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Was macht der Schauspieler Georg Stephan mit Scholem Alejchem?

Scholem, Solem, Schalom, Shalom, Schulem…, doch eigentlich Schalom Jankew Rabinowitsch und

Der Humorist und Satiriker Scholem Alejchem. Foto: Wollmann-Fiedler

Der Humorist und Satiriker Scholem Alejchem. Foto: Wollmann-Fiedler

vieles mehr, oder jüdischer Mark Twain, wurde der Humorist und Satiriker Scholem Alejchem aus Perejaslaw bei Kiew mit künstlerischem Namen genannt und damit weltberühmt. Jiddisch schrieb er, kam eben aus Osteuropa, beschrieb das Leben im Schtetl, beschrieb die jüdische Welt von damals, beschrieb sie als einer von ihnen. Später verriet er den Amerikanern das jüdische Leben in Osteuropa. Hin und Her floh er der Schulden wegen, lebte in Odessa und Berlin, streifte durch Galizien und die Bukowina, doch auch nicht immer der Schulden wegen, schrieb besessen und viel. Die Progrome im Zarenreich ließen ihn weiterziehen bis New York, wo er auch ankam und am 13. Mai 1916 mit übergroßem Interesse und unendlicher Trauer beerdigt wurde, wie es sich für einen berühmten Dichter gehört. Der „Tewje“ war nicht zu überbieten, doch auch „Die erste Jüdische Republik“ entstand in seinem Schriftstellerheim im Jahr 1907. Frau und sechs Kinder hatte er.

Das erste Musical „Anatevka“ wurde 1964 am Brodway aufgeführt, 1968 in Hamburg, danach in den Niederlanden, in London und Paris, auch Walter Felsenstein inszenierte das Stück an der Komischen Oper in Ost-Berlin in der damaligen DDR, 1971. Shmuel Rodensky, 1904 in Vilnius geboren und 1989 in Jaffa gestorben, ebenso der Sänger Ivan Rebroff, der 1931 in Berlin-Spandau das Licht der Welt erblickte und 2008 in Frankfurt am Main starb, wurden von heute auf morgen weltberühmt. “Wenn ich einmal reich wär‘“, ging um die Welt, die Zuhörer wurden mitgenommen ins Schtetl und dem Leben dort, ein Meister der jiddischen Komik war er, der Sholem Alejchem, Anno 1859 geborene.

Der Schauspieler Georg Stephan. Foto: Wollmann-Fiedler

Der Schauspieler Georg Stephan. Foto: Wollmann-Fiedler

Georg Stephan, der studierte Schauspieler, 1984 kam er in Berlin auf die Welt und der vierundzwanzigjährige Regisseur Yannik Böhmer kramten zum 100. Todestag von Sholem Alejchem im Mai 2016 die Novelle „Die erste jüdische Republik“ aus der literarischen Schublade des jüdischen Satirikers und Komikers heraus und begannen damit und daran zu arbeiten. Yannik fungierte als Regisseur und Georg als Schauspieler. Schon die Idee ist großartig, die neunzigminütige Aufführung im TAK-Theater im Aufbau Haus am Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg, ist sehens- und hörenswert, eine verstaubte, wunderbare Idee, schließlich wurden die Texte von Alejchem in sechzig Sprachen übersetzt, so auch vom Jiddischen ins Deutsche, kein langer Weg. Was uns Alejchem sagen wollte, übertrug der Schauspieler Georg Stephan in deutscher, doch auch jiddischer Sprache, für uns mit großartiger Mimik, Humor und Seelentiefe auf Tisch und Bänken vor, das Wort „Ghettodialekt“ fiel. Die 13, die Zahl 13, hatte es in sich, lesen Sie einfach die Novelle von Sholem Alejchem, dann wissen Sie mehr. Die letzte Aufführung gestern war es in diesem Jahr, „Schalom“ sagte der Akteur bis 2017.
Ich unterhielt mich mit Georg Stephan am 15. November 2016

Was heißt erste Eigenproduktion?

Das heißt, dass ich nicht nur auf der Bühne spiele, sondern in diesem Fall auch den Text gefunden habe und die unternehmerische Verantwortung trage. Eigenproduktion heißt auch, dass ich für den Raum, die Miete des Theaters, für die Kostüme, die Öffentlichkeitsarbeit und Werbung, für das ganze Drumherum zuständig bin. Zu meiner Idee habe ich dann jemanden gesucht für die Regie und habe Yannik gefunden. Die Förderung erhielten wir vom Theater Aufbau Kreuzberg e.V., der sich für Minderheitenkulturen stark macht.

Warum hast Du Dir den Alejchem ausgesucht, wie bist Du auf ihn gekommen?

Ich finde Alejchem ganz toll, die Texte wunderbar und lustig und auch den besonderen Humor, der sehr menschenfreundlich ist. Nach der Auswanderung kehrte er immer wieder nach Europa zurück, um Lesereisen zu unternehmen und Geld zu verdienen, weil das in Amerika leider nicht so gut lief.
Mein Vater stieß per Zufall in einem Antiquariat auf Alejchem, und so bin ich auf ihn gekommen. Zufälle haben ja oft eine Bedeutung. Es gibt in meiner Familie eine lange zurückliegende Geschichte mit einem jüdischen Hintergrund aus Czernowitz, die hin und wieder zutage kam, doch Null gelebt wurde. Das soll kein religiöses Bekenntnis sein, ich finde einfach Alejchems Texte gut und hervorragend. Dann kam der 100. Todestag, am 13. Mai fand die 1. Aufführung statt. Die 13 war sehr gelegen.

Du sagtest mir, dass es der Originaltext sei, doch so ganz glaube ich das nicht.

Es ist das Original. Wir haben viel gekürzt. Damals, zu Alejchems Zeit, erschien die Geschichte als Fortsetzung allwöchentlich in der Zeitung, die Leser haben sich immer wieder gefreut auf die nächste Folge, doch dadurch wurde der Text unheimlich lang. Vier Stunden hätte es gedauert, wenn ich die gesamte Novelle gespielt hätte. Das wäre zu lang geworden, so haben wir gekürzt. Es musste für die Bühne funktionieren und spannend bleiben. Allerdings haben wir aus dem Historiker eine Historikerin gemacht, der Historiker ging nun wirklich nicht. Die Stärke von dem Text ist doch, dass er so alt ist und vor der Gründung Israels geschrieben wurde, auch die Sehnsucht präsentiert und die Fragen, ob ja oder nein, auch die historische Position wollten wir so lassen und zeigen, wie es damals gedanklich war. Das fand ich ganz toll und wollte den Text auch nicht modernisieren, nur der Historiker wurde zur Historikerin. Zu neunundneunzig Prozent ist es der Originaltext.

Vielleicht findet sich eine Institution, ein kleines Theater oder das Goethe-Institut in Israel, in dem Georg Stephan aus Berlin seine „1. Jüdische Republik“ vortragen kann?

Von Christel Wollmann-Fiedler

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Von am 17/11/2016. Abgelegt unter Europa. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Sie knnen eine Antwort oder einen Trackback zu diesem Eintrag hinterlassen

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