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Solidarität mit dem Kloster Tabgha in Israel

Immer mehr Menschen ,Araber und Juden, bekunden nach einem Brandanschlag unbekannter Extremisten ihre Solidarität mit dem deutschen Kloster, das von dem Luxemburger Priester Zephyrin Biever (1849-1915) begründet wurde, der vor hundert Jahren starb.

Die Klosterkirche der deutschen Benediktiner in Tabgha am See Genezareth, wurde am 18. Juni Opfer eines Brandanschlags bisher unbekannten Täter. Auf einer Wand des Klosters fand sich ein hebräischer Schriftzug mit einem Zitat aus einem jüdischen Gebet. Die Klostergemeinschaft erlebte nach dem Anschlag, bei dem zwei Mitarbeiter des Klosters verletzt wurden, eine Welle der Solidarität von ihren einheimischen Freunden. 4000 christliche Araber versammelten sich am ersten Sonntag danach um den früheren Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Michel Sabbah, der bei einer Solidaritätsmesse in der Kirche des Benediktinerklosters verstärken Schutz für die christlichen Einrichtungen im Heiligen Land anmahnte. Nach den Arabern forderten am 28.06. auch Vertreter des Reformjudentums eine rasche Aufklärung und den Schutz der heiligen Stätten aller Glaubensrichtungen in Israel. Der Anschlag sei ein Weckruf für die israelische Gesellschaft, sagte der Präsident der „Union für Reform-Judentum“, Rabbiner Rick Jacobs.

Pater Zephyrin Biever. Foto: B. Bost

Pater Zephyrin Biever. Foto: B. Bost

Die Nordwestecke des Sees Genezareth war einer der Schwerpunkte des Wirkens und der Predigt Jesu. Die Menschen, die Jesus hier erlebt hatten, hielten diese Erinnerungen wach und gaben sie weiter. Seit Urzeiten mündet hier der Fluss Kinnar in den See Genezareth (hebr. Kinnereth) und gab diesem seinen Namen. Sieben Quellen entspringen hier und ergießen sich in den See. Tabgha ist eine arabische Entstellung des griechischen namens Heptapegon, was so viel heißt wie Siebenquell. Mehrere wichtige Ereignisse aus dem Leben Jesu sollen sich hier zugetragen haben, die Speisung der 5000 und der Ort der Erscheinung des Auferstandenen am See nach Joh. 21 und die Berufung des Petrus („Weide meine Lämmer“). Im 4. Jahrhundert entstand die erste byzantinische Brotvermehrungskirche in Tabgha.

Der Luxemburger Priester Zephyrin Biever (1849-1915) Pionier von Tabgha

Der Luxemburger Heilig Land Priester Zephyirn Biever aus Rollingergrund und sein Landsmann Joseph Weynandt aus Kolpach gelten als Pioniere des heutigen Tabgha. Sie haben im Auftrag des deutschen Heilig Land Vereins in Köln, der das Gelände erworben hatte, seit 1891 das Areal urbar gemacht und die ersten Pilgereinrichtungen errichtet. Durch den Anbau von Eukalyptus und Bananenstauden konnten sie einen großen Teil der schädlichen Sümpfe trocken legen und das Klima in der Region positiv verändern.

Fische von Tabgha, Photo: Pater Basilius Schiel

Fische von Tabgha, Photo: Pater Basilius Schiel

P. Biever konnte durch Zukauf von Ländereien beim Ruinenhügel Chirbet el Minje, das Gelände des Projektes Tabgha auf etwa 800 Morgen erweitern. Arbeiter für Tabgha fand er in den christlichen Dörfern Galiläas, in Ar-Rama, Eilabun, Deir Hanna, und in Zentralgaliläa, in Sachnin, Arabeh, und Maghar, in all diesen Orten errichtete Pater Biever auch die ersten Schulen. Der ganze Erlös aus der Landwirtschaft floss in diese schulische Arbeit.

