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Die dunklen Anfänge des Islam

Zum fünften Mal trafen sich Wissenschaftler der Forschergruppe Inarah auf einem Symposium in der Europaakademie Otzenhausen/Saar um ihre Forschungen über die Entstehung des Islams zu koordinieren.

Buch: Die dunklen Anfänge. Foto: B. Bost

Aus der seit der Jahrhundertwende bestehenden „Saarbrücker Schule“ der Koranforschung ist im Jahre 2007 die Forschergruppe „Inarah“ im Umfeld der Universität des Saarlandes entstanden, die seitdem alle zwei Jahre ein internationales Symposium an der Europaakademie Otzenhausen zur frühen Islamgeschichte und zur Entstehung des Korans durchführt. Ziel der Vereinigung ist es, Forschungen zur frühen Islamgeschichte und zur literarischen Eigenart und Theologie des Koran auf der Basis historisch-kritischer und philologisch über die Arabistik hinaus vertiefter philologischer Forschungen zu fördern. Initiatoren dieser Forschergruppe, die ausdrücklich keine politischen oder missionarischen Ziele verfolgt, sind die Professoren Karl-Heinz Ohlig, Gerd R. Puin, Markus Groß und der pseudonyme Christoph Luxenberg, der im Jahre 2000 durch sein Werk die „Syro aramäische Lesart des Koran“ die Saarbrücker Schule begründet hatte.

Zum fünften Treffen kamen nun etwa 70 Islamwissenschaftler von beiderseits des Atlantiks nach Otzenhausen/Saar zu einem Symposium unter dem Thema “Frühe Islamgeschichte und der Koran“. Der Forscherkreis in Otzenhausen hatte sich im Verhältnis zum letzten Symposium vor vier Jahren erstaunlich vermehrt und verjüngt. Zu verdanken war dies den zahlreichen neuen Impulsen die der neue Leiter der Forschungsstelle Religionswissenschaft der Universität des Saarlandes, Robert M. Kerr, seit zwei Jahren in Saarbrücken auslösen konnte. Vor allem aus Frankreich, Polen und den USA war einige neue junge Forscher angereist, die dem Koran und seinen Handschriften mit den Mitteln der modernsten Forschung und Technik zu Leibe rücken. So überraschte der Forscher Daniel Brubaker aus Norfolk/USA mit einem Listenverzeichnis von Hunderten von frühen Koranmanuskripten, auf denen ganz offensichtlich das Wort Allah (Gott) nachträglich hinzugefügt worden war. Sogar aus dem Libanon war der Forscher Hanna Skandar von der Universität Tripoli angereist, der sich auf die Untersuchung der Übereistimmungen des Korans mit den Schriften der christlichen Wüstenväter spezialisiert hat.

Felsendom von Jerusalem und seine Bedeutung für die Entstehung des Islams

Markus Groß bei einem Vortrag von Inarah 2018 in Otzenhausen/Saar. Foto: B. Bost

Bei Inârah arbeiten nicht nur Kenner der arabischen Philologie mit, sondern darüber hinaus auch Professoren der Semistik und Indogermanistik sowie Religionswissenschaftler, Theologen, Epigraphiker, Numismatiker, Rechtshistoriker und Hispanisten. Erstmals war in diesem Jahr eine Gruppe von in Deutschland lebenden iranischen Medizinern um M. Bamdadan in Otzenhausen dabei, die die großen Differenzen zwischen dem Koran und der Biographie des Propheten Mohammed unter die Lupe nahmen. Während der Koran zu 60% aus Anleihen an die Schriften der Bibel besteht und dazu noch 30 % von dem sprachlichen Befund her unverständliche Stellen enthält, hat die 200 Jahre später entstandene Mohammed Biographie (Sira) des Ibn Ishak versucht, ein kohärentes Islambild zu entwerfen, das heute zum dominierenden Islamverständnis geworden ist. Während im Koran die häufigsten erwähnten Personennamen Musa (Moses) und Isa (Jesus) sind, und sich der Koran deshalb vor allem an Christen und Juden richtet, kommen diese in der 200 Jahre später verfassten Sira überhaupt nicht mehr vor.

Inarah hat sich vorgenommen vor allem diese für das Verständnis des heutigen Islam wichtige Sinnwanderung zu erforschen und zu erklären. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Neuinterpretation der Inschriften im Jerusalemer Felsendom, dem ältesten islamischen Gebäude, der vor der Abfassung der Sira entstanden ist. Während der Koran und die Inschriften im Felsendom sich in erster Linie an Christen und Monotheisten richtet, richtet sich die Sira nur noch an die Jahiliyya (Heiden). Christoph Luxenberg konnte nachweisen, dass der Name Mohammed (arab. der Gelobte) aus der Inschrift im Felsendom nicht der Name des Propheten ist, sondern auf Isa (Jesus) abzielt. Immer wieder wurde während den vier Tagen in Otzenhausen auch die Frage nach den modernen Tendenzen im Islam gestellt. Viele vorwiegend junge Muslime, die sich als Salafisten bezeichnen, wollen mit Hilfe des Internet zurück zu den Wurzeln des Islam, aber sie wissen gar nicht mehr wissen, was diese Wurzeln sind. Von daher werden Forschergruppen wie die um Inarah, die diese Wurzeln wissenschaftlich erforschen, auch immer wichtiger für Muslime selbst um ihre eigene Religion besser zu verstehen. Aus diesem Grunde wird Inarah neben Deutsch, Englisch und Französisch ab diesem Jahr auch eine arabischsprachige Homepage anbieten und viele seiner bisherigen acht Buchbände ins Arabische übersetzen.

Von Bodo Bost

Herr Bost ist Journalist und Korrespondent der Israel-Nachrichten. Er lebt in Luxemburg.

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Von am 16/03/2018. Abgelegt unter Europa. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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