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80 Jahre Jerusalem Sinfonie Orchester

Mit einem festlichen Konzert wurde die Jubiläums- Saison des JSO eröffnet. Der CEO Yair Stern musste allerdings in seinen vorgängigen Glückwünschen eine schockierende Nachricht mitteilen: seit der Reorganisation von TV und Radio in Israel werden die Konzerte des Orchesters – das lange Jahre „Radio-Sinfonie-Orchester Jerusalem“ hiess – nicht mehr im Radio übertragen. Dies ist ein grosser Verlust und hat ernsthafte finanzielle Konsequenzen. Die Orchester-Leitung bemüht sich deshalb besonders, um neue Zuhörer zu gewinnen. So spielt das JSO neustens auch in Haifa und tritt mit verkleinertem Ensemble in Altersheimen und an anderen Anlässen auf.

Jerusalem Sinfonie Orchester. Foto: screenshot

Zum Jubiläum hat das Orchester an acht israelische Komponisten je einen Auftrag erteilt, sodass fast in jedem Konzert eine Welt-Première zu hören ist. Dem künstlerischen Leiter ist es wichtig, die musikalische Kreativität des Landes und der Stadt aufzuzeigen, wie er im Vorwort zum schön gestalteten Jahresprogramm schreibt. Das Heft enthält interessante Artikel zur Geschichte des Orchesters und Reminiszensen seiner berühmten Gäste. Darunter sind Persönlichkeiten wie Igor Strawinsky, Pablo Casals, Isaac Stern, Otto Klemperer und viele andere Weltstars.

Feierliche Eröffnung

Zum festlichen Auftakt gab es nach der ansprechenden Uraufführung von „Open, Closed, Open“ des 40jährigen Assaf Shatil gleich zwei klassische Highlights: Beethoven’s Chor-Fantasie op. 80 für Klavier, Chor und Orchester und seine 9. Sinfonie mit dem bekannten Schluss-Chor „Freude schöner Götterfunken“. Neben vielen anderen wirkte der Hamburger Monteverdi-Chor mit. Das Konzert war wirklich ein „himmlischer Götter-Funken“ und liess manches Herz höher schlagen.

Die Jubiläums-Saison bietet ein überaus reichhaltiges Programm mit Kompositionen aus mehreren Jahrhunderten und diversen Stil-Richtungen. Neben einer klassischen, einer vokalen und einer liturgischen Serie finden sich auch Sonderkonzerte für Junge sowie eine populäre Serie, in der einige der Werke kurz erklärt werden. Am ersten dieser Abende ging es um „Chopin’s Träume“, an dem Alexander Korsantia – der vor einigen Jahren den Arthur-Rubinstein-Wettbewerb gewonnen hat – das 2. Klavierkonzert traumhaft und genial spielte. Auch hier kam man in den Genuss einer Uraufführung, ein Werk für Schlagzeug und Orchester von Amit Weiner, sowie einer Bearbeitung eines Chopin-Walzers für grosses Orchester.

Ein musikalischer Tausendsassa:

Der Dirigent, Pianist, Komponist und Autor Frédéric Chaslin, der das JSO seit 2011 leitet, hat nicht nur die Qualität des Orchesters markant gesteigert, sondern auch sein Repertoire um viele spannende Werke erweitert.

In einem Gespräch im Vorfeld der Saison erzählte Maestro Chaslin, dass er in Paris geboren ist und dass er seine Ausbildung am dortigen Conservatoire und am Mozarteum Salzburg erhielt. Seit er seine Dirigenten-Karriere l989 als Assistent von Daniel Barenboim in Paris und Bayreuth und als Mitarbeiter von Pierre Boulez’ Ensemble Inter-Contemporain begann, dirigierte er an unzähligen Opernhäusern und leitete die bekanntesten Orchester weltweit.

So unter anderem an der New Yorker Metropolitan Opera, an der Wiener Staats-Oper, arbeitete mit den meisten grossen europäischen wie amerikanischen Orchestern und ist an vielen Festivals aufgetreten, so z.B. an den Bregenzer Festspielen. Auch als Pianist spielt er regelmässig und als Komponist hat er Orchester-Stücke, Opern und Filmmusik geschrieben. Seine „Chagall-Suite“ wurde vom JSO uraufgeführt. Bald wird auch eine Novelle von ihm erscheinen, die sich um Gustav Mahler dreht.

Wir wollten von Frédéric Chaslin wissen, wo er sich denn zu Hause fühlt, wenn er so viel in der Welt umherreist? Vor allem sei dies in Jerusalem, aber auch in Paris, New York, Wien und Bologna – überall, wo er immer wieder auftritt und auch ein physisches Daheim hat. Es scheint, so vielfältig begabt der Musiker ist, an so vielen Orten fühlt er sich zu Hause.

Kraft und Entspannung

„Und was gefällt Ihnen am Jerusalem Sinfonie Orchester speziell?“ Er meint, sowohl „sein“ Orchester wie auch das Israel Philharmonic Orchestra hätten eine ganz besondere musikalische Sensibilität, ein extrem starkes „Fingerspitzen-Gefühl“, eine spezielle Kraft. Ich entspanne mich bei Musik, sage ich – und er?

„Ebenfalls“, ist die erstaunliche Antwort, obwohl es für ihn ja „Arbeit“ ist. Aber es sei ein ständiger Wechsel zwischen Anspannung und Loslassen, und da es um Musik geht, auch Freude und Entspannung. Mich wundert, ob er Unterschiede sehe in der Arbeit an der New Yorker Metropolitan Opera oder der Wiener Staatsoper, oder ob es einfach andere Sänger und Musiker seien? Der Maestro meint, dass die Amerikaner „effizienter“ seien, die Wiener extrem musikalisch. Dieses Jahr wird

Frédéric Chaslin erstmals das Musikprogramm des Wiener Opernballs dirigieren.
Schlussendlich möchte ich gerne wissen, ob er als Pianist nicht tagtäglich lange üben muss, um sich seine Virtuosität als Solist zu erhalten? Wie er das alles schaffe? Und ob er sich dann im Flugzeug die Zeit nehme, um zu komponieren, wenn er sonst so vielbeschäftigt ist? Die erstaunliche Antwort ist, dass der Maestro täglich eine bis zwei Stunden komponiert, wobei ihm die Inspiration vom regelmässigen Arbeiten kommt. Er fühle sich nur gut, wenn er jeden Tag komponiere!

Wahrlich, der Vollblut-Musiker sprüht nur so vor Energie! Und diesen Stempel hat er offensichtlich auch „seinem“ Orchester aufgedrückt. „Trotz“ seiner 80 Jahre spielt es frisch, jugendlich, dynamisch, und das nach einer Zeit, in der gar seine Existenz auf dem Spiele stand.

Da wünscht man zum runden Geburtstag nicht nur „bis 120“, sondern auf lange Zeit viele genussvolle Musik-Erlebnisse durch das Orchester, das unter seinem vitalen Musikdirektor wie neu aufgeblüht ist.

Von Ruth Bloch

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Von am 04/03/2018. Abgelegt unter Israel. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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