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Kommentar: Vorsichtiger Optimismus

Mit der jetzt erfolgten (vielleicht auch der Situation geschuldeten) politischen Akzeptanz von MK Benny Gantz durch Binjamin Netanjahu und den Likud-Block und seiner überraschenden Wahl zum Knesset-Sprecher ist das Ende der Amtszeit von PM Netanjahu, zunächst jedenfalls, faktisch eingeläutet.

Der nächste PM Israels heißt vermutlich Gantz und das kann schneller eintreten als gedacht, insbesondere wenn sich jetzt Bibi seinen Anklagen stellen muss – Ausgang offen. Er hat es leider versäumt, es vielleicht auch aus persönlichen/charakterlichen Gründen nicht gekonnt, den politischen Staffelstab im Likud rechtzeitig weiter zu geben und sich damit seine lange währende Integrität gegenüber dem Land und seiner Partei zu bewahren. Ähnliches haben wir in Deutschland bei Helmut Kohl erlebt. Große politische Leistungen, man nennt ihn nicht umsonst einen Architekten der Deutschen Einheit, endeten wenig rühmlich weil er nicht in der Lage war, den Zenit seiner Leistungen und seine schwindende Akzeptanz in der Bevölkerung zu erkennen. Verkrustete Strukturen und eine überbordende Bürokratie statt notwendiger Reformen waren die Folge.

Wie die Politik-Analysten eines sicher nicht mehr fernen Tages über die gefühlte Dauer-Kanzlerin Merkel urteilen werden, bleibt abzuwarten.

Die aus den USA bekannte Begrenzung der Amtszeit derer Präsidenten könnte sowohl für Israel, als auch für Deutschland eine Hilfe sein, Zweifel an der demokratischer Legitimation einer Person als Premier gar nicht erst aufkommen zu lassen und einen Machterhalt einzelner Personen um jeden Preis, auszuschließen.

Die heutigen tiefen politischen Gräben, die in 3 israelischen Wahlgängen mit Patt-Situationen, ohne eindeutiges Ergebnis und einem letztlich gespaltenem Land endete, haben nicht dazu beigetragen das Ansehen Netanjahus zu stärken, ganz im Gegenteil. Hier sahen sich viele Menschen in den hohen Erwartungen an den Staatsmann Netanjahu enttäuscht, einem Staatsmann, der außenpolitisch von Erfolg zu Erfolg eilte, es aber offenbar nicht vermag, nur noch aus der zweiten Reihe mit seinen Erfahrungen beratend zur Seite eines anderen ersten Mannes im Land zu stehen.

In den nächsten Monaten hat nun Benny Gantz Zeit und Gelegenheit in die auch international gewürdigten, beachtlichen wirtschafts- und außenpolitischen Fußstapfen von Bibi zu wachsen und damit seine hohe militärische und sicherheitspolitische Kompetenz als Politiker zu ergänzen und zu wachsen. Gantz hat offenkundig begriffen, dass er mit der Vereinigten Arabischen Liste als Königsmacher die Zukunft Israels als jüdischen Staat langfristig aufs Spiel gesetzt hätte. Ich bin froh, dass die Grabenkämpfe und Verbal- Attacken zwischen den zerstrittenen politischen Blöcken vorbei zu sein scheinen. Es gibt in Israel, nicht nur der Corona-Krise geschuldet, jetzt große Herausforderungen die eine politische Zusammenarbeit beider einfordern.

Ich gebe den bisherigen politischen Kontrahenten eine Chance und setze auf eine Zusammenarbeit, bei der Vertrauen wachsen und das Land auch jenseits von Streit und politischen Scharaden nach vorne blicken kann. Für Zion!

Von Gerhard Werner Schlicke

Herr Schlicke ist Autor und Freier Mitarbeiter bei den Israel-Nachrichten, er lebt und arbeitet in Deutschland.

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Von am 31/03/2020. Abgelegt unter Europa. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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