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Jüdisches Leben in München einst und jetzt

 

Wer mit offenen Augen durch die Bayerische Landeshauptstadt spaziert, kann immer noch zahlreiche Hinweise auf jüdisches Leben  finden, das durch die Nationalsozialisten ein grausames Ende fand. Hier einige Beispiele.

«Meschugge» ist weder ein typisch jiddisch/hebräisches Schimpfwort, noch beschreibt es  die Charaktereigenschaft eines besonderen Menschentyps. Es ist der Name eines Restaurants in München. Auf Grund der Corona Pandemie musste der Eigentümer seine Mitarbeiter entlassen. Alle, bis auf einen. Und so stehen Florian Gleibs, Jude, in Berlin geboren, mit Wurzeln in Bagdad und sein Koch Ibrahim, Palästinenser aus Tel Aviv nun alleine im  Restaurant. Angeboten werden typisch levantinisch-arabisch-jüdische Gerichte, aber auch modifizierte Bayerische Klassiker, wie die «Schmock-Currywurst» aus Rindfleisch. Die Wände sind verziert mit Bildern von «Meschuggenen»: Einstein, Kinski und Louis de Funès als Rabbi Jacob. Das Restaurant liegt in der Maxvorstadt, in unmittelbarer Nähe befand sich die Parteizentrale der NSDAP.

München war einst das Zentrum der Nationalsozialisten. Jüdisches Leben wurde nahezu zur Gänze ausgelöscht.

Heute findet man in München wieder eine aktive Gemeinde. Im Jahr 2006 wurde die Ohel-Jakob-Synagoge eingeweiht. In unmittelbarer Nähe befindet sich das Gemeindezentrum, mit angeschlossener Kinderkrippe und Kindergarten. Ergänzt wird das Angebot mit einer Volksschule und einem Gymnasium. Studierende der Technischen Universität München absolvieren dort schon ab dem 2. Semester ihre ersten Berufspraktika. Natürlich darf auch das Kulinarische nicht fehlen. Das Restaurant Einstein versorgt auch während des Lockdowns seine Gäste mit koscheren Köstlichkeiten «to go». Dass der gesamte Gebäudekomplex permanent bewacht und beschützt werden muss, zeigt aber, dass Juden nach wie vor einer andauernden Gefährdung ausgesetzt sind.

So liest man im Museum des FC Bayern, dem derzeit unangefochtenen Meister des deutschen und europäischen Fussballs, dass die Beziehung des Vereins gegenüber den Nationalsozialisten ganz anders war als die anderer Sportvereine. Man beruft sich dabei auf einen der ersten Präsidenten, Kurt Landauer. Immerhin gewannen die Bayern im Jahr 1932 mit ihm die erste deutsche Meisterschaft. Landauer wurde ins KZ Dachau verschleppt, konnte fliehen und emigrierte in die Schweiz. Nach seiner Rückkehr übernahm er nochmals zwischen 1947 und 1951 die Präsidentschaft. An der Allianz Arena befindet sich eine Gedenktafel. Dass auch die Bayern nicht ganz so «unschuldig» waren, wie sie gerne behaupten wird allerdings durch zahlreiche Dokumente belegt, die teilweise immer noch unbearbeitet in den Archiven des Vereins schlummern.

Wo heute in der Residenzstrasse ein «Diesel Shop» seine Waren anbietet, war zumindest bis zum Jahr 2016 noch die historische Türe des ehemaligen Trachtengeschäfts der Gebrüder Wallach zu sehen. Das Haus steht unter Denkmalschutz, die Türe müsste wieder eingebaut werden, aber der Eigentümer wehrt sich und nimmt lieber Verwaltungsstrafen in Kauf. Im Trachtengeschäft Wallach wurden Dirndl, Trachtenjanker, Trachtenwesten und vieles andere entworfen und hergestellt. Die Stoffe für die beliebten Dirndl wurden von Hand gedruckt. Auch bei den Nationalsozialisten waren die Modelle aus dem Hause Wallach sehr beliebt. Es gibt Bilder von Eva Braun, auf dem sie ein Wallach Dirndl trägt. Und nachdem die nationalsozialistische Bekleidung – Gott behüte – nicht von Juden getragen werden durfte, erliess man kurzerhand ein entsprechendes Verbot. Aus der klassischen Tracht der Landbevölkerung, die auch gerne vom Bürgertum und vom Adel getragen wurde, entstand unter den Nationalsozialisten die heute bekannte Form des Dirndls. Tief ausgeschnitten mit einem extrem engen Mieder und einer weissen kurzärmeligen Bluse. 1938 wurde die Firma arisiert, zwei von drei Brüdern konnten in die USA fliehen. Der dritte wurde in Theresienstadt ermordet. Nach dem Krieg kehrten die beiden nach München zurück und erhielten ihr Eigentum zurück. Sie führten das Geschäft noch einige Jahre weiter, bis es 1996 in das Unternehmen «Lodenfrey» aufgenommen wurde. Dort werden die klassischen Modelle «Wallach» weiterhin in der Kollektion geführt

 

Redaktion IN / esther scheiner

Von am 15/11/2020. Abgelegt unter Europa. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.

Ein Kommentar zu: Jüdisches Leben in München einst und jetzt

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