Im Jahre 1900 errichtete P. Biever das erste Hospiz für Pilger. Im gleichen Jahre konnte P. Biever in Tabgha auch einen berühmten Reisenden begrüßen, der zwar schon viel über den Orient geschrieben hatte, aber seine ersten Orienterfahrungen vor Ort sammeln wollte, den berühmten Dichter Karl May. Nach dem Bau der Dormitio Abtei 1906 vernachlässigte der deutsche Heiliglandverein seine Außenstelle Tabgha mehr und mehr, dies gefiel Pater Biever nicht und er bat um seine Abberufung, er wurde Generalvikar des katholischen Bistums Zypern, wo er am 27. Juli 1915, kurz nach Beginn des Genozid an den Armeniern, starb. P. Biever hatte Tabgha durch seine gastfreundliche Art zu einem gern aufgesuchten Pilgerort im Heiligen Land gemacht.

Aus der Brotvermehrungsbasilika wird Teil eines Klosters

1936 wurden in der Nähe des Hospizes in Tabgha die wertvollen Mosaiken der Brotvermehrung aus dem 5.Jhdt.n.Chr. aus einer byzantinischen Kirche entdeckt. Sie wurden in einer Notkirche an ihrem Fundort belassen. Seit 1939 kamen Benediktinermönche vom Berg Zion auch nach Tabgha und gründeten ein kleines Kloster als Dependenz des Zionsklosters auf dem Gelände des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande in der Nähe der Brotvermehrungsnotkirche.

1948 wurden die Gebäude des von Pater Biever errichten Pilgerhospizes während des Unabhängigkeitskrieges von den Israelis beschlagnahmt und zum Bau einer beliebten Jugendherberge benutzt, die jedoch später wieder dem Heiliglandverein zurückgegeben wurde. Obwohl damals über die Hälfte der Araber aus Galiläa in die Nachbarländer flüchteten, blieb die Bevölkerung der meisten christlichen Orte, in denen P. Biever Schulen gegründete hatte im Lande, das beste Zeichen der Nachhaltigkeit des Werkes von P. Biever. Tabgha lag nun an der Nordostgrenze Israels und im Einzugsbereich syrischer Kanonen, denn der 4 km weiter östlich gelegene Jordan war die Grenze zu Syrien, dem Hauptgegner Israels.

Der Heiliglandverein baute über die Ruinen der byzantinischen Brotvermehrungskirche zwischen 1980-82 eine neue Kirche im byzantinischen Stil, in die die alten Mosaiken der ersten Kirche in mühevoller Arbeit renoviert und mit übernommen wurden Die benediktinische Gemeinschaft auf dem Berg Zion wollte damals unter dem aus dem Saarland stammenden Prior Immanuel Jacobs mehr für die ärmeren Bevölkerungsschichten Israels und Palästinas tun. Auf dem Gelände der Brotvermehrungskirche und des Pilgerhospizes wurde daraufhin eine Begegnungsstätte für behinderte und nichtbehinderte Kinder und Jugendliche aus Israel und dem Westjordanland eingerichtet, eine Einrichtung die vor allem während den beiden Intifadaaufständen sehr intensiv genutzt wurde.

Am 24. März 2000 segnete Papst Johannes Paul II. den Grundstein des neuen Pilgerhauses und nach zwei Jahren Bauzeit wurde die neue Anlage, die auf der von P. Biever errichteten aufbaute, von Joachim Kardinal Meisner 2002 eingeweiht. Mit den Päpsten Paul VI. (1897–1978) 1964 und Papst Johannes Paul II. (1920–2005) im Jahre 2000 haben bereits zwei Päpste Tabgha besucht.

Am 17. Mai 2012, 30 Jahre nach der Kirchweihe der Kirche von Tabgha am 23. Mai 1982, wurde in Tabgha ein neues Kloster eingeweiht. Die Architekten Alois Peitz und Hubertus Hillinger aus Trier hatten das Neubauprojekt, wodurch Tabgha zu einem eigenständigen Kloster wurde, durchgeführt. Tabgha ist heute eingebettet in neue katholische Großprojekte am Ufer des Sees Genezareth, wo in Magdala ein neues Zentrum des katholischen Heilig Land Pilgerwesens entstehen wird. Durch den Brandanschlag musste der Klosterladen, die Haupteinnahmequelle des Klosters, das in normalen Zeiten von 5000 Menschen täglich besucht wird, geschlossen werden, die Wiederaufbauarbeiten sollen nach Schätzungen der Benediktiner in die Millionen gehen.

Von Bodo Bost

Redaktion Israel-Nachrichten.org

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Von am 06/07/2015. Abgelegt unter Europa. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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