Abonnieren

  • Subscribe via Email
  • Facebook
  • Twitter

Opern-Festival Verona ehrt Franco Zefirelli

Es ist fast makaber, sicher aber höchst symbolisch: während der Ouvertüre zu seiner diesjährigen Neu-Inszenierung von Verdi’s „La Traviata“ lässt der Regisseur Franco Zefirelli einen Totenzug über die Bühne laufen. Ein wunderschöner, antiker schwarzer Wagen wird von Pferden gezogen und dahinter folgt eine Reihe schwarz gekleideter Herren mit Zylindern. An der Generalprobe hat der Regisseur noch Anweisungen gegeben und wenige Tage später, noch vor der Première, verstarb der „Meister der Bilder“ mit über 90 Jahren.

Die Arena von Verona. Foto: Touristenbüro

In der Arena von Verona hinterlässt er ein überaus reiches, faszinierendes Erbe. Viele Inszenierungen wie u.a. „Aida“, „Carmen“, „Madame Butterfly“, „Il Trovatore“ und jetzt die „Traviata“ zeugen von seiner bildgewaltigen Sprache. Es kommt in Verona oft vor, dass Sänger auf offener Szene Applaus erhalten. Aber dass ein plötzlich auftauchendes Bühnenbild spontan beklatscht wird, habe ich nur bei Inszenierungen von Franco Zefirelli dort erlebt. Vor einigen Jahren ist ein empfehlenswertes Buch erschienen, das einige seiner Arbeiten in Verona dokumentiert.

Zefirelli hat auch mehrmals an der Israel Opera in Tel-Aviv Regie geführt. Er sei ein grosser Freund Israels gewesen, bekräftigte ein Nachruf im letzten Programmheft.

Zurück nach Verona, wo die Verantwortlichen der Fondazione Arena di Verona eine spezielle Trauerfeier für ihn durchführten.
Nun ist die „Traviata“ sein letztes Wunder-Werk dort geworden, tief berührend auch in der Ausführung, die ich sehen durfte. Das lag bestimmt auch an den erstklassigen Protagonisten, allen voran Aleksandra Kurzak in der Hauptrolle. Sie ist nicht nur eine begnadete Sängerin, sondern auch eine hervorragende Darstellerin. Sie hat mich mehrmals zu Tränen gerührt, wie ich ihr nachher gestand. Das lag sicher nicht nur an der traurigen Geschichte. Sie stirbt am Ende – daher eben der Trauerzug. Pavel Petrov als Alfredo war ihr ein ebenbürtiger Partner.

Geglänzt hat auch Leo Nucci als Vater Giorgio Germont. Der „Grand Seigneur“ tritt leider nicht mehr so oft auf, obwohl er mit weit über 70 Jahren noch eine tadellose Bariton-Stimme hat. Der israelische Dirigent Daniel Oren, der dieses Jahr auch musikalischer Direktor des Festivals ist, holte mit dem Orchester die feinsten Nuancen der herrlichen Musik heraus und trug viel zum schönen Erlebnis der Aufführung bei.

Neben „Carmen“, „Tosca“, „Carmina Burana“ und der „Aida“ in der wiederhergestellten Aufführung von 1913 – dem ersten Jahr des Festivals – war natürlich „Il Trovatore“ ein weiteres Highlight in dieser Saison.

Ich meine sogar, der Höhepunkt aller Opern-Aufführungen, die ich in den letzten drei bis vier Jahrzehnten gesehen habe. Die unvergleichlichen Szenen-Bilder hat wiederum der Filmemacher Franco Zefirelli kreiert, schon vor einigen Jahren. Sie begleiten die Darsteller auf ihrem schweren, aber musikalisch so beglückenden Weg durch diese Verdi-Oper. Dieses Jahr waren die Vorstellungen alle fast ausverkauft – das will bei 16’000 Zuschauerplätzen etwas heissen! – wohl weil erstmals die heute berühmteste Sopranistin Anna Netrebko in der Arena von Verona auftrat, zusammen mit ihrem Mann Yusif Eyvazov als Troubadour. Die beiden wurden natürlich begeistert empfangen und bejubelt.

Dolora Zajick als Zigeunerin, die auch schon in Israel auftrat, und Luca Salsi als Graf Luna hinterliessen ebenso starke Eindrücke in dieser glanzvollen Inszenierung, die zusammen mit der neuen „Traviata“ ein beredtes Zeugnis der immensen Kreativität von Franco Zefirelli ablegen. Dessen bewegende Bilder und Szenen werden auch nach dem Tod des grossen Künstlers sicher noch lange weiter wirken.

Von Ruth Bloch

 Zum NEWSLETTER anmelden
Bestellen Sie den Newsletter der Israel Nachrichten kostenlos per E-Mail und verpassen keine Top-Story mehr. Melden Sie sich HIER an.

Copyright (c) Israel Nachrichten Ltd. 2012-2019.
Eine Vervielfältigung oder Speicherung in Datenbanken oder in anderer Form ist ohne Genehmigung des Verlages untersagt.
Protected by Copyscape Plagiarism Finder

Unterstützen Sie die ISRAEL NACHRICHTEN

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Förderspende. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und das Erscheinen der Zeitung zu sichern.
Klicken Sie für Informationen zur Fördermitgliedschaft Hier…

Von am 02/10/2019. Abgelegt unter Europa. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
Leserkommentare geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Wie in einer Demokratie ueblich achten wir die Freiheit der Rede behalten uns aber vor, Kommentare nicht, gekuerzt oder in Auszuegen zu veroeffentlichen. Anonyme Zuschriften werden nicht beruecksichtigt.