten gegen die jüdische Bevölkerung, auch Schutz gab ihnen der eine oder andere Herrscher. Kaiserin Maria Theresia, hatte nicht die geringste Sympathie für die Juden und meinte „keine ärgere Pest vorm Staat als diese Nation“ und vertrieb die jüdischen Familien und Händler kurzzeitig aus der Stadt.

Synagoge Prag innen. Foto: Wollmann-Fiedler

Synagoge Prag innen. Foto: Wollmann-Fiedler

Ende des 19. Jahrhunderts wurden in der heruntergekommene Josefstadt die Zigeunersynagoge und zwei andere Synagogen abgerissen. In der Prager Neustadt, wo sich im Mittelalter Weinberge befanden, sollte eine neue Synagoge zum 50. Thronjubiläum von Kaiser Franz Joseph I., gebaut werden.

Entwürfe wurden eingeholt. Der jüdische Architekt Wilhelm Stiassny, der 1842 in Preßburg/Bratislava geboren wurde und 1910 in Bad Ischl starb, sollte entwerfen und bauen. Seinen Architektensitz hatte er in Wien, baute Wohn- und Geschäftshäuser, Palais und Spitäler, Schulen und Synagogen im maurischen Stil. Als Jubiläumssynagoge wurde die erwähnte Synagoge in der Jerusalemerstrasse errichtet, neuromanisch und neugotisch im maurischen und Jugendstil. Am 16. September 1906 zu Simchat Tora, einem ganz besonderen Feiertag für Kinder, wurde sie geweiht. Sehr bald hieß sie Jerusalemsynagoge.

Prächtig ist die hochsanierte Synagoge, ein Schmuckstück ist das Jüdische Gotteshaus in der Prager Neustadt, weit entfernt von der damaligen Judenstadt, der Josefstadt.

Ausgemalte reiche maurische Dekorationen im Inneren der dreischiffigen Basilika bestaunte Klara und Gregor trug zum ersten Mal eine Kippa. Islamische Bögen tragen die Frauenempore, Bibelzitate schmücken die Brüstung der Galerie. Der Davidstern im Rosettenfenster, darüber wieder ein islamischer Bogen, der Thoraschrein geschmückt mit Weinlaub und Gebotstafeln. Von der Sezession geprägt ist die prächtige Synagoge, der Zeit entsprechend, entworfen von einem Wiener Architekten.

„Haben wir nicht alle einen Vater? Hat uns nicht ein Gott geschaffen? (Malachi 2,10) ist an der Mittelarkade des Portikus geschrieben.

Von Christel Wollmann-Fiedler

 

Von am 01/12/2015. Abgelegt unter Europa. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.

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