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Wenn es regnet bei den Festspielen von Verona

Wenn es während einer Opern-Aufführung in der Arena von Verona zu tröpfeln beginnt, unterbricht der Dirigent die Vorstellung, bevor ich überhaupt merke, dass die ersten Tropfen fallen. Die Musiker bringen sofort ihre Instrumente in Sicherheit. Das ist notwendig, da der Orchestergraben nicht zugedeckt ist, und sonst die teuren Instrumente womöglich verstimmt werden und Schaden nehmen.

Wenn es hingegen an den Bregenzer Festspielen während einer Vorstellung regnet, kann man als Zuschauer – und auch als Sänger! – ordentlich nass werden. Da sich das Orchester dort unter der Bühne im Trockenen befindet, wird einfach weiter gespielt – bis entweder viele Zuschauer ins Trockene flüchten oder aber klar wird, dass der Regen nicht aufhören wird. Da dort die Regel ist, dass das Geld für die Eintrittskarten nur zurückerstattet werden muss, wenn weniger als eine Stunde gespielt werden konnte, verleitet das womöglich, die Vorstellung möglichst lange zu spielen, auch wenn dann die Zuschauer ziemlich durchnässt sind.

Im sommerlich-sonnigen Italien kommt es zum Glück eher selten vor, dass es während den rund zweimonatigen Verona- Festspielen regnet. Ich selber habe es in über 20 Jahren von Besuchen vielleicht drei-bis viermal erlebt.
Das letzte Mal passierte es bei der berühmtenVerdi-Oper „Aida“, bei der Daniel Oren – heute auch musikalischer Leiter der Israel Opera – dirigierte, gleich dreimal. Für die Zuschauer ist das fast wie eine zusätzliche Vorstellung.

Die Bühne trocknen

Denn wenn es wieder aufhört zu regnen – und selbst wenn es nur wenige Minuten dauerte – kommt eine Heerschar von Putz-Leuten mit riesigen Papier-Rollen, um die Bühne wieder ganz zu trocknen. Da es das erste Mal gerade vor dem berühmten, imposanten Triumph-Marsch nass wurde, war es besonders wichtig, alles gut zu trocknen. Denn da treten auch Tänzerinnen und Tänzer der Ballett-Truppe auf, die sonst auf dem nassen Boden ausrutschen könnten.

Eine Viertelstunde später, beim nächsten kurzen Regenguss wieder dasselbe Szenario, diesmal mitten im Triumph-Marsch, der deswegen unterbrochen werden musste. Nach dem dritten Regenguss, der freundlicherweise in die Pause fiel, triumphierte dann aber das gute über das schlechte Wetter. Der aegyptische Gott, der in der Oper ja mehrmals angerufen wird, hatte offenbar ein Einsehen und die putzige Sonder-Zulage musste nicht ein weiteres Mal wiederholt werden.

Das – oder ein endgültiger Abbruch – wäre aber auch schade gewesen, denn die herrliche Inszenierung von Franco Zefirelli bot auch so genug Abwechslung und verdiente die volle Aufmerksamkeit, insbesondere da die SängerInnen auf höchstem Niveau spannende und wunderschöne Momente erleben liessen.

Ich habe in früheren Jahren einmal eine „Aida“ erlebt, wo es vor der Vorstellung ein heftiges Gewitter gab, dann war alles ruhig, und kaum war die Aufführung zu Ende, leerte sich der Himmel erneut!

Und bei einem „Nabucco“ gab es einmal eine Viertelstunde vor Schluss ein heftiges Gewitter, sodass alle dachten, die Vorstellung werde nicht zu Ende gegeben. Aber nach einiger Zeit beruhigte sich die Lage, und das „Happy End“ wurde tatsächlich noch gespielt.

Wenn man im altehrwürdigen römischen Amphitheater auf den unnumerierten Steinstufen sitzt, kann man sich auch nicht so schnell ins Trockene begeben, da rund 10’000 andere Zuschauer das auch tun wollen! Das ist für die Zuhörer der teureren Plätze einfacher, und da kommen auch sofort wieder Heerscharen von Helfern, die die Stoffsitze mit einem Regenschutz überziehen, damit man sich nachher wieder problemlos hinsetzen kann.

Riesen-Aufwand

Wenn man an eine „Schönwetter-Aufführung“ geht, denkt man gar nicht daran, wie viel Aufwand es neben der Vorstellung noch braucht, damit so ein Riesenbetrieb funktioniert. Man staunt ja schon über die vielen Statisten, Chorsänger, Musiker und Darsteller, die es alle zu koordinieren gilt, und wenn man nach einer Aufführung noch auf die Künstler für ein Autogramm wartet oder sonst ein bisschen länger bleibt, kann man sehen, wie riesige Kranen auffahren und die mächtig-grossen Bühnenbilder aus der Arena hieven, um den Platz für die nächste Vorstellung vorzubereiten.

Hie und da wünscht man sich etwas weniger Aufwand bzw. „Aktionismus“. Z.B. in der selten gespielten Oper von Charles Gounod „Romeo und Julia“ gab es eine originelle Grund-Idee, das Bühnenbild fast ganz aus Leitern zu erstellen. Romeo benützte ja bekanntlich eine Leiter, um zu Julia’s Balkon aufzusteigen. Aber dann fuhren während dem ganzen Abend ständig grosse fahrbare Leiter-Gestelle unnötigerweise hin und her über die Bühne, sodass die wunderschöne, oft zarte Musik fast „erschlagen“ wurde , und es der sensiblen Liebesgeschichte m. E. mehr schadete als nützte.

Stadt von Romeo und Julia

Verona ist ja die Heimatstadt dieses Liebespaares, wo sich die Geschichte von Romeo und Julia abgespielt haben soll, und man kann dort sowohl den berühmten Balkon wie auch Julia’s Grab besichtigen. Unzählige weitere Sehenswürdigkeiten – wo man übrigens immer viele israelische Touristen sieht und hört – tragen das ihre dazu bei, dass man auch unabhängig der Arena und ihren Aufführungen ins Schwärmen kommt und der besonderen Faszination des Ortes erliegt, sodass es einen immer wieder dorthin – und zu der magischen Stimmung in der Arena – zieht.

Da könnte man allerdings auch im übertragenen Sinn womöglich bald „im Regen stehen gelassen werden“. Nicht nur, dass dieses Jahr offenbar betrügerische Internet-Seiten auftauchten, die zwar Geld für Eintritts-Karten zum Opern-Festival entgegennahmen, aber nie Billette lieferten. Schlimmer ist – und wahrscheinlich ohne Zusammenhang damit – dass dem Vernehmen nach die „Stiftung Arena von Verona“ – u.a. wegen Korruption? – in Konkurs gehen musste, sodass sogar eine autorisierte Verkaufsstelle im Internet schrieb, sie verkaufe keine Opern-Karten, da nicht sicher sei, ob das vorausbezahlte Geld in die Konkursmasse falle und die Besucher dafür keine Karten erhalten. Auch die Auffanggesellschaft, die dieses Jahr den Betrieb sicherstellt, soll wieder aufgelöst werden, hiess es.

Es ist zu hoffen, dass die Arena von Verona und ihre Verantwortlichen nach über 100 Jahren des grossartigen Wirkens einen Weg finden, um neuen Besuchern und „alten Fans“ weitere begeisternde Opern-Erlebnisse in der faszinierenden Arena zu ermöglichen.

Von Ruth Bloch

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Von am 11/09/2016. Abgelegt unter Europa. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